Imker mit Honigbienen auf Wabe

Bienensterben

Eine gute Nachricht vorweg: Der Honigbiene (Apis mellifera) geht es gut. Sie ist nicht vom Aussterben bedroht. Sie lebt in Obhut von Imkerinnen und Imkern, deren Anzahl seit 2011 in Deutschland stetig steigt. Aktuelle Zahlen zur Imkerei stellt der Deutsche Imkerbund e. V. bereit. Sehen Sie hier eine Grafik des Deutschen Imkerbunds zu den aktuellen Zahlen der Imkerei in Deutschland.

Trotzdem erlitt die Honigbiene in letzter Zeit auch starke Verluste. Dazu tragen vermutlich viele Faktoren bei, unter anderem:

  • Varroose; Krankheit, die von der Varroa-Milbe übertragen wird
  • Nahrungsmangel
Bienensterben: Die Honigbiene (Apis mellifera, hier an Blüte) ist nicht bedroht. Bei den Wildbienen ist in Deutschland die Hälfte der Arten gefährdet.
Honigbienen sind nicht bedroht. Bei den Wildbienen ist in Deutschland jedoch die Hälfte der Arten gefährdet. © Hans-Jürgen Sessner

Tote Bienen in Deutschland

Ein drastischer Fall von Bienensterben mit 11.500 betroffenen Bienenvölkern ereignete sich im Frühsommer 2008 im Rheintal in Baden-Württemberg. Hierbei konnte als Ursache die Vergiftung durch ein Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide nachgewiesen werden.

Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben eine Reihe von Risiken für Bienen identifiziert, die von drei Neonicotinoid-Insektiziden ausgehen. Die Behörde wurde von der Europäischen Kommission mit der Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zur Saatgutbehandlung bzw. in Form von Granulat ersucht. Dabei ging es um Insektizide der Unternehmen Bayer und Syngenta. Mehr dazu bei Welt.de und der EFSA.

Traktor auf Feld; Neonicotinoide aus der Landwirtschaft setzen den Insekten zu; sie gelten als eine Ursache für das Bienensterben
Neonicotinoide aus der Landwirtschaft setzen den Insekten zu. © Fotokostic/shutterstock.com

Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse entschied die EU-Kommission im April 2013, den Einsatz von drei Insektiziden ab dem 1. Dezember 2013 für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zu verbieten, weil sie den Bienen schaden. Dagegen klagten die betroffenen Konzerne Bayer, BASF und Syngenta. In einem Artikel des NABU wird das Problem der Neonicotinoide anschaulich dargestellt.

Details zu Neonicotinoiden und ihre Zulassung in der EU.

Warum sterben Bienen in den USA?

Das Phänomen „Colony Collapse Disorder“ (CCD) wird vor allem in den USA seit dem Jahr 2007 beobachtet. Ein typisches Symptom ist, dass sich die Völker kahlfliegen: Die Sammelbienen kehren nicht in den Stock zurück. Die unversorgten Jungbienen mit der Königin und der Brut sterben infolgedessen. Als mögliche Ursachen werden unter anderem diskutiert:

geöffneter Bienenstock; bei dem Phänomen "Colony Collapse Disorder" kehren die Sammelbienen nicht in den Stock zurück; Brut, Jungbienen und Königin sterben infolgedessen (hier: Symbolbild)
Colony Collapse Disorder: Die Sammelbienen kehren nicht in den Stock zurück. Brut, Jungbienen und Königin sterben infolgedessen (hier: Symbolbild). © SMU/Cornelis Hemmer
  • Unter- oder Fehlernährung durch Monokulturen in der Landwirtschaft
  • Pestizide
  • Krankheitserreger
  • Parasitenbefall
  • Immunschwäche
  • Sonnnenstürme
  • Elektrosmog

Vermutlich ist eine Kombination mehrerer Faktoren für CCD verantwortlich. Eine Studie vom Oktober 2012 zeigt, dass Pestizide beziehungsweise die häufig in unserer Kulturlandschaft versprühten „Pestizid-Cocktails“ einer der Hauptverursacher für das Bienensterben sind. Darüber berichtete Welt.de in einem ausführlichen Artikel.

Eine sehenswerte Dokumentation zum Thema mit dem Titel „Böden im Burnout“ finden Sie in der Mediathek von 3sat.

Dokumentarfilm „More than honey“

Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof hat sich auf die Reise begeben, um den Ursachen und Folgen des weltweiten Bienensterbens auf die Spur zu kommen. Stationen seiner Recherche sind die USA, China, Australien, Österreich, die Schweiz und Deutschland.

