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Wildbiene des Jahres 2019: Die Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima, SCOPOLI 1770)

// Wildbiene des Jahres

Wildbiene des Jahres 2019:Die Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima, SCOPOLI 1770)

Verpaarung von Andrena agilissima

Die auffällige Sandbiene Andrena agilissima ist die Wildbiene des Jahres 2019. Der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster kürte die Biene aufgrund ihres auffallenden Äußeren und dem gebotenen Schutz der Art aufgrund der Bedrohungslage in unserer heutigen „ausgeräumten“ Kulturlandschaft. Sie ist eine typische Wildbienenart der strukturreichen Agrarlandschaft und kann durch ihre Körpermerkmale zudem gut als Art im Gelände bestimmt werden. Eine Verwechslungsgefahr besteht mit der Weißen und Schwarzen Köhlersandbiene (Andrena nigrospina und Andrena pilipes) sowie der Grauschwarzen Düstersandbiene (Andrena cineraria).

Die Blauschillernde Sandbiene wird auch als Senf-Blauschillersandbiene bezeichnet, was zum einen mit ihrer Nahrungsvorliebe, dem Acker-Senf (Sinapis arvensis) und zum anderen mit ihrer bläulichen Erscheinung zusammenhängt. Der blaumetallisch schimmernde Körper unserer Wildbiene des Jahres und die Heidelbeerblau reflektierenden Flügel werden durch die weiße Behaarung an Kopf, Brustabschnitt, Hinterbeinen und der Hinterleibsspitze kontrastiert. Die Männchen sind mit 14 bis 15 Millimeter in etwa so groß wie die Weibchen. Die Senf-Wespenbiene (Nomada melathoracica) imitiert den Nestgeruch von Blauschillernde Sandbiene (Andrena agilissima), wodurch sie die Behausungen als Kuckucksbiene infiltriert. Auch die Gelbfühler-Wespenbiene (Nomada fulvicornis) ist als Brutparasit schon nachgewiesen worden.

Nachweiskarte und Gefährdung der Blauschillernden Sandbiene in Deutschland

Die weit verbreitete, aber in ihrem Vorkommen doch relativ seltene Sandbiene findet sich in den Maghreb-Staaten Nordafrikas, wie auch in Süd-, Mittel- und Osteuropa. Ihre natürliche nördliche Verbreitung reicht bisher bis etwa 51 Grad Nord (Mitteldeutschland, Polen). Seit wenigen Jahren gibt es immer wieder auch einzelne Nachweise im Norddeutschen Tiefland. Etwas häufiger findet sich die trocken-warm liebende Art in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Dabei wird sie nach der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten zumeist als „gefährdet“ bis „stark gefährdet“ eingestuft.

Die schnell fliegende Wildbiene („agilis“, lat. = schnell, eifrig, geschäftig) überwintert als voll entwickeltes Insekt (Imago) und ist ab Mai bis Anfang Juli unterwegs. Besonders die Männchen erkunden ihre Umgebung mit hohem Flugtempo. Ihre Nester legen die Weibchen in selbstgegrabenen Hohlräumen von Löss-Steilwänden und in Sand- oder Lehmböden an. So sind sie auch in manchen Kiesgruben nachzuweisen. Aber auch Waldsäume, Flussufer, trockene Mager- und Fettwiesen gehören zu ihrem Lebensraum. Im Siedlungsbereich bauen sie ihre Kinderstuben zuweilen in Mauerfugen oder - mit entsprechend vorhandenen Habitaten - auch in Gärten. Durch ihre kommunale Nistweise, mit 100 Weibchen und mehr, nutzen mehrere Weibchen einer Generation denselben Nisteingang, um die Pollenvorräte für ihre Eiergelege zu befüllen. Damit gelingt es ihnen auch, mögliche Brutparasiten besser abzuwehren.

Typischer Lebensraum für Erstbesiedler - Steilwände aus Löss bieten ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Insektenarten

Die Blauschillernde Sandbiene fliegt auf die Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie bevorzugt den Raps (Brassica napus) der als Massentracht im Mai gesammelt wird. Wenn der verblüt ist, nutzt sie zudem andere Nahrungsquellen, wie Acker-Senf (Sinapsis arvensis), Weiß-Senf (Sinapis alba), Ölrettich (Varietät von Raphanus sativus), Leindotter (Camelina sativa), Winterkresse (Barbarea vulgaris) und Hederich (Raphanus raphanistrum). Dabei ist sie in der Lage, Entfernungen bis zu einem Kilometer für die Nahrungssuche auf sich nehmen.

Das Zuschütten von Sand-, Lehm- und Kiesgruben, die Fragmentierung von Nahrungsflächen und der intensive Einsatz von Pestiziden führen zu alarmierenden Verlusten von Nist- und Nahrungsangeboten für die Wildbiene des Jahres 2019. Durch die flächendeckende Dezimierung der Ackerbegleitflur fehlt es vielerorts an geeigneten Futterpflanzen. Ansaaten mit den genannten Futterpflanzen ab März und Blüte ab Mai können helfen, diese Nahrungsknappheit abzumildern. Um dem Lebensraumverlust in einem kleinen Maßstab entgegenzuwirken, bietet es sich außerdem an, für die Wildbienenart eine kleine Steilwand aus Löss zu bauen, die an einem sonnigen Standort am Haus oder im Garten aufgestellt wird. Auch weitere Arten profitieren davon.

Literatur 

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, 1700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

Wildbienen-Kataster (2019): Wildbiene des Jahres 2019 – Die Senf-Blauschillersandbiene – Am liebsten gelb; Faltblatt, 8 Seiten

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