Wildbienenarten

In Deutschland gibt es über 550 Wildbienenarten. Anders als die Honigbienen leben die meisten Wildbienen nicht in größeren sozialen Einheiten, sondern als Einzelgänger. Sie werden deswegen auch als Solitär- oder Einsiedlerbienen bezeichnet. Mehr als 400 Arten bauen ihre Nester eigenständig, 135 Arten parasitieren an anderen Wildbienenarten und sparen sich das eigene Nest. 75 Prozent aller Wildbienenarten nisten im Boden, der Rest sucht sich Pflanzenhalme oder nutzt Fraßgänge von Käfern im Holz. Die Holzbiene bohrt sich eigene Löcher in Totholz, und einige Hummeln nutzen Baumhöhlen, um dort ihre kleinen Staaten zu gründen.

Die kleinsten Wildbienen in Deutschland sind nur 4 Millimeter groß (Sand-Steppenbiene), andere Arten haben eine Größe von bis zu drei Zentimetern. Ebenso wie die Honigbienen haben Wildbienen eine große Bedeutung als Bestäuber von Bäumen, Blumen und Nutzpflanzen. Erst in der "Zusammenarbeit" von wilden Insekten, darunter vor allem auch Wildbienen, und Honigbienen werden die besten Bestäubungsleistungen erreicht. (Mehr dazu bei Welt.de, dem Tagesspiegel und dem Deutschlandfunk.) Wildbienen müssen keinen großen Honigvorrat verteidigen und haben deshalb nur einen sehr kleinen Stachel, der nicht durch die menschliche Haut stechen kann.

Bildnachweis: ©  Roland Günter (Garten-Wollbiene, Gewöhnliche Zwerg-Blutbiene, Juni-Langhornbiene, Gehörnte Mauerbiene, Bunte Blattschneiderbiene, Dunkelgrüne Schmalbiene, Rainfarn-Maskenbiene, Schuppenhaarige Kegelbiene, Dunkelfransige Hosenbiene, Stumpfzähnige Zottelbiene, Rotfühler-Wespenbiene); © Hans-Jürgen Sessner (Gemeine Pelzbiene, Buckel-Seidenbiene, Rostrote Mauerbiene); © Albert Krebs (Wald-Schenkelbiene)

Wildbienen-Bestimmungsschlüssel für einige Arten an Nisthilfen

Wildbienen-Bestimmungsschlüssel

Wildbienen und ihre Futterpflanzen

Wie auch bei vielen anderen Insektenarten gibt es unter den Wildbienenarten einige, die sich auf einzelne Pflanzenfamilien bei der Aufnahme von Pflanzenpollen und Nektar spezialisiert haben. Diese Art der Futter-Spezialisierung nennen wir Oligolektie. Sind die Wildbienen noch stärker spezialisiert, das heißt sammeln sie Pollen nur bei einer Pflanzengattung oder sogar von nur einer Pflanzenart bezeichnen wir das als monolektische Verhaltensweise. Wildbienenarten, die nicht auf einzelne Pflanzenfamilien spezialisiert sind, werden zu den polylektischen Arten gezählt. Sie nehmen sowohl Pflanzenpollen und Nektar von Lippenblütlern, Rachenblütlern oder Korbblütlern u.v.a.m. auf.

So erklärt sich auch, dass viele der Wildbienenarten sich in den letzten Jahrzehnten in ihrem Bestand stark dezimiert haben, regional sogar verschwunden sind oder sogar ausgestorben sind. Mit dem Verschwinden der Pflanzen aus unserer Kulturlandschaft, verschwinden auch die Insekten. Wildbienen können aufgrund ihrer evolutiven Anpassung nicht auf andere Futterpflanzen ausweichen. Sie sterben ohne ihre Trachtpflanzen lokal selbst dann aus, wenn es reichhaltig blüht und ideale Nistplätze vorhanden sein mögen. In Deutschland sind 30 Prozent der Wildbienen oligolektisch.

Eine Liste von Futterpflanzen und den Wildbienen, die von ihnen profitieren, finden sie hier (PDF).

Weitere Informationen finden Sie auch auf folgender Webseite:
http://www.wildbienen.info/bluetenbesuch/oligolektie.php

Das Institut für Bienenkunde Celle - LAVES - stellt in einer umfangreichen, informativen Tabelle die Lebensweise und die ökologische Bedeutung von Bienen, Wespen und Hornissen dar.

Lebenszyklus einer Wildbiene

Der Lebenszyklus einer Wildbiene sieht im Allgemeinen so aus, dass sich das weibliche Tier einen geeigneten Hohlraum sucht. Diesen nutzt sie als Nistraum, um ihn für die Nachkommen herzurichten. Sie trägt Pollen und Nektar ein und legt meist ein Ei zum Futtervorrat. Dann wird die Kammer mit für die Bienenart spezifischem Baumaterial geschlossen (bspw. Lehm oder Sandkörner) und es folgt die nächste Kammer. Die Nester werden auch gegen Fressfeinde oder parasitierende Feinde am Ende verschlossen. Das sog. Pollenbrot reicht als Nahrung für die gesamte Entwicklung vom Ei über das Larvenstadium bis zur fertigen Biene.