Der Film wartet mit spektakulären Makroaufnahmen von Honigbienen auf. Wer schon immer die Begattung einer Bienenkönigin beim Hochzeitsflug sehen wollte, muss diesen Film anschauen. Deutschland summt! ist Partner von Senator Film Verleih und kümmert sich mit weiteren Institutionen darum, den Film bekannt zu machen. Nähere Infos über „More than Honey“ finden Sie auf der Website zum Film.

Über den Film ist auch ein Buch erschienen.

Der mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Film steht für öffentliche DVD-Vorführungen zur Verfügung. Vereine, Schulen und Initiativen können die Vorführrechte unter infofilmwerk.de buchen. Zudem gibt es pädagogisches Arbeitsmaterial zum Film.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hat den Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. In der Begründung heißt es unter anderem:

„Ein wichtiger Film über eine ungute Entwicklung unserer Zeit. Und ein Denkmal für die kleinen Helden der Lüfte.“

Pressestimmen zum Film

„Ein detailverliebter Film mit virtuosen Nahaufnahmen“, lobt der Tagesspiegel „More than Honey“. In dem Artikel kommt auch Regisseur Markus Imhoof zu Wort.

Spiegel Online hat eine „faszinierende Dokumentation“ gesehen und meint: „'More Than Honey' ist dabei kein wütendes, anklagendes Pamphlet, sondern ein melancholisches Porträt eines wundersamen, aber schwerst missverstandenen Tieres.“

„Aufzuzeigen, was der Mensch den Bienen antut, und warum es eine Katastrophe wäre, wenn diese verschwänden, ist die große Leistung dieses furiosen Dokumentarfilms“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Im Filmdienst ist zu lesen: Regisseur „Imhoofs Haltung ist klar. Ins Pathos kippt sie nie, es wird weder dämonisiert noch glorifiziert. Den sorgsam ausgewählten Protagonisten begegnet Imhoof mit freundlicher Distanz.“

Das amerikanische Branchenblatt Variety schreibt: „Most striking in 'More than Honey' are closeups of the bees in their hives, symbiotically working together in creating their new queen: Imhoof rightfully spends time detailing the extraordinary nature of bee social structure. Even more noteworthy are sequences of the bees in flight.“

Trailer des Dokumentarfilms „More than Honey“ über das weltweite Bienensterben

Dokumentarfilm „Vanishing of the Bees“

Trailer des Dokumentarfilms „Vanishing of the Bees“

Hilfe für Honigbienen

Cover zum Buch „Wir tun was für Bienen“

In unserem Buch „Wir tun was für Bienen“ zeigen wir auf, wie die Zukunft der Honigbienenhaltung aussehen könnte, um eine bessere Gesundheit der Insekten zu gewährleisten.

So könnte der Weg über die Reflektion der bisherigen Zucht hin zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung gehen. Hierzu sind sicherlich auch Erneuerungen in Imkervereinen und -kursen nötig. Als Inhalte schlagen wir beispielsweise vor, Varroamilben chemiefrei zu behandeln und mehr Gewicht auf Umweltbildung zu legen.

Honig beim lokalen Imker statt in Discountern zu kaufen und auf biologisch erzeugte, regionale und saisonale Lebensmittel zu setzen, kann ebenso zur Verbesserung beitragen. Eine Landwirtschaft ohne Chemie wäre schließlich ein Zustand, den wir uns wünschen.

Beim Klick auf das Cover gelangen Sie zur Leseprobe. Das Buch ist im Kosmos Verlag erhältlich. Für das Jahr 2022 ist die dritte Auflage in Planung.

Das Sterben der Bienen betrifft vor allem Wildbienen

Wildbiene; das Bienensterben betrifft diese wertvollen Bestäuberinsekten
Wildbienen brauchen dringend mehr Nahrungs- und Nistplatzangebote, um zu überleben. © Roland Günter

Mehr als bei den Honigbienen kämpfen zahlreiche Wildbienen ums Überleben. Von dieser Gruppe aus über 500 Bienenarten (bei uns in Deutschland) ist die Hälfte gefährdet! Einige Ursachen für das Bienensterben bei Wildbienen:

  • Nahrungs- und Nistplatzmangel
  • Einsatz von Pestiziden
  • Monokulturen in der Landwirtschaft

 

Stehen Wild- und Honigbienen in Konkurrenz zueinander?

Weiterführende Informationen

Wildbienen ganz einfach helfen: Pflanzen Sie nektar- und pollenreiche heimische Pflanzen.

Machen Sie bei unserem bundesweiten Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen!“ mit.

PLAN BEE – LEBEN OHNE PESTIZIDE

Kontakt

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Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
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Tel.: +49 30 394064-310
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