Wildbiene

Wildbiene des Monats Februar 2022: Mooshummel (Bombus muscorum, LINNAEUS 1758)

Männchen an Mannstreu (© Heinz Wiesbauer)

Wir erkennen sie nicht nur an ihrer Größe, auch ihr hoher Summton verrät sie. Mit ausgebreiteten Flügeln nimmt die Mooshummel-Königin stolze 35 Millimeter ein, andernfalls 17–19 Millimeter. Die Arbeiterinnen der Mooshummel sind mit 10–17 Millimeter etwas kleiner. Die Mooshummel-Drohnen werden maximal 15 Millimeter groß. Im Aussehen unterscheidet sich die Großfamilie allerdings nicht: Auf dem Brustteil hat sie eine braunorangene Färbung, seitlich ist sie hellgelb. Mooshummeln sehen der häufig vorkommenden Ackerhummel (Bombus pascuorum) sehr ähnlich.

Die Mooshummel kommt in weiten Teilen Eurasiens gut zurecht. Selbst Skandinavien, Russland und die Mongolei zählen zu ihrem Verbreitungsgebiet. In Deutschland finden wir die seltene Art jedoch nur noch sehr lokal. Sie lebt bevorzugt auf feuchten Standorten des Offenlandes. Zum Überleben braucht sie daher Niedermoore, Sumpfgebiete, Flussauen und blütenreiche Deiche. Kleereiche Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren in Gewässernähe sind für sie ideale Standorte.

Nachweiskarte und Gefährdung der Mooshummel in Deutschland

Die Mooshummel erscheint im Vergleich zu anderen Wildbienenarten spät im Jahr: Die überwinterte Königin ist erst ab Mai unterwegs und sorgt bis Juni für ihre Staatengemeinschaft. Die Mooshummel-Arbeiterinnen erscheinen im Juni und sind bis September aktiv. Die Drohnen des kleinen Hummelstaates fliegen von August bis Ende Oktober.

Für einen sicheren Nistplatz sucht die Königin zunächst geeignete Bodenstellen. Ist eine gefunden, prüft sie dort dicke Grasbüschel und großzügige Moospolster auf ihre Tauglichkeit. Auch bereits vorhandene Hohlräume alter Baumnester oder Vogelhäuser dienen ihr als Nest. Vom Einzug bis zum Verlassen der Nester vergehen etwa drei bis vier Monate. Als erstes flechtet die Königin eine Innenverkleidung aus Moos und trockenem Gras für das neue Domizil. Danach fertigt sie Brutzellen und Vorratstaschen aus Wachs. Letztere befüllt sie mit Nektar. Dann schlüpfen die ersten Arbeiterinnen und etwas später auch die Männchen. Der sozial organisierte Hummelstaat kann im Laufe des Sommers bis zu 120 Individuen beherbergen.

Die neuen Jungköniginnen schlüpfen als Letzte. Sie verpaaren sich im Spätsommer. Im Unterschied zu anderen Hummelarten paaren sie sich nur mit einem einzigen Männchen. Die alte Königin, Arbeiterinnen und Drohnen sterben noch im selben Jahr. Einzig die Jungköniginnen verharren in einem Winterquartier, bis sie im nächsten Frühjahr eine neue Generation gründen. Die Mooshummel nutzt eine Vielzahl von Pflanzenfamilien als Pollenquelle. Einzelne Pflanzenarten haben es ihr aber ganz besonders angetan. Rot- und Weißklee gehören dazu sowie Taubnesseln, Heil-Ziest, Schwarze Flockenblume und Glockenheide. Dank ihres langen Rüssels gelangt sie auch an tief liegenden Nektar. Für die Nahrungssuche fliegt sie höchstens 500 Meter weit.

Königin auf Flockenblume (© Heinz Wiesbauer)

Die Mooshummel ist sehr selten und stark gefährdet, da sie Feuchtgebiete bevorzugt. Diese Lebensräume gibt es immer weniger. Das Verschwinden der Moore setzt aber nicht nur der Mooshummel zu, sondern auch vielen anderen Tieren und Pflanzen. In Deutschland kommen noch 5 % der ursprünglichen Moore vor. Der Großteil der Moore Deutschlands wurde entwässert, abgefräst, bebaut oder er wird land- beziehungsweise forstwirtschaftlich genutzt. Daher ist es wichtig, die verbliebenen Moore zu erhalten. Sie wachsen im Jahr nur etwa einen Millimeter!

Die gute Nachricht ist: Wir alle können aktiv werden. Pflanzen Sie Rotklee in aufgelockerte Erde. Achten Sie beim Kauf auf torffreie Blumenerde – auch Bio-Erde kann Torf enthalten. Machen Sie eine Moorwanderung oder werden Sie „Moorpate“. Die letzten Moore sind sehr schützenswerte Ökosysteme! Wertvolle Tipps, wie Sie bienenfreundliche Strukturen im Garten oder auf dem Balkon gestalten können, finden Sie auf unseren Websites www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de.

Schnelle Fakten

Name

Mooshummel (Bombus muscorum, Linnaeus 1758)

Flugzeiten

Königin: Mai–Juni, Arbeiterin: Juni–September, Drohnen: August–Oktober

Nahrung und Lebensraum

unspezialisiert; sammelt an mehreren Pflanzenfamilien; nutzt Kleearten, Taubnesseln, Heil-Ziest, Schwarze Flockenblume, Echtes Herzgespann; braucht feuchte Standorte des Offenlandes (Moore, blütenreiche Deiche)

Nistweise

nistet oberirdisch in der Krautschicht, unter Moos, in Grasbüscheln, in alten Vogelnestern; benötigt Moos und trockenes Gras als Baumaterial

Parasiten

nicht bekannt

Gefährdung

gilt in Deutschland als stark gefährdet und selten – nur noch sehr lokale Vorkommen

Besonderheiten

lebt in kleinen Staaten mit bis zu 120 Individuen, nutzt Arbeitsteilung, Königinnen verpaaren sich nur mit einem einzigen Männchen

Literatur

Amiet, Felix & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Matthias Helb (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Hemmer, Cornelis & Corinna Hölzer (2017): Wir tun was für Bienen. Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei. Kosmos, Stuttgart, 2. Auflage; 128 S.

Scheuchl, Erwin & Wolfgang Willner (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Portrait; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Wiesbauer, H. (2017). Wilde Bienen - Biologie–Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas, 2. Auflage, Eugen Ulmer KG, Stuttgart.

Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2.Aufl., 1.700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

Witt, Rolf (2016): Vorkommen und Bestandssituation seltener Hummelarten (Bombus) in Niedersachsen und Bremen (Hymenoptera: Apidae); Ampulex, 8, 24–39, Berlin.

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