Nach 4 bis 10 Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven. Diese wachsen während 2 bis 4 Wochen über mehrere Larvenstadien bis zur Puppe. Sie überdauern auch im Puppenstadium den Winter. Vor dieser Ruhephase spinnen die Larven der meisten Arten einen Kokon aus Seide. Durch den Kokon geschützt kann sich nun die Verwandlung (Metamorphose) zur ausgewachsenen Biene vollziehen.

Da die Männchen einen kürzeren Zeitraum für die Metamorphose (Ei → Larve → Puppe → Biene) benötigen, verlassen sie zuerst den Nistraum und dann folgen die Weibchen. Anschließend bauen die Weibchen selbst Nester und legen Eier. Sie sterben meist bevor ihre Nachkommen schlüpfen. So ergibt sich bei den meisten Wildbienenarten ein einjähriger Lebenszyklus.

Solitärbienenweibchen erbringen aus 20-40 Larven maximal 10 Nachkommen für die Folgegeneration. Bei sozialen Bienen ist diese Zahl wesentlich höher. So schaffen soziale Bienen manchmal bis zu 1500 Nachkommen. Die staatenbildenden Hummeln beispielsweise kommen auf 100-800 Nachkommen während eines Lebenszyklus. 

Wildbienen in markhaltigen Pflanzenstängeln

Die Mehrzahl unserer heimischen Wildbienen nisten im Boden oder in Steilwänden. Viele Wildbienenarten brauchen für ihre Brut aber auch markhaltige Triebe, z.B. Brombeer-, Himbeer- und Rosenranken, sowie verholzte Triebe von Holunder und Pfeifenstrauch, aber auch Beifuß, Distel und Königskerzen sind wichtige Kinderstuben.

Gewöhnliche Keulhornbiene am Nesteingang (Holunderzweig) (Bildautor: Albert Krebs)

Selbst aktiv werden leicht gemacht

Pflanzenstängel werden auf eine Länge von etwa 20 cm sauber abgeschnitten und einzeln oder in kleinen Bündeln immer senkrecht an sonnigen Stellen z.B. an Zäunen oder Geräteschuppen angebracht. Verlassene Triebe können an Ort und Stelle bleiben um im Folgejahr auch nachnutzenden Hohlraumbesiedlern (z.B. Masken-, Mauer- oder Scherenbienen) eine Nistmöglichkeit zu geben. Für die Wildbienen, die markhaltige Triebe brauchen, müssen jedoch jedes Jahr neue geschnitten und angebracht werden.

Wer keine markhaltigen Triebe zur Verfügung hat, kann z.B. abgestorbene Brombeertriebe von Feld- oder Waldrändern entnehmen.

Bei der Gartenpflege sollten Pflanzen mit markhaltigen oder hohlen Stängeln solange im Frühjahr stehen bleiben, bis die Wildbienen ungestört schlüpfen konnten. Ein sehr zeitiger oder übertriebener Ordnungssinn ist hier fehl am Platze.

Nachfolgend sind Wildbienen gelistet, die in markhaltigen Trieben ihre Brut anlegen:

Kleine Blattschneiderbiene beim Nestverschluss in Brombeer (Rubus)- Stängel (Bildautor: Albert Krebs)

Schwarze Keulhornbiene (Ceratina cucurbitina, Rossi 1792)
Gewöhnliche Keulhornbiene (Ceratina cyanea, Kirby 1802)
Metallische Keulhornbiene (Ceratina chalybea, Chevrier 1872)
Dreizahn-Stängelbiene (Hoplitis tridentata, Dufour & Perris 1840)
Schwarzspornige Stängelbiene (Hoplitis leucomelana, Kirby 1802)
Sandrasen-Maskenbiene (Hylaeus angustatus, Schenck 1861)
Kurzfühler-Maskenbiene (Hylaeus brevicornis, Nylander 1852)
Gewöhnliche Maskenbiene (Hylaeus communis, Nylander 1852)
Kleine Blattschneiderbiene (Megachile alpicola, Alfken, 1924
Stängel-Blattschneiderbiene (Megachile genalis, Morawitz 1880)
Gelbspornige Stängelbiene (Osmia claviventris, Thomson 1872)
Stängel-Düsterbiene (Stelis ornatula, Klug 1807)
Spitzfühler-Stängelbiene (Hoplitis acuticornis, Dufour & Perris 1840)

Auch einige Grabwespen (Pemphredon) und solitäre Faltenwespen (Odynerus) besiedeln markhaltige Triebe.

Wildbienen-Kurzporträts

Wenn Sie auf der Suche nach umfangreicheren Beschreibungen heimischer Wildbienen sind, besuchen Sie unsere Unterseiten der Wildbiene des Monats und Wildbiene des Jahres

planet wissen über Wild- und Honigbienen, als Studiogast der Bienenexperte Prof. Dieter Wittmann

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