Literaturtipps

Besonderer Tipp!

Andreas H. Segerer & Eva Rosenkranz
Das große Insektensterben: Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen
oekom verlag, München, 2018
Taschenbuch, 208 S.
ISBN 978-3-96238-049-6
€ 20,00 Bestellung

„Das grosse Insektensterben“ des Biologen Andreas H. Segerer und der Literaturwissenschaftlerin und Autorin Eva Rosenkranz widmet sich den Insekten. Diese Klasse ist nicht nur die artenreichste, sondern mit 480 Millionen Jahren auch eine der ältesten. Und sie sind bedroht. Dabei sind sie für das irdische Leben essentiell wichtig: Insekten sind Landschaftsgärtner, Nahrungsquelle, Bestäuber, Recycler und Regulierer, Helfer bei der Aufklärung von Mordfällen und Verbündete im Kampf gegen Krankheitserreger. Die Gesellschaft schenkt den Insekten zu wenig Beachtung und das wollen Andreas H. Segerer und Eva Rosenkranz ändern.

Der Schmetterlingskundler Segerer konstatiert: „Das Insektensterben […] bedroht die Funktionalität der planetaren Ökosysteme und damit auch unmittelbar unsere eigene Existenzgrundlage“. Es gibt gesicherte Anzeichen dafür, dass die heutige Aussterberate um das tausend- bis zehntausendfache über dem erdgeschichtlichen >>Grundrauschen<< liegt. Das Werk macht deutlich, alles hängt mit allem zusammen – die Ursachen sind komplex und multikausal (veränderte Landnutzung, Intensivierung der Landwirtschaft, Klimawandel, invasive Arten, Raubbau an natürlichen Ressourcen, Umweltverschmutzung usw.). Dabei sind jedoch keine Einzelverantwortlichkeiten auszumachen. Wolle man die Ursachen und Wechselwirkungen genau quantifizieren ist es als würde man „einen glitschigen Fisch mit bloßen Händen greifen“, so Segerer. Die Kapitel sind überaus informativ und bieten Exkurse zu unterschiedlichsten Themen. So wird auch Einsteigern die Möglichkeit gegeben, sich in die Komplexität von Themen wie: Taxonomie, Rote Listen, konventioneller Waldbau und industrielle Landwirtschaft zu stürzen. Zudem wird durch die deutliche Sprache das Ungleichgewicht von Ökologie und Ökonomie leicht verständlich geschildert.

Die harten Fakten aus Krefeld-Studie, Bestandsentwicklung der Schmetterlinge Bayerns und weiterer lokaler Forschungsergebnisse stimmen nachdenklich. Sie zeichnen ein aus den Fugen geratenes Bild der Mensch-Umweltbeziehungen: „Das Artensterben ist real und deutlich belegt“, so Segerer.  So gingen in nur 30 Jahren (1971 bis 2000) in Bayern „mehr [Schmetterlings-] Arten verloren (226 Arten) als in den vorausgegangenen 200 Jahren zusammengenommen (191 Arten)“. Segerer fasst zusammen: „Artbestände und Biomasse unserer Insekten sind im freien Fall, selbst Allerweltsarten bleiben davon nicht verschont“.

Was bedeutet eine Welt ohne Insekten? Wie steht es um unsere ethisch-moralische Verantwortung gegenüber anderer Lebewesen? Wer trägt Schuld daran und was kann jeder Einzelne tun?

Um konkrete Ansätze für den Artenschutz zu bieten, nehmen sich die Autoren einer 10 Punkte Agenda für Politik und (Land-) Wirtschaft an. Da heißt es zum Beispiel, dass in „zehn Jahren mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen ökologisch bewirtschaftet“ werden müssen. Weitere Forderungen sind transparente Zulassungsverfahren für Pestizide, Reduzierung der Viehbesatzdichte, Neu-Ausrichtung der Subventionspolitik der Europäischen Union oder die Schaffung von Anreizen für eine verminderte Flächenversiegelung. Besonders die Rolle der Landwirtschaft müsste sich dahingehend ändern, dass sie sich als Hüterin und Wiederherstellerin der biologischen Vielfalt betrachtet, und dies müsste gesellschaftlich geachtet und honoriert werden. 

Um wirklich entschieden etwas gegen den Artenschwund zu tun, bedarf es nicht weniger als einer Änderung unseres eigenen Lebensstils. Daher ist dieses Buch auch ein Appell an jeden Einzelnen. Es gilt beispielsweise die eigene Wahrnehmung was ein „guter Garten“ ist zu überprüfen, eine tiefgreifende Wertschätzung für unsere Lebensmittel zu etablieren und den kriechenden und fliegenden Lebewesen dieser faszinierenden Tiergruppe den gebührenden Respekt entgegen zu bringen.

Diese Lektüre findet deutliche Worte - Ein wichtiges Buch!
Dominik Jentzsch

Dr. Andreas H. Segerer über das Verschwinden der Schmetterlinge beim Expertenforum der Deutschen Wildtier Stiftung (11/2017)

Veronika Straaß u. Claus-Peter Lieckfeld (Texte), Nicole Ottawa u. Oliver Meckes (Fotos)

Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten.

