Wildbiene des Monats September 2018: Heide-Erdhummel

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Wildbiene des Monats September 2018: Heide-Erdhummel(Bombus cryptarum, FABRICUS 1775)

Die Heide-Erdhummel beim Nektarsaugen - sie sammelt an einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien Pollen und Nektar

Im Spätsommer widmen wir uns einer Art, die besonders gerne offene Landschaften liebt. Viele Wildbienen- und andere Insektenarten fühlen sich in Heidelandschaften wohl und haben hier ihren Hauptlebensraum. Dies spiegelt sich auch in der Namensgebung vieler Arten wider. Heide-Filzbiene (Epolus cruciger), Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus), Heide-Hummel (Bombus jonellus) und unsere Wildbiene des Monats, die Heide-Erdhummel (Bombus cryptarum), verdeutlichen dies.

In Deutschland sind 41 Hummelarten, inklusive der parasitierenden Kuckuckshummeln, bekannt. Viele davon ähneln sich dabei stark, wie zum Beispiel die Hummelarten mit orangefarbenem Hinterleib (Steinhummel, Distelhummel, Trughummel usw.). Unsere Wildbiene des Monats wird zu einem Komplex von vier sehr ähnlichen Arten zugeordnet. Der sogenannte Bombus-lucorum-Komplex, schließt dabei auch die bekannte Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) mit ein. Die Heide-Erdhummel besitzt zwei schmale goldgelbe Querbinden. Die erste befindet sich auf der Brust, dem sogenannten Thorax, unmittelbar anschließend an den kurzen Kopf. Die zweite ist etwa mittig auf dem zweiten Hinterleibssegment zu finden. Die letzten zwei Einzelsegmente ihres Hinterleibs sind grauweiß gefärbt. Zudem gibt es im unteren Gesichtsfeld meist einige gelbliche Haarbüschel. Die Heide-Erdhummel besitzt, im Gegensatz zu vielen anderen Hummelarten, einen sehr kurzen Rüssel.

Nachweiskarte und Gefährdung der Heide-Erdhummel in Deutschland

Die Heide-Erdhummel ist in ganz Europa verbreitet. Ihre Ausdehnung reicht im Norden bis zu den Orkney-Inseln und Nord-Russland. Im Süden ist sie bis nach Süd-Italien und Iran nachgewiesen. Auch in Deutschland ist sie überall zu finden. Aufgrund mangelnder Datenlage und der nahen Artverwandtschaft und Ähnlichkeit mit weiteren Hummelarten ist die Häufigkeit dieser Art allerdings schwierig einzuschätzen. Lediglich in Hessen und Niedersachsen ist ihr Bestand als ungefährdet eingestuft. Einziger konkreter Gefährdungsgrad besteht derzeit in Sachsen (siehe Verbreitungskarte). Die Heide-Erdhummel ist im Offenland, vor allem in Heidelandschaften, auf trockenen Mager- und Fettwiesen, Weiden, an Böschungen und auf städtischen Flächen an Weg- und Straßenrändern, Gärten und Parkanlagen anzutreffen. Im Allgemeinen zeigt sie keine strenge Habitatbindung. 

Achtung - Verwechslungsgefahr! Hier, die Dunkle Erdhummel an einem Nesteingang

Heide-Erdhummeln sind Nachnutzer alter Säugetierbauten (Mäuse, Hamster etc.) und nisten daher meist unterirdisch. Zuweilen findet wir die Völker in Baumhöhlen und verlassenen Nistkästen auch oberirdisch. Die Staatengründung erfolgt durch die überwinterte Jungkönigin, welche bereits im März eine neue Behausung auserwählt. Dadurch, dass die neue Königin bereits im Vorjahr befruchtet wurde, kann sie umgehend nach der erfolgreichen Nestsuche mit der Eiablage beginnen. Dabei weist das Volk in den ersten Wochen nur einige Arbeiterinnen auf. Mit der Zeit stellt die Königin die Verproviantierungsflüge ein und kümmert sich ausschließlich um das Brutgeschäft. Ab Anfang Juli produziert sie daraufhin auch neue Jungköniginnen und Männchen, welche den Fortbestand der nächsten Generation sichern sollen. Ihre Volksgröße erreicht eine maximale Größe von bis zu 150 Individuen. Die Tiere fliegen bis Ende August, mit etwas Glück kann man aber die Jungköniginnen, auf der Suche nach einem Winterquartier, noch Anfang September entdecken.  

Heide-Erdhummeln sind bei ihre Nahrungssuche ausgesprochen anspruchslos. Sie fliegt eine Vielzahl unterschiedliche Pflanzenfamilien an und gilt daher als polylektische Art. Wie bereits erwähnt weist sie starke Ähnlichkeiten zur Dunklen und Hellen Erdhummel auf. Die größte Verwechslungsgefahr besteht allerdings mit der Großen Erdhummel (Bombus magnus), welche äußerlich nahezu identisch ist. Parasitiert wird unsere Wildbiene des Monats von der Böhmischen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus) und der Rotschwarzen Kuckuckshummel (Bombus rupestris).

Obwohl die Heide-Erdhummel auch in vielen anderen Lebensräumen außer den großen Heideflächen vorkommen kann, ist sie dort besonders gut angepasst. Wenn dieser Lebensraum verschwinden sollte, wären die viele an den offenen Lebensraum angepassten Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Die Pflege der Heideflächen durch Beweidung und die landwirtschaftliche Nutzung der kargen Böden durch den Menschen schufen eine Kulturlandschaft, die bis heute noch prägend für große Bereiche Mitteleuropas sind. Durch Verbuschung, Eutrophierung, Besiedlung und Bebauung (Folgen daraus sind Verinselung und Aussterben der Populationen) sind allerdings auch diese Gebiete rückläufig und damit auch Arten, wie die Heide-Erdhummel, in ihrem Bestand gefährdet.

Heidelandschaft in Schneverdingen - Diese typische Kulturlandschaft ist ein Lebensraum mit hoher Artenvielfalt

Literatur 

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Gokcezade, Joseph; Gereben-Krenn, Barbara-Amina & Neumayer, Johann (2017): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

55 S., 196 Schemazeichnungen Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

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