Wildbiene

Wildbiene des Monats Oktober 2023: Die Dünen-Pelzbiene (Anthophora bimaculata,PANZER 1798

Weibchen der Dünen-Pelzbiene (© Roland Günter / naturbildarchiv-guenter.de)

Hier haben wir eine Seltenheit im Bienenpelz! Sie mag es sandig, sie ist bunt und gefährdet. Die Dünen-Pelzbiene ist unsere Wildbiene des Monats Oktober. Weltweit gibt es 350 Pelzbienenarten. In Deutschland finden wir jedoch nur eine Handvoll. Die kleine, nur 8–9 mm große Dünen-Pelzbiene erinnert mit ihrer starken Behaarung und dem gedrungenen Körper an eine kleine Hummel. Mit den jadegrünen Augen und einem besonders hohen Flugton fällt sie sofort auf. Männchen und Weibchen zeigen einen gelben Kopfschild, wie wir es auch von anderen Pelzbienen kennen. Anders als die Männchen haben die Weibchen zwei markante schwarze Flecken im Gesicht. Die kleineren Männchen erkennen wir an ihren hellen Hinterleibsbinden.

Nachweiskarte und Gefährdung der Dünen-Pelzbiene

Die Dünen-Pelzbiene ist weitverbreitet. Wir finden sie in Europa, Nordafrika und Teilen Asiens – von Portugal über Marokko bis nach Kirgisistan. Auch in Deutschland ist sie weitverbreitet. Stets braucht sie trockenwarme Sandgebiete. Nur hier findet sie brauchbare Böden für die neue Generation. Wie ihr deutscher Name schon verrät, sucht sie gern Binnendünen für den Nestbau auf. Sie lebt aber auch in Sandgruben, Trockenrasen, an Waldrändern und in Heidegebieten. Leider gibt es die für sie geeigneten Lebensräume immer seltener. Daher überrascht es nicht, dass sie trotz ihres großen Verbreitungsgebiets als selten gilt. In Deutschland ist sie gefährdet, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein bereits ausgestorben (siehe Verbreitungskarte).

Wo sie passende Böden findet, richtet sie Brutzellen für ihre Nachkommen ein. Dazu gräbt sie kurze Gänge mit bis zu fünf Zentimetern Tiefe in den Boden. Unter günstigen Bedingungen nistet die Dünen-Pelzbiene auch in großen Ansammlungen. In jede Brutzelle legt sie einen Pollenvorrat und versieht die Zelle mit einem Ei, ehe sie diese verschließt. Den Winter überdauert die neue Generation als Larve in ihren Brutkammern. Die Männchen schlüpfen vor den Weibchen.

Weibchen der Dünen-Pelzbiene am Nesteingang (© Roland Günter / naturbildarchiv-guenter.de)

Während der Flugzeit patrouillieren die männlichen Pelzbienen oft entlang bestimmter Bahnen. Jedes Männchen hat eine eigene Flugbahn, die es mit Duftstoffen markiert, um Weibchen anzulocken. Manchmal übernachten die Männchen in Gemeinschaften, festgebissen an Pflanzenstängeln. Die Flugzeit der Dünen-Pelzbiene erstreckt sich von Mai bis September.

Die kleine Wildbiene ernährt sich von Pollen, den sie an insgesamt acht Pflanzenfamilien sammelt. Keine der bekannten Pelzbienenarten ist genügsamer bei der Wahl ihrer Futterpflanzen als die Dünen-Pelzbiene. Da sie eine lange Zunge hat, bevorzugt sie Blüten mit tiefen Kelchen. Skabiosen-Flockenblume, Gewöhnlicher Natternkopf, Berg-Sandglöckchen oder auch Heidekraut fliegt sie gern an. Sogar die Küchenzwiebel besucht sie, wenn die Zwiebel zur Blüte kommt.

Sandarium für unterirdisch nistende Insekten (© smu)

Das Leben unserer Wildbiene des Monats ist nicht einfach: Neben dem schwindenden Lebensraum machen ihr auch die Große Sandgängerbiene und die Rötliche Kegelbiene zu schaffen. Beide Parasiten legen ihre Eier ausschließlich in die Nester der Dünen-Pelzbiene.

Wollen Sie die Dünen-Pelzbiene in Ihren Garten locken? Dann legen Sie ein Sandarium an. Das ist eine offene Sandfläche, die der Dünen-Pelzbiene und vielen weiteren Wildbienen einen attraktiven Nistplatz bietet. Tipps, wie Sie weitere bienenfreundliche Strukturen gestalten, finden Sie unter: www.deutschland-summt.de und www.wir-tun-was-fuer-bienen.de

Schnelle Fakten

 

Name

Dünen-Pelzbiene (Anthophora bimaculata, PANZER, 1798)

Flugzeiten

Mai–September

Lebensraum

lebt in trockenen und warmen Sandgebieten

Nahrung

unspezialisiert; sammelt an diversen Pflanzenarten, vor allem an Blüten mit tiefem Kelch

Nistweise

Brutparasit, baut keine eigenen Nester

Kuckucksbienen

Große Sandgängerbiene (Ammobates punctatus, FABRICIUS, 1804), Rötliche Kegelbiene (Coelioxys rufescens, LEPELETIER & SERVILLE, 1825)

Gefährdung

in Deutschland gefährdet, in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ausgestorben

Besonderheiten

Männchen übernachten manchmal in Gemeinschaften, auffällig hoher Flugton

Literatur

Amiet, Felix & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen; Kosmos Verlag, Stuttgart.

Hemmer, Cornelis & Hölzer, Corinna (2017): Wir tun was für Bienen; Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei; Kosmos Verlag, Stuttgart.

Michener, Charles Duncan (2007): The Bees of the World; Johns Hopkins University Press, Baltimore.

Scheuchl, Erwin & Wolfgang Willner (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Portrait; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2.Aufl., 1.700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

Wiesbauer, H. (2017). Wilde Bienen - Biologie–Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas, 2. Auflage, Eugen Ulmer KG, Stuttgart.

Kontakt

Stiftung für Mensch und Umwelt
Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
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Tel.: +49 30 394064-310
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