Wildbiene

Wildbiene des Monats Mai 2018: Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens, Viereck 1916)

Die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens) an ihrer Hauptpollenquelle

„Alles neu macht der Mai“, so heißt es im Liedtext von Hermann Adam von Kamp. Dies gilt ebenso für unsere kleine, ab Ende April fliegende Wildbiene des Monats Mai. Die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene verdankt ihren Namen dem speziellen Sammelverhalten: Sie sucht ausschließlich Nektar und Pollen am Ehrenpreis (Veronica). In Mitteleuropa fliegt sie hauptsächlich auf den Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys, Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae)). Dort findet sie ihre Hauptpollenquelle vor.

Auffällig ist ihre metallisch blau bis grünlich schimmernde Körperoberfläche und der bei den Männchen weiß gefärbte Kopfschild. Durch diese Merkmale hebt sich die kleine Andrena-Art gut sichtbar von der bläulichen Futterpflanze ab. Die im Frühjahr fliegende Wildbienenart ist zwischen 6 und 8 Millimeter groß.

Nachweiskarte und Gefährdung der Blauen Ehrenpreis-Sandbiene in Deutschland

Ihre Verbreitung findet die Sandbiene in Süd- und Mitteleuropa. Dabei verläuft die nördliche Grenze ihres Verbreitungsgebiets durch Deutschland vom nördlichen Ostdeutschland in südwestlicher Richtung durch das mittlere Westdeutschland. Es finden sich auch wenige Nachweise dieser Art in Schleswig-Holstein. Insgesamt ist Andrena viridescens deutlich öfter im Süden als im Norden der Republik zu finden (Siehe Karte).

Die heimische Wildbienenart gräbt ihre Brutgänge selbstständig in Offenlandschaften mit einer Vorliebe für freie Flächen aus sandigen, löss- oder lehmhaltigen Substraten. Dabei nutzt sie trockenes Grünland, Ruderalflächen, Sandgruben und Waldsäume als Habitate für ihre Nachkommenschaft. Die Solitärbiene nistet dabei einzeln aber zuweilen auch in kleinen Aggregationen. In ihrer Nistplatzwahl ist sie durch ihre Nahrungsspezialisierung streng limitiert.

Heimisches Wegerichgewächs: Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Stark mit den Blühzeiten vom Ehrenpreis (April bis Juli) synchronisiert ist demnach auch die Flugzeit von Ende April bis in den Juni hinein. Der bodendeckende heimische Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) bietet neben weiteren Sandbienenarten auch Fliegen und Schmetterlingsraupen (Maivogel, mehrere Scheckenfalter) reichlich Nahrung. Die Ehrenpreis-Wespenbiene (Nomada atroscutellaris) ist die einzig bekannte parasitierende Kuckucksbiene. Sie hat daher auch eine ähnliche Verbreitung wie die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene. In Deutschland wird die Sandbiene auf der Vorwarnliste der gefährdeten Wildbienenarten geführt. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie allerdings vom Aussterben bedroht. Auch in Brandenburg und Thüringen ist sie mittlerweile stark gefährdet.

„… duftend prangen Flur und Hain“ ist eine weitere Beschreibung des Wonnemonats Mai im Liedtext Adam von Kamps. Diese Zeilen ländlicher Idylle sind mittlerweile 200 Jahre alt und wiedersprechen vielerorts der Realität. Landschaften mit artenreicher Blütenpracht natürlichen Bewuchses fehlen oft, weshalb besonders spezialisierte (oligolektische) Wildbienenarten, wie unsere Wildbiene des Monats Mai, zu den stark gefährdeten Insekten in Deutschland zählen.

Literatur

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

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