Einen Naturgarten anlegen – so wird’s gemacht

Naturgarten anlegen und ein bisschen pflegen: Nach einiger Zeit sitzen Sie im Blütenparadies.
Naturgarten anlegen und ein bisschen pflegen: Nach einiger Zeit sitzen Sie im Blütenparadies. © Daniel Jakumeit

Wie können wir Wildbienen am besten helfen? Indem wir einen Naturgarten anlegen! Naturgärten unterscheiden sich von klassischen Gärten. Sie sind dynamischer, wilder und nehmen Rücksicht auf die Bedürfnisse von Mensch und Natur. Trotzdem sind sie mindestens genauso schön!

Wenn Sie einen Naturgarten anlegen wollen, achten Sie auf diese Punkte:

  • Pflanzen Sie heimische Stauden und Gehölze.
  • Schaffen Sie Rückzugsorte für Tiere.
  • Nutzen Sie keine Pestizide, synthetische Dünger und torfhaltige Erden.

Wie das alles genau funktioniert und wie ein Ökogarten gepflegt wird, erklären wir hier. Und keine Sorge, bereits kleine Beiträge wie eine Tränke oder ein wenig Totholz im Garten lohnen sich und sind wertvoll!

Bienenblumen

Bienen brauchen Blumen. Soweit klar. Aber vielleicht wissen Sie auch, dass nicht jede Biene auf jede Blume fliegt. Damit aus den Blumen im Garten richtige Bienenblumen werden, müssen Sie gar nicht viel machen. Es reicht darauf zu achten, dass Sie heimische Stauden und Kräuter auswählen.

Aber Vorsicht, wählen Sie keine überzüchtete Sorte (erkennbar an einem nachgestellten Namen in einfachen Anführungszeichen, z. B. Lychnis viscaria ‘Plena‘), sondern am besten die Wildform. Dann ist auch gesichert, dass die Blüten nicht „gefüllt“ sind und Bienen Nektar und Pollen erreichen können.

Solche Pflanzen finden Sie bei spezialisierten Gärtnereien, die oft auch einen Versandhandel betreiben. Sie können sich also Ihre Bienenblumen einfach nach Hause schicken lassen und einpflanzen.

Hier finden Sie eine Auswahl von Anbietern heimischer Wildpflanzen.

Und hier entdecken Sie viele weitere tolle Bienenblumen.

Unsere 20 liebsten Bienenblumen im Naturgarten

Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis): schnittverträglicher Dauerblüher.
Acker-Witwenblume (Knautia arvensis): schnittverträglicher Dauerblüher. © SMU/Dominik Jentzsch
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria): leicht mit Saatgut zu etablieren, Dauerblüher.
Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria): leicht mit Saatgut zu etablieren, Dauerblüher. © SMU/Peter Müller
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana): gut als niedriger Bodendecker.
Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana): gut als niedriger Bodendecker. © Nicolas Schwab, CC BY-NC-SA 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Hornklee (Lotus corniculatus): toll für Wildbienen und Schmetterlinge.
Hornklee (Lotus corniculatus): toll für Wildbienen und Schmetterlinge. © Bernt Fransson, CC BY-SA 4.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Kriechenden Günsel (Ajuga reptans): Bodendecker mit schönen blauen Blütenkerzen.
Kriechender Günsel (Ajuga reptans): Bodendecker mit schönen blauen Blütenkerzen. © SMU/Peter Müller
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Margeriten (Leucanthemum vulgare): bekannte Wiesenpflanze, auch schön im Staudenbeet.
Margerite (Leucanthemum vulgare): bekannte Wiesenpflanze, auch schön im