Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen

// Politik

Hier einige Auszüge aus dem am 20. Juni 2018 vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunktepapier zum Aktionsprogramm Insektenschutz:

Mehr als die Hälfte der deutschen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Damit spielt die Agrarlandschaft eine besondere Rolle bei der Bereitstellung von Lebensräumen für Insekten. Durch erhöhte Bewirtschaftungsintensität des Grünlands, den Verlust von Brachflächen, die Beseitigung von Kleinstrukturen in der Agrarlandschaft (wie z.B. Raine, Hecken, blüten- und kräuterreiche Säume und Feuchtstellen), stetig wachsende Homogenität der Anbauflächen sowie Verlust von Flächen durch nicht landwirtschaftliche Inanspruchnahme haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Insektenarten ihre Lebensgrundlage verloren. Auch durch (Gehölz-)Sukzession in Folge zu geringer Bewirtschaftung oder die völlige Aufgabe von ungünstigen Standorten gehen Lebensräume für Insektenarten der Agrarlandschaft verloren.

Deshalb sollen mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz die Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft erhöht und Insektenlebensräume in ausreichender Qualität und Quantität erhalten, ausgeweitet bzw. wiederhergestellt und insektengerecht gepflegt werden. Es geht insbesondere darum, die gezielte Anlage und insektengerechte Pflege von Landschaftselementen und Saumstrukturen auch außerhalb der Agrarlandschaft sowie die Vernetzung von Lebensräumen zu fördern.

Für verschiedene relevante Akteure soll es Anreize geben, Insektenlebensräume in Offenland, Wäldern, Brachen, Gewässern und Siedlungen qualitativ zu verbessern, neu zu schaffen und unter Einbeziehung temporärer Lebensräume zu vernetzen. Der neue „Aktionsplan Schutzgebiete“, der zurzeit gemeinsam mit den Ländern erarbeitet wird, soll hier sensibilisieren und unterstützen. Biosphärenreservate als Modellregionen für eine nachhaltige Entwicklung sollten einen besonderen Beitrag leisten.

Mit einer systematischen Minderungsstrategie soll der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel deutlich eingeschränkt werden, mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Dazu sollen gemeinsam mit der Landwirtschaft Alternativen im Rahmen einer Ackerbaustrategie entwickelt werden und u.a. umwelt- und naturschutzverträgliche Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln geregelt werden. Die Umsetzung der Ackerbaustrategie soll adäquat mit Fördermitteln für Maßnahmen zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie und insbesondere des Insektenschutzes untersetzt werden.

Zu hohe Nährstoffeinträge durch Quellen wie Stickstoffüberschüsse aus Landwirtschaft, Verkehr oder Energiewirtschaft verringern die Vielfalt und Qualität von Lebensräumen und verdrängen wichtige Nahrungspflanzen für Insekten. Deshalb sollen mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz die Stickstoffüberschüsse und damit die Stickstoffemissionen weiter reduziert werden.

Nachtaktive Insekten werden von künstlichen Lichtquellen angelockt, verenden an der Lichtquelle oder werden dort Opfer von Fressfeinden. Deshalb soll das Aktionsprogramm Insektenschutz dazu beitragen, dass die Lichtverschmutzung insgesamt reduziert wird und eine Umstellung auf insektenfreundliche Lichtquellen erfolgt.

Das Aktionsprogramm Insektenschutz soll daher Maßnahmen zur Entwicklung, Verbreiterung und Vertiefung der gezielten Forschung über Insekten, ihre Verbreitung, Bestände, die Qualität und Quantität der erbrachten Ökosystemleistungen sowie Ausmaß und Ursachen von Bestandsveränderungen beinhalten. Dies umfasst auch die Untersuchung sich addierender Faktoren, die zum Rückgang beitragen, die Identifikation effektiver Hebel zur Gegensteuerung sowie die Entwicklung neuer Technologien für ein Monitoringsystem.

Bei der Ausgestaltung der kommenden EU-Förderperiode soll ein Beitrag zum Insektenschutz durch geeignete Fördertatbestände und Kriterien berücksichtigt werden. In diesem Rahmen muss die Landwirtschaft künftig auch einen größeren Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen bei Klima- und Umweltschutz sowie beim Erhalt der Biodiversität leisten. Vor diesem Hintergrund soll die GAP die Leistungen der Landwirtschaft zum Schutz der Umwelt, der Biodiversität, des Klimas und der natürlichen Ressourcen besser honorieren. Zudem werden die nationalen Mittel für den Insektenschutz erhöht. Auch für Themen wie Lichtverschmutzung, Verkehr und Siedlungen ist eine bessere Finanzierung von Insektenschutzmaßnahmen nötig. Es sollen verstärkt Modellprojekte zum Insektenschutz gefördert werden, z.B. im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt.

Bereits vorhandenes Engagement soll vernetzt und mit konkreten Angeboten unterstützt werden. Umweltpädagogische Angebote zum Insektenschutz in Schulen und Kindergärten werden ausgebaut.

Aufgrund der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit für das Insektensterben und der  hohen Erwartung der Öffentlichkeit an die Politik sollen gesellschaftliche Akteure  und Öffentlichkeit in die Erarbeitung des Aktionsprogramms Insektenschutz einbezogen werden. Dazu wird u.a. das „9. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt“ im Herbst 2018 eine Plattform bieten.

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