Dölling u. Galitz  27. April 2018#

Softcover 23,3 x 32,2 cm


ISBN 978-3862180875
€ 24,90 Bestellung

Das Autorenteam Oliver Meckes, Nicole Ottawa (Fotografie), Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld (Texte) zeigt in diesem Bildband das Wunder der Metamorphose.

Zunächst führen die Autoren von den wissenschaftlichen Anfängen der Erforschung dieses Prozesses der Metamorphose bis zum aktuellen Wissensstand, der Computertomographie des „Umbaus“ einer Schmeißfliege.

Der Hauptteil des Buches besteht aus hochauflösenden Detailbildern von 20 Arten aus sechs Ordnungen, welche das preisgekrönte Fotografenteam mit Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie produziert hat. In dieser Präzision abgebildet wirken die „Gesichter“ der Insekten skurril, faszinierend und teilweise sehr amüsant. Diese Aufnahmen sind in der Lage, unsere Sicht auf die Tiere zu ändern. Wir blicken den Stadien der Insekten direkt in die Augen und finden dabei Bekanntes im Unbekannten. So können wir den Tieren ganz eigene, ungeahnte Charaktereigenschaften zuschreiben.

Schön ist, dass die Texte nicht nur systematisch eine komplizierte Materie leicht lesbar veranschaulichen, sondern auch persönliche Aspekte mit einfließen. Zum Beispiel die die private Motivation der Autorin Nicole Ottawa, dem Wunder der Metamorphose auf den Grund zu gehen („Es begann an einem Teich…“). Ein toller Bildband für Insektenliebhaber und solche, die es werden wollen. Julia Sander

Carsten Neßhöver
Biodiversität - unsere wertvollste Ressource
Verlag Herder, freiburg im Breisgau, 2013
eBook, 208 S.
ISBN 978-3-451-34573-9
€ 7,99 Bestellung

Beim Stichwort Artensterben denkt man zuerst an Nashorn oder Panda. Dabei wäre es für unser tägliches Leben sehr viel dramatischer, wenn Biene oder Regenwurm verschwinden würden! Mit einem Weniger, aber auch einem Mehr von Natur umzugehen ist die Herausforderung der Zukunft. Carsten Neßhöver zeigt anhand von Fallbeispielen und wissenschaftlichen Fakten auf, warum Biodiversität unsere wertvollste Ressource ist - und was wir tun müssen, um sie zu schützen.

 

Bundesamt für Naturschutz (BfN, 2014): StadtNatur Begleitheft zur Ausstellung

Stadtnatur wird für uns Menschen immer bedeutender, weil sie gesunde und attraktive Lebensbedingungen sowie gut erreichbare Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung bietet. Darüber hinaus leistet Stadtnatur in Form von Grünstrukturen einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel sowie zum Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt.

Ziel der Ausstellung „StadtNatur“ ist es, die vielfältigen Seiten der Stadtnatur darzustellen und die Notwendigkeit eines sensiblen Umgangs mit ihr hervorzuheben. (Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz )

 

Deutsche Umwelthilfe (DUH, 2016): Perspektiven für Wildnis in der Stadt -  Naturentwicklung in urbanen Räumen zulassen und kommunizieren


Die Broschüre beschreibt anhand von vier Modellstädten (Arnsberg, Gelsenkirchen, Leipzig und dem Berliner Bezirk Spandau) wie zufällig entstandene „Wildnis“ geschützt, neue „Wildnis“ auf den Weg gebracht und wie diese Stadtmenschen nahe gebracht werden kann.

Die vier Kommunen haben sich unermüdlich dafür eingesetzt, den Wildnisgedanken auf die Agenda zu bringen – sowohl konkret auf ihren Flächen als auch im Gespräch mit Partnern, Mitstreitern, Vertretern von Politik und Gesellschaft und natürlich mit ihren Bürgerinnen und Bürgern. Aus den gewonnen Erkenntnissen und Erfahrungen ist diese Broschüre entstanden. (Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V.)

 

Caspar A. Hallmann et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas, in: PLOS One, 18. Oktober 2017 (engl.)


Die sogenannte "Krefelder Studie" erregte Ende 2017 großes Aufsehen mit der schon in der Artikel-Überschrift formulierten Erkenntnis: Die Fluginsekten-Biomasse ist im vergangenen Vierteljahrhundert in den 63 untersuchten deutschen Naturschutzgebieten dramatisch zurückgegangen. Zu verdanken ist das Studienergebnis vor allem ehrenamtlichen Insektenkundlern vom Entomologischen Verein Krefeld e.V., die die Insektenfallen aufstellten. Die Besonderheit der Studie liegt darin, dass nicht einzelne Arten oder Artengruppen und deren Gefährdungsgrad untersucht wurden, wie bspw. in den "Roten Listen", sondern die Fluginsekten-Biomasse insgesamt, die u.a. als Nahrungsquelle für andere Tiere, darunter viele Vögel, eine große Rolle spielt.

 

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