Wildbiene des Monats September 2019: Die Gewöhnliche Blutbiene

// Wildbiene des Monats

Blutbienen brauchen keine Pollen, nur Nektar zur Eigenversorgung

Bienen, besonders Honigbienen, werden oft durch ihr soziales Verhalten und disziplinierte Arbeitsteilung als Vorbild für funktionierende Gesellschaften gesehen. Sie gelten als Symbol für positive und erstrebenswerte Eigenschaften wie Harmonie, Fleiß und Selbstlosigkeit. Dabei gibt es erhebliche Abweichungen von dieser harmonisch-altruistischen Vorstellung. Ein gutes Beispiel dafür sind Kuckucksbienen. Bei etwa einem Viertel unserer heimischen Bienenarten handelt es sich um brutparasitoide Insekten. Dieser Begriff bezieht sich auf ihre Art der Fortpflanzung und ihre sozialparasitäre Lebensweise. Dadurch, dass sie die Brutpflege mit all den damit verbundenen Tätigkeiten „verlernt“ haben, nutzen sie im wahrsten Sinne das „gemachte Nest“.

Blutbienen oder auch Buckelbienen genannt, sind leicht an ihrem leuchtend roten Hinterleib zu erkennen. Die Arten innerhalb der Gattung Sphecodes ähneln sich stark. Neben den roten Hinterleibssegmenten sind die Wildbienen schwarz gefärbt und besitzen mehr oder weniger graue Behaarungen. Unsere Wildbiene des Monats September 2019 – die Gewöhnliche Blutbiene (Sphecodes ephippius) – ist eine Stellvertreterin für die insgesamt 25 nachgewiesenen Arten in Deutschland. Die Arten untereinander sind zumeist nur anhand eingehenderer Untersuchungen unter dem Binokular zu identifizieren. Zudem weist die Gewöhnliche Blutbiene variable Körpergrößen auf, was eine Anpassung an ihre vielen, unterschiedlichen Wirte ist.

Nachweiskarte und Gefährdung der Gewöhnlichen Blutbiene in Deutschland

Man findet die Blutbiene in fast ganz Europa bis Süd-Finnland, in Nord-Afrika von Marokko bis Ägypten und noch im Osten bis nach Sibirien. In Deutschland gehört sie zu den häufigsten und verbeitesten Blutbienen-Arten, woraus sich auch der deutsche Name ableitet. Die auf bodennistende Wildbienenarten angewiesene Blutbiene besiedelt eine Vielzahl von Lebensräumen.

Die Gewöhnliche Blutbiene baut dabei keine eigenen Nester und hat auch keine Nachkommenschaft zu versorgen. Als parasitierende Kuckucksbiene ist sie in einem großen Aktionsradius stets auf der Suche nach neuen Wirtsnestern, um ihre Eier in den Brutzellen von anderen Wildbienen abzulegen. Dort nutzt sie den Larvenproviant, der für die Nachkommen der Wirtsbiene gedacht war. Die bereits im Vorjahr begatteten und überwinterten Blutbienen-Weibchen erscheinen im Frühjahr. Nach erfolgreicher Annektierung eines Wirtsnestes schlüpft die neue Generation der Blutbienen im Sommer und frühen Herbst, um sich entsprechend  zu verpaaren. Daraufhin überwintern die Weibchen, um den Lebenszyklus im kommenden Frühjahr von neuem zu starten. 

Gewöhnliche Blutbiene am Nesteingang einer Wirtsbiene

Die Weibchen der Gewöhnliche Blutbiene fliegen in unseren Breiten von Ende März bis Oktober. Die Männchen sind erst ab Mai zu beobachten. Diese überdurchschnittlich lange Flugzeit ergibt sich auch aus der Vielzahl von Wirten auf die die Blutbiene angewiesen ist. Neben den ebenfalls lang fliegenden Schmalbienen-Arten: Breitkopf-Schmalbiene (Lasioglossum laticeps), Wald- Schmalbiene (Lasioglossum fratellum), Vierpunkt-Schmalbiene (Lasioglossum quadrinotatulum) und anderen, parasitiert die Blutbiene auch an der Gewöhnlichen Goldfurchenbiene (Halictus tumulorum), Goldafter-Bindensandbiene (Andrena chrysopyga) und einer Vielzahl anderer Sandbienen-Arten, welche kürzere Flugzeiten aufweisen.

Da sich die Gewöhnliche Blutbiene am Proviant ihrer Wirte bedient, sammelt sie selbst keinen Pollen.  Als Nektarquellen nutzt sie ein breites Spektrum von Pflanzen. Nachgewiesene Arten sind: Wilde Möhre (Daucus carota), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), Heidekraut (Calluna vulgaris), Sal-Weide (Salix caprea), Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana), Krause Distel (Carduus crispus) oder auch die Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium).   

Blutbienen ähneln sich stark, hier ein Männchen der Buckel-Blutbiene (Sphecodes gibbus)

Die Gruppe der Blutbienen haben unterschiedlich breite Wirtsspektren. Manche Arten parasitieren bei mehreren Wildbienen-Gattungen; andere Blutbienen-Arten sind spezialisiert auf einzelne Arten, wie die Weißhaarige Blutbiene (Sphecodes rubicundus), die auf die Rotklee-Sandbiene (Andrena labialis) angewiesen ist oder die Rotdornige Blutbiene (Sphecodes spinulosus), welche an der Großen Salbei-Schmalbiene (Lasioglossum xanthopus) parasitiert. Aber auch Blutbienen haben natürliche Gegenspieler. Die Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis) etwa ernährt ihre Larven von Wildbienen unterschiedlicher Gattungen. Die Knotenwespe hingegen wird ebenfalls von Goldwespen und Trabantenfliegen parastiert.

Die Lebensweise unserer Wildbiene des Monats mag niederträchtig wirken, ist jedoch vorrangig Ausdruck für die vielfältigen Anpassungsstrategien und die Artenvielfalt unserer heimischen Bienenfauna, die es nicht nur zu bestaunen, sondern auch zu schützen gilt.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl., Franckh Kosmos Verlag

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Vereecken, Nicolas (2019): Wildbienen entdecken & schützen, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

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