Wildbiene des Monats Mai 2019: Die Mai-Langhornbiene

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Wildbiene des Monats Mai 2019: Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens, PÉREZ 1879)

Männchen der Mai-Langhornbiene (Bildautorin: Angela Di Matteo)

Im Wonnemonat Mai blühen die meisten einheimischen Pflanzen: Klatschmohn, Margeriten, Flieder, Vergissmeinnicht und Maiglöckchen sind nur wenige Beispiele. Auch die Lieblingsfutterpflanze unserer Wildbiene des Monats, der Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), blüht im Mai: Das ist die rosablühende Zaun-Wicke (Vicia sepium), die zur Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) gehört.

Unsere Wildbiene des Monats gehört zur Gattung der Langhornbienen (Eucera). Diese Gruppe ist mit 390 Arten weltweit recht vielfältig. In Deutschland finden sich acht Arten. Langhornbienen tragen Ihren Namen aufgrund der stark verlängerten Fühler der Männchen, welche bei manchen Arten die Körperlänge erreichen. Die Männchen der Mai-Langhornbiene besitzen neben den auffälligen langen Fühlern einen gelben Kopfschild, ähnlich wie es auch bei Pelzbienen (Anthophora) zu beobachten ist. Die Weibchen der Mai-Langhornbienen dagegen haben kürzere Antennen und einen auffälligen borstigen Sammelapparat an den Hinterbeinen. Die Bienenart hat eine Körpergröße von 13 bis 15 Millimeter.

Nachweiskarte und Gefährdung der Mai-Langhornbiene in Deutschland

Ihrer Verbreitung nach finden wir die Wildbienenart von Portugal bis in den Kaukasus und vom Süden Englands bis in die Ukraine. In Deutschland ist die Art weit verbreitet, auch wenn sie in unterschiedlichen Gefährdungskategorien der Roten Liste geführt wird (siehe Verbreitungskarte). Anzutreffen ist die Biene vorwiegend in Fettwiesen, in Streuobstwiesen, auf Hochwasserdämmen sowie an Hecken- und Waldsäumen.

Wie der Großteil unserer heimischen Wildbienenarten nistet auch die Mai-Langhornbiene im Erdreich. Dabei nutzt sie Sandboden und lehmige Substrate für den Bau ihrer Kinderstuben. Im Unterschied zu den meisten anderen Solitärbienenarten fertigt sie jedoch keine Zellwände für die jeweiligen Brutkammern an. Die Brutzellen sind somit lediglich einfache Hohlräume im Erdreich. Unsere Wildbiene des Monats fliegt in einer Generation im Jahr. Diese ist von Ende April bis in den Juni hinein erlebbar. Laut Dr. Paul Westrich erhielt sie aufgrund ihrer Hauptflugzeit im Monat Mai auch ihre deutsche Namensbezeichnung. Die Männchen erscheinen dabei bis zu drei Wochen früher als die Weibchen. Die männlichen Tiere nächtigen oft in Schlafgemeinschaften, die sich in Blüten oder an Pflanzenstängeln befinden. Dieses Verhalten kennen wir auch von der von uns für den August 2018 ausgewählten Wildbiene des Monats, der Zahntrost-Sägehornbiene (Melitta tricincta).

Die Zaun-Wicke ist die Hauptpollenquelle von Eucera nigrescens (Bildautor: Rolf Engstrand/CC BY 2.5)

Langhornbienen sind bezüglich ihrer Nahrung sehr wählerisch. Als oligolektische Bienenart sammelt die Mai-Langhornbiene ihren Pollen fast ausschließlich an Schmetterlingsblütlern (Fabaceae), mit einer Vorliebe für die Zaun-Wicke (Vicia sepium). Weitere Pollenquellen sind: Vogel-Wicke (Vicia cracca), verschiedene Platterbsen (Lathyrus spec.) und verschiedene Kleearten (Trifolium spec.). Auch Ragwurzenarten (Ophrys), eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae), nutzen Langhornbienen als Bestäuber. Dabei ahmen sie Gestalt, Textur und Geruch weiblicher Langhornbienen nach. Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) oder Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) sind größtenteils Selbstbestäuber. Durch Sexuallockstoffe (Insektenpheromone) gelingt ihnen jedoch auch die Fremdbestäubung durch Insekten.

Langhornbiene an der Sexualtäuschblüte einer Hummel-Ragwurz (Bildautorin: Michaela Beitzinger)

Früher wurde die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens) noch mit der Juni-Langhornbiene (E. longicornis) als eine Art geführt. Aufgrund der starken morphologischen Ähnlichkeiten der beiden Arten sind unsere heimischen Langhornbienen im Feld eher an ihrer Flugzeit im Jahr als an ihren äußeren Erscheinungsmerkmalen zu differenzieren. Interessant ist zudem, dass die Mai-Langhornbiene von der Langkopf-Wespenbiene (Nomada sexfasciata) parasitiert wird.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl, Franckh Kosmos Verlag

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

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