Wildbiene

Wildbiene des Monats April 2019: Gewöhnliche Bindensandbiene (Andrena flavipes, PANZER 1798)

Männchen der Gewöhnlichen Bindensandbiene an Vergissmeinnicht (Myosotis)

Im wechselhaften Monat April widmen wir uns einer eher unscheinbaren "Allerweltsart". Erst auf den zweiten Blick werden die Besonderheiten dieser Spezies unter den Wildbienen deutlich. Die Gewöhnliche Bindensandbiene fliegt nicht nur besonders lange, sondern auch auf nahezu alles was blüht.

Unsere Wildbiene des Monats ist schwarz gefärbt und gut an ihren hellbraunen Binden zu erkennen. Die Männchen haben zudem auffällige hellbraune Härchen im Gesichtsfeld. Wie auch sonst bei Wildbienen nicht unüblich, sind die Männchen mit 9 bis 11 mm etwas kleiner als die Weibchen mit 11 bis 13 mm.

Ihre wissenschaftliche Artbezeichnung gibt erste Hinweise auf ihr Äußeres. Die lateinischen Begriffe "flavus" = goldgelb und "pes" = Fuß beziehen sich auf die bei den Weibchen erkennbaren goldgelben Sammelbürsten der Hinterbeine. In Anlehnung daran ist auch der englische Artenname "Yellow-Legged Mining-Bee" einzuordnen. Die deutsche Namensgebung lässt ebenfalls Rückschlüsse auf ihren Sammelapparat zu: Hier sind die "Binden", sogenannte Haarbinden, am Hinterleib gemeint.

Nachweiskarte und Gefährdung der Gewöhnlichen Bindensandbiene in Deutschland

Neben Mittel- und Südeuropa finden wir die Bienenart auch in Nordafrika, Großbritannien, Skandinavien und sogar im fernen Pakistan und Nordindien. In Deutschland ist sie in fast allen Bundesländern nachgewiesen und gegenwärtig als ungefährdet eingestuft (siehe Verbreitungskarte).

Auch die von ihr genutzten Lebensräume sind vielfältig. Sie ist an Waldrändern, Wiesen, Hochwasserdämmen, Sand-, Kies- und Lehmgruben, im Siedlungsbereich, Gärten, Parkanlagen und auf Ruderalstellen zu finden. Als bodennistende Art bevorzugt sie sandige bis lehmige Böden, um ihre bis zu 23 cm tiefen Brutgänge zu graben, an deren Ende die Brutzellen zu finden sind. Als "gesellige" Art können sich Nestansammlungen von mehreren hundert bis tausend Nestern auftun. Solche Aggregationen sind häufig in Wohngegenden nachgewiesen.

3/4 aller Wildbienen nisten im Boden, manche haben zwei Generationen im Jahr

Wie auch bei manchen Mauer- (Osmia) oder Blattschneiderbienenarten (Megachile) gibt es Sandbienenarten (Andrena), die mehrere Generationen innerhalb eines Jahres bilden. Auch unsere Wildbiene des Monats hat eine Frühjahrsgeneration von Ende März bis Ende Mai und eine Sommergeneration von Anfang Juli bis Anfang September. Demnach ist sie eine bivoltine Art, die den Zyklus von Ei, Larve, Puppe und Imago zwei Mal im Jahr durchläuft. Schlussendlich sorgt die Sommergeneration Anfang September für die nächste Frühjahrsgeneration Ende März des Folgejahres vor.

Die häufige und weit verbreitete Wildbiene ist eine ausgesprochene Generalistin bei ihrer Nahrungswahl. Nachgewiesen sind Pollenbesuche bei 18 Pflanzenfamilien. Damit nutzt sie mit die meisten Pollenressourcen überhaupt in Mitteleuropa.

Die Gewöhnliche Wespenbiene (Nomada fucata) parasitiert an Andrena flavipes

Übrigens ist die Gewöhnliche Wespenbiene (Nomada fucata) die einzige bekannte Kuckucksbiene unserer Wildbiene des Monats. Sie ist ebenfalls in Deutschland recht weit verbreitet und relativ häufig anzutreffen. Die Schmarotzerbiene parasitiert ausschließlich an der Gewöhnlichen Bindensandbiene.

Aufgrund ihrer Häufigkeit wird Andrena flavipes auch als Gemeine Sandbiene bezeichnet, womit sie eine Repräsentantin der zahlenmäßig größten Gruppe einer Gattung bei unseren heimischen Wildbienen ist. Die Chancen, sie in diesen Tagen an sonnigen Vormittagen auf heimischen Wildpflanzen zu entdecken, stehen also gut.

Generalisten wie zum Beispiel auch die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) stellen keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum oder ihre Nahrungsressourcen. Genau diese Flexibilität macht aber die Gewöhnliche Bindensandbiene so erfolgreich.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl, Franckh Kosmos Verlag

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018) Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

Kontakt

Stiftung für Mensch und Umwelt
Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
Hermannstraße 29, D - 14163 Berlin
Tel.: +49 30 394064-310
infodeutschland-summt.de

Mehr zu Bürozeiten und Mitarbeitenden

Bankinstitut: GLS Bank
IBAN: DE71 4306 0967 1105 5066 00
BIC: GENODEM1GLS

USt-IdNr.: DE313861745
Steuernummer: 27 / 642 / 07154

Auszug aus dem Lobbyregister

Unsere Website und das Besuchen der Website sind CO2-neutral:

CO2 neutrale Website

Diese Website wird im Durchschnitt ca. 27.600 mal pro Monat geklickt. Das braucht Energie! Wir kompensieren das.