Wildbiene des Monats Oktober 2019: Die Veränderliche Hummel

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Wildbiene des Monats Oktober 2019: Veränderliche Hummel (Bombus humilis, IllIGER 1806)

Veränderliche Hummelkönigin und ihr unterirdischer Hummelstaat (Foto: Albert Krebs)

Die Veränderlich Hummel (Bombus humilis) ist das „Chamäleon“ unter den Hummeln. Sie ist unter den 41 nachgewiesenen Hummelarten Mitteleuropas sicher die variationsreichste dieser robusten Insektengattung.

Die deutsche Namensgebung der Hummel bezieht sich auf ihre zahlreichen Farbvariationen, welche leicht zur Verwechslung mit anderen Hummelarten führen können. Ihr Brustteil (Thorax) und der Hinterleib (Abdomen) können auf der Oberseite schwarz, bräunlich oder weiß gefärbt sein. Diese Farbgebungen kommen zudem in zahlreicher Kombination vor. Dabei können selbst in einem Nest verschieden gefärbte Tiere nebeneinander auftreten. Der Kopf von Bombus humilis ist, ähnlich dem von Gartenhummeln (Bombus hortorum) oder Grashummeln (Bombus ruderarius), vergleichsweise lang.

Die Veränderlich Hummel ist in ganz Europa nachgewiesen und über Sibirien bis ins östlichste Russland bis zum Japanischen Meer zu finden. Die Art siedelt in oberirdischen Nestern, meist in der Krautschicht oder unter Moospolstern. Unsere „Wildbiene des Monats Oktober“ ist vorwiegend in offenen Landschaften außerhalb der Siedlungsbereiche, etwa an Waldrändern, Mager- und Fettwiesen, Moorlandschaften, Streuobstwiesen, Böschungen, Hochwasserdämmen und Wegrändern, aber auch in Gärten und Parkanlagen zu finden. Seltener werden die Nester in Baumhöhlen oder sogar unterirdisch in verlassenen Mäusenestern errichtet.

Nachweiskarte und Gefährdung der Veränderlichen Hummel in Deutschland

Die überwinterte und im Vorjahr begattete Königin ist ab April aktiv, um einen neuen Staat zu gründen. Die Männchen und Jungköniginnen erscheinen dann ab Ende Juli beziehungsweise Anfang August. Wie bei allen staatenbildenden Insekten gibt es auch bei der Veränderlichen Hummel Hierarchien. Sammlerinnen, Hofdamen und Stockhummeln teilen sich zunächst das Nest. Die unterschiedlichen Funktionen innerhalb des Volkes können auch aufgrund auffälliger Größenunterschiede zwischen den Tieren herbeigeführt werden. Die Sammlerinnen haben die Aufgabe, Nektar und Pollen zu sammeln. Meist sind diese im Vergleich zu den im Bau verbleibenden Arbeiterinnen um einiges größer. Die Hofdamen versorgen die Königin. Die Stockhummeln betätigen sich beim Ausbau und der Reinigung der Waben oder pflegen die Larven. Im Laufe das Sommers kann der Hummelstaat bis zu 150 Tiere umfassen.

Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans): Der Lippenblütler ist ein Insektenmagnet

Als Nektar- und Pollenquelle nutzt die Veränderliche Hummel ein breites Spektrum von Pflanzen. Für ihre Pollenbevorratung hat sie leichte Präferenzen für Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Lippenblütler (Lamiaceae) und Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), ist sonst aber eher unspezifisch bei ihrer Pflanzenwahl.

Wie bei vielen heimischen Wildbienenarten bleiben auch bei der Veränderlichen Hummel unliebsame Gäste nicht fern. Sie wird von der Feld-Kuckuckshummel (Bombus campestris) parasitiert. Diese legt ihre Eier in vorhandene Zellen und die Larven werden von den Arbeiterinnen der Wirtshummeln mit aufgezogen. Verwechslungsgefahren bestehen vor allem mit Mooshummeln (Bombus muscorum) und Ackerhummeln (Bombus pascuorum). Eine sichere Unterscheidung der Hummelarten ist letztlich nur durch mikroskopische Untersuchungen von präparierten Exemplaren möglich.

Achtung Verwechslungsgefahr - Ackerhummel (Bombus pascuorum)

Durch die intensive Bewirtschaftung von Wiesen ist die Veränderliche Hummel selten geworden und besonders in Nord- und Westdeutschland stark in ihrem Bestand zurückgegangen. Um selbst etwas für die Veränderlich Hummel und viele andere Wildbienenarten zu tun, pflanzen Sie zum Beispiel Platterbsen (Lathyrus spec.), Salbei (Salvia spec.), Kriechenden Günsel (Ajuga reptans) oder Königskerzen (Verbascum spec.). Je vielfältiger die Wahl der heimischen Pflanzenarten und das Angebot von Gartenstrukturen, desto mehr unterschiedliche Wildbienen-, Schmetterlings- und Käferarten werden ein neues zu Hause finden.

Jetzt zur Herbstzeit lohnt es sich, Einsaaten vorzunehmen, um auch die Frostkeimer wie Schlüsselblume (Primula), Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) oder Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) zu befördern. Auch Frühjahrszwiebeln wie Traubenhyazinthen (Muscari botryoides), Wilde Tulpen (Tulipa sylvestris) oder Frühlings-Krokusse (Crocus vernus) können nun für eine farbenfrohe Frühjahrsblütenpracht in den Boden gebracht werden. Von September bis Anfang November ist zudem Pflanzzeit für winterharte, immergrüne Laubgehölze. Pflanzen Sie Gehölzränder, Kleingehölze, Wildsträucher beziehungsweise Wildrosenhecken oder einzelne Gehölze als Solitäre. Noch mehr Tipps finden sich auf unserer Website Wir tun was für Bienen. Nutzen Sie die Vegetationspause im November bis Februar, um sich erste Gedanken über die Neugestaltung oder Erweiterung ihres Gartens oder Balkons zu machen. Vielleicht kann dieser noch bienenfreundlicher werden. 

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl., Franckh Kosmos Verlag

Hemmer, Cornelis & Corinna Hölzer (2017): Wir tun was für Bienen. Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei, Kosmos-Verlag, Stuttgart

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Vereecken, Nicolas (2019): Wildbienen entdecken & schützen, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

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