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Wildbiene des Monats März 2020: Die Große Weiden-Sandbiene

// Wildbiene des Monats

Weibchen an Salix purpurea (Foto: Albert Krebs)

Die Große Weiden-Sandbiene ist neben einigen Mauerbienen-, Hummel- und weiteren Sandbienenarten in unseren Breiten eine der ersten auffälligen Bestäuberinsekten im Jahr. Sie fliegt von März bis Juni. Zu den wichtigen Futterpflanzen gehören die Kätzchen der Weidenbäume (Salix spp.). Die Große Weiden-Sandbiene wird bis zu 15 Millimeter groß und ist anhand ihrer charakteristischen grau-weißen Behaarung relativ leicht zu erkennen. Typischerweise sind die Weibchen stärker behaart als die Männchen, was auch anhand der haarigen Schienenbürste deutlich wird. Verwechslungsgefahr besteht aber allerdings mit der Grauschwarze Düstersandbiene (Andrena cineraria).

Nachweiskarte und Gefährdung der Großen Weiden-Sandbiene in Deutschland

Die Große Weiden-Sandbiene ist in Eurasien weit verbreitet und auch in Nordafrika zu finden. In Deutschland zählt sie zu den häufigen Wildbienenarten und wird weitestgehend in ihrem Vorkommen als ungefährdet eingestuft (siehe Verbreitungskarte). Wir finden sie vorwiegend in Flussauen, in Sand-, Kies- und Lehmgruben, auf extensiv bewirtschafteten Hochwasserdämmen sowie an Ackerrändern.

Ihre Nester baut die Große Weiden-Sandbiene eigenständig auf kahlen oder nur leicht bewachsenen Flächen in sandigen Böden mit einer Tiefe von bis zu 60 Zentimeter. Sie fertigt dafür einen Hauptgang mit bis zu vier Seitengängen an, an deren Enden sich bis zu acht Brutzellen befinden. Hier legt sie Ihre Eier. Diese werden durch bis zu fünf Sammelflüge am Tag mit Larvenproviant aus Weidenpollen versehen. Ihre Nester finden sich oft als Ansammlung von mehreren Hunderten bis zu wenigen Tausend gemeinschaftlich nistenden Weibchen. Dabei können mehr als 30 Nester pro Quadratmeter vorkommen. Bei expandierenden Populationen gründen Weibchen der Großen Weiden-Sandbiene neue Nistansammlungen in der näheren Umgebung und entgehen so den Gefahren durch Parasitenbefall oder Umwelteinflüssen wie Hochwasserereignissen.

Brutzelle mit Junglarve und Weidenpollenproviant (Foto: Albert Krebs)

Unsere Wildbiene des Monats März wird, obwohl sie in Aggregationen nistet, als solitär lebend einzustufen, da jedes Weibchen ihr eigenes Nest baut. Weitere, soziale Interaktionen zwischen den Artgenossinnen sind beim Nestbau nicht bekannt. Die Nahrungsspezialistin ist auf die Pflanzengattung der Weiden angewiesen (oligolektische Art). Sie sammelt den Pollen für ihre Nachkommen dabei vor allem an Sal-Weide (Salix caprea), Asch-Weide (Salix cinerea), Bruch-Weide (Salix fragilis), Purpur-Weide (Salix purpurea), Ohr-Weide (Salix aurita) und Silber-Weide (Salix alba).

Der Violette Ölkäfer parasitiert an Wildbienen

Als parasitierende Kuckucksbienen sind die Rothaarige Wespenbiene (Nomada lathburiana) und möglicherweise auch die Buckel-Blutbiene (Sphecodes gibbus) bekannt. Weitere bekannte Parasiten sind die Wollschweber (Bombylius spec.) und eine Blumenfliegenart (Leucophora cinerea).
Die flugunfähigen Ölkäfer (Meloe decorus, Meloe proscarabaeus, Meloe violaceus) sind weitere Schmarotzer der Großen Weiden-Sandbiene. Die drei Millimeter langen Larven des Käfers (Triungulinus) erklimmen eine Blüte und klammern sich an eine heranfliegende Großen Weiden-Sandbiene fest, um sich daraufhin zum Nest transportieren zu lassen. Dort entwickeln sich die Käferlarven als Parasit weiter.

Männchen von Andrena vaga (Foto Hans-Jürgen Sessner)

Schon im Frühjahr sind zahlreiche unserer Insekten auf Nahrungsquellen angewiesen. Weiden (Salix spp.) sind ideal geeignet, um vielen Tieren einen erfolgreichen Start in die neue Saison zu bieten. Um selbst aktiv zu werden, können wir Frühjahrsgeophyten im Herbst sowie Stauden und Kräuter im Frühjahr säen oder pflanzen. Ebenso sind  bienenfreundliche Kleinstrukturen, wie ein Teich, ein Lesesteinhaufen oder eine Kräuterspirale ideale Refugien, die sich nutzen.

 

Wo insektenfreundliche Wildpflanzen zu beziehen sind, finden Sie unter: https://www.naturgarten.org/mitgliedsbetriebe/wildpflanzen.html. Weitere Tipps, um ihren Garten oder Balkon bienenfreundlich zu gestalten, finden sich auf unserer Website Wir tun was für Bienen.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl., Franckh Kosmos Verlag

Bischoff, I., Feltgen, K. and Breckner, D. (2003): Foraging Strategy and Pollen Preferences of Andrena vaga (Panzer) and Colletes cunicularius (L.) (Hymenoptera: Apidae). INTERNATIONAL SOCIETY OF HYMENOPTERISTS, 12(2), 220-237.

Hemmer, Cornelis & Corinna Hölzer (2017): Wir tun was für Bienen. Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei, Kosmos-Verlag, Stuttgart

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Vereecken, Nicolas (2019): Wildbienen entdecken & schützen, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag

Westrich, Paul (2019): Die Wildbienen Deutschlands; 2.Aufl., 1700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

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