Wildbiene des Monats August 2019: Die Dunkelfransige Hosenbiene

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Weibchen mit dickem Pollenhöschen an einer Distel

Die Hosenbienen gehören zu den schönsten Wildbienenarten Deutschlands. Die bei ihnen stark entwickelten Haarbürsten am dritten Beinpaar ermöglichen ihnen einen besonders effektiven Pollentransport. An der auffälligen Schienenbürste lässt sich die solitär lebende Dunkelfransige Hosenbiene leicht erkennen. Ferner verfügt sie über eine schwarze Körper-Grundfarbe die die schmalen weißen Haarbinden kontrastreich erkennen lassen. Die Weibchen werden bis zu 15 Millimeter, die etwas helleren Männchen dagegen bis zu 14 Millimeter groß.

Nachweiskarte und Gefährdung der Dunkelfransigen Hosenbiene in Deutschland

Die Dunkelfransige Hosenbiene ist in ganz Europa verbreitet. Sie ist auch noch in Syrien und dem Irak anzutreffen. In Deutschland sind nur vier Arten der Gattung Dasypoda bekannt, wovon nur unsere Wildbiene des Monats in allen Bundesländern nachgewiesen ist. In einigen Bundesländern wird sie als ungefährdet bewertet, gilt allerdings in Teilen Deutschlands auch als gefährdet oder steht auf der Vorwarnliste (siehe Verbreitungskarte). Die sandbewohnende Wildbiene braucht offene Bodenstellen, wie etwa unter Windwurfflächen auf Truppenübungsplätzen, Sand- und Lehmgruben, Magerrasen, Hochwasserdämme, Binnendünen, kleine Steilwände aus Sand und Lehm, Wegränder oder auch breite Fugen von gepflasterten Wegen. Überall dort kann die Hosenbiene ihre Nachkommen in bis zu 60 Zentimeter tiefe selbstgegrabene Löcher hineinlegen. Dabei können Kolonien von mehreren Weibchen mit bis zu 200 Nestern entstehen.

Männliche Hosenbienen ähneln Sägehornbienen

Der unter Grasbüscheln leicht versteckte Nesteingang ist anhand der kleinen Erdhügel erkennbar. Hier gräbt die Wildbiene einen etwa 9 Millimeter breiten Hauptgang, welcher sich in mehrere Nistgänge mit bis zu acht Brutzellen verzweigt. Die Weibchen stellen pro Tag eine dieser Brutzellen fertig und schlafen bis zum Ende der Verproviantierung im Nest. Die Männchen nächtigen unter freiem Himmel indem sie sich zum Beispiel an Blütenköpfe von Flockenblumen (Centaurea) klammern. Die Nachkommen der Dunkelfransigen Hosenbienen überwintern in ihren Brutzellen als Ruhelarve und nicht in einem Kokon. Sie bildet eine Generation pro Jahr aus. Die Flugzeit erstreckt sich von Juli bis September. Charakteristisch ist das schnelle und stürmische Fliegen beim Sammeln von Pollen und Nektar.

Hauptpollenquellen von Dasypoda hirtipes (verändert nach: James Petts, Luis Miguel Bugallo Sánchez, Uoaei1/Wikimedia)

Bei der Auswahl ihrer Nahrung gilt sie als anspruchsvolle Art. Die auf Korbblütler (Asteraceae) spezialisierte Biene sammelt an Disteln (Cardueae) und der Korbblütler-Gruppe Cichorieae. Bekannte Pollenquellen sind Wegwarte (Cichorium intybus), Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis), Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides), Flockenblumen (Centaurea spec.) und Gänsedisteln (Sonchus spec.). Den trockenen Pollen transportiert sie in dicken Pollenhöschen, wie es auch bei anderen Wildbienen, etwa der Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), zu beobachten ist.

Um der Dunkelfransigen Hosenbiene neuen Lebensraum zu schaffen bietet sich die Möglichkeit Sandlinsen anzulegen. Eine Mulde mit einer Tiefe von 30 cm Tiefe und einer Mindestgröße von 40 x 40 cm ist ideal. Diese wird mit grobem Sand aufgefüllt und nach Möglichkeit regengeschützt positioniert. Wenn zusätzlich noch Totholz eingebracht und ausreichend Blühangebot mit heimischen Wildstauden gepflanzt wird, lassen sich die Hosenbienen auch bald im eigenen Garten beobachten.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl., Franckh Kosmos Verlag

Jakumeit, Daniel (2019): Lebensraum Garten – Mini Tipps, Aktiv Natur schützen im eigenen Garten, 20 Tipps für Projekte aus der Praxis für die Praxis

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Vereecken, Nicolas (2019): Wildbienen entdecken & schützen, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

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