Wildbiene

Wildbiene des Monats August 2018: Zahntrost-Sägehornbiene(Melitta tricincta, KIRBY 1802)

Zahntrost Sägehornbiene (Weibchen) beim Nektarsaugen am Gelben Zahntrost (Odontites lutea)

Auch im Hochsommer ist reichlich Flugbetrieb bei unseren heimischen Wildbienen. Dazu zählt auch die von August bis September fliegende Zahntrost-Sägehornbiene. Unsere ausgewählte „Wildbiene des Monats“ ist mit ihren 10 bis 12 Millimeter Körperlänge in etwa so groß wie eine Arbeiterin der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Die Fühlerglieder der Männchen haben einen für die Bienengattung Melitta typisches sägeartiges Aussehen, was sich auch in der deutschen Namensgebung widerspiegelt. Der schwarze Körper ist durch schmale, weiße Hinterleibsbinden an den Enden der Hinterleibsegmenten, den Tergiten-Enden gekennzeichnet.

Nachweiskarte und Gefährdung der Zahntrost Sägehornbiene in Deutschland

Die Zahntrost-Sägehornbiene ist eine echte Europäerin. Man findet sie von Portugal bis zum östlichsten Teil des europäischen Russlands. Im Norden erreicht ihre Verbreitung England und Schweden. Ebenfalls bekannt sind Vorkommen auf Sizilien und Bulgarien. In Deutschland ist sie weit verbreitet, aber selten. In allen Bundesländern ist sie mit einem unterschiedlichen Gefährdungsgrad in der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt (siehe Verbreitungskarte). Neben Brach- und Ruderalflächen finden wir mitunter größere Bestände in Sand, Kies- und Lehmgruben, an sonnenbeschienenen Dämmen, Magerrasen, Feuchtwiesen und extensiv genutztem Grünland. Die Wahl ihres Lebensraumes ist dabei stets an ausreichend große Bestände vom Zahntrost (Odontites, Orobanchaceae) gebunden.

Die solitär lebende Wildbienenart hat beim Nestbau keinerlei Präferenzen für das Bodensubstrat. Auch im Deckungsgrad der Vegetation ist sie variabel und nutzt schütter bis dicht bewachsene Flächen mit unterschiedlicher Neigung. Ähnlich wie bei Sandbienen (Andrena), bestehen ihre Nester aus einem Hauptgang mit mehreren Seitengängen, die in Brutzellen enden. Die einzelnen Brutkammern werden mit einer dünnen wachsartigen Substanz ausgekleidet.

Darstellung der Futterpflanze von Melitta tricincta - links Roter Zahntrost (Odontites rubra), rechts Gelber Zahntrost (Odontites lutea)

Bei der Nahrungsaufnahme ist unsere Sägehornbiene äußerst wählerisch. Die streng oligolektische Wildbienenart sammelt einzig und allein an der Pflanzengattung des Zahntrosts (Odontites). In Deutschland sammelt sie Pollen und Nektar am Roten Zahntrost (Odontites rubra) und am Gelben Zahntrost (Odontites luteus). Vermutlich sind alle heimischen Sägehornbienen auf bestimmte Pflanzengattungen beziehungsweise Pflanzenarten spezialisiert (hierzu besteht noch großer Forschungsbedarf). Ohne den Zahntrost kann also unsere „Wildbiene des Monats“ ihre Nachkommen nicht versorgen. Interessant ist auch die Lebensweise des Zahntrostes selbst: Diese halbparasitierende Pflanzengattung wächst mittels spezieller Saugorgane in benachbarte Pflanzenwurzeln ein. Nachdem sie sich mit dem Leitgewebe (Xylem) anderer Pflanzen verbunden hat, gelangt sie an dessen Nährstoffe und Wasser.

Luzerne-Sägehornbienen Schlafgesellschaft (Männchen) an dürrem Artemisia-Stengel

Das Aussehen von Sägehornbienen (Melitta) erinnert stark an Sandbienen (Andrena), doch gibt es feine, nur beim näheren Hinsehen auch erkennbare Unterschiede: dazu gehören (a) die fehlende Haarlocke an den Hinterbeinen, (b) das Ausbleiben der neben den Facettenaugen befindlichen behaarten, flachen Grube, der Fovea facialis,  bei den Weibchen und (c) die längeren Fühler der Männchen. Die schnell fliegenden Männchen schlafen allein oder in Gemeinschaften echter Männer-Wohngemeinschaften in Blüten oder auf anderen Pflanzenteilen.

Auch unsere wählerische „Wildbiene des Monats“, die auf eine spezialisierte Pflanzengattung angepasst ist, wird selbst parasitiert. Die schmarotzende Greiskraut-Wespenbiene (Nomada flavopicta) sammelt dabei ihren Nektar erstaunlicherweise nicht am Zahntrost, sondern überwiegend am Greiskraut (Senecio).

In Deutschland sind nur sechs Melitta-Arten bekannt. Folgende Arten sind noch relativ weit verbreitet: Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis), Luzerne-Sägehornbiene (Melitta leporina) und Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans). Auch diese Nahrungsspezialisten werden ebenfalls von der Greiskraut-Wespenbiene parasitiert.

Literatur

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

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