Wildbiene des Monats Juli 2019: Die Felsspalten-Wollbiene

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Wildbiene des Monats Juli 2019: Felsspalten-Wollbiene (Anthidium oblongatum, ILLIGER 1806)

Weibchen ruht mit Wollknäuel nach der Wollernte auf einem Stein

In Mitteleuropa sind nur fünf Arten der wärmeliebenden Gattung der Wollbienen bekannt. Neben der bekannten Garten-Wollbiene gibt es eine weitere Art, die sich auch in unseren Gärten beobachten lässt – die Felsspalten-Wollbiene.

Aufgrund ihres kahlen und schwarzgelb gestreiften Hinterteils werden Wollbienen gern mit Wespen verwechselt. Unsere Wildbiene des Monats besitzt allerdings grüne Augen. Das Weibchen der Felsspalten-Wollbiene hat eine gattungstypische weiße Bauchbürste und ist mit 8 – 10 mm etwas kleiner als die männlichen Vertreter der Art. Diese sind etwa 9 – 13 mm groß und verfügen über seitliche Dornen am Hinterleib. Auch bei anderen Wollbienen-Arten sind die Männchen größer als die Weibchen, was bei Bienen eine Ausnahme darstellt.

Nachweiskarte und Gefährdung der Felsspalten-Wollbiene in Deutschland

Die Art ist weit verbreitet und findet sich in Nordafrika, nahezu ganz Europa, Kleinasien und bis in die zentralasiatischen Gebirge. In den USA wurde sie etwa Mitte der 1990er Jahre eingeschleppt. Aufgrund der großräumigen Temperaturunterschiede ist sie im südlichen und mittleren Deutschland häufiger zu finden als im Norden. Auch bei der Gefährdungslage der Art zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle (Siehe Verbreitungskarte).

Ihre Brutzellen baut die Biene in Hohlräumen von Erdritzen, Felsspalten, Mauerfugen und zwischen Geröll oder Steinhaufen. Auch hohle Pflanzenstängel kommen als Kinderstube in Frage. Die Verwendung bestimmter Baumaterialien ist dabei charakteristisch für die Gattung der Wollbienen. A. oblongatum nutzt für den Bau der Brutzellen abgeschabte Pflanzenhaare. Besonders Zieste (Stachys spec.), unterschiedliche Disteln und Königskerzen dienen dabei als Rohstofflager. Mit Hilfe des Pflanzenmaterials fertigt sie bis zu acht Brutzellen an. Zu beobachten ist die Sonnenanbeterin von Mitte Juni bis Mitte August.

Bei ihrer Nahrungssuche ist die Art wenig wählerisch. Vier Pflanzenfamilien haben es ihr angetan. Dickblattgewächse (Crassulaceae) wie die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre) oder Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre), Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Hornklee, sowie Reseden (Resedaceae)- und Glockenblumengewächse (Campanulaceae) werden von der Wollbiene besucht. 

Saat-Esparsette ist eine der Hauptpollenquelle von Anthidium oblongatum

Eine ihrer Hauptpollenquelle ist die Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia), welche ebenfalls für viele spezialisierte Wildbienen von hoher Bedeutung ist. Hierzu zählen die Esparsetten-Sandbiene (Andrena gelriae), Große Harzbiene (Trachusa byssina) oder auch die Dreizahn-Mauerbiene (Osmia tridentata).

Die Männchen der Felsspalten-Wollbiene zeigen durch ihren Flug mit kurzen Phasen des Schwebens, ähnlich wie bei Schwebfliegen, ein besonderes Territorialverhalten. Das Patroulieren endet oft im Kampf mit männlichen Artgenossen und anderen Bienenarten. Dabei werden die Eindringlinge mit den Mundwerkzeugen und den Dornen des Hinterleibs attackiert.

Um selbst aktiv zu werden und etwas für die Art zu tun, bietet es sich an naturnahe Strukturen zu schaffen. Hier sind besonders blütenreiche Steingärten mit Lesesteinen und Trockenmauern zu erwähnen. Um der Wollbiene Material für den Nestbau bereitzustellen, sollten bestimmte Pflanzen wie Deutscher Ziest (Stachys germanica), Woll- Ziest (Stachys byzantina), Königskerzen (Verbascum spec.), Sand-Stohblume (Helichrysum arenarium), Kugeldistel (Echinops ritro) und Golddistel (Carlina vulgaris) gefördert werden. Sofern dazu noch die bereits genannten wertvollen Futterpflanzen hinzukommen, können sich noch in diesem Sommer die ersten Wollbienen einfinden.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler, 3.Aufl., Franckh Kosmos Verlag

Hoebeke, E. R., & Wheeler Jr, A. G. (1999): Anthidium oblongatum (Illiger): an Old World bee (Hymenoptera: Megachilidae) new to North America, and new North American records for another adventive species, A. manicatum (L.). University of Kansas Natural History Museum Special Publication, 24, 21-24.

Michener, Charles D. (2007): The Bees of the World, The Johns Hopkins University Press, Baltimore

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, Eugen Ulmer, Stuttgart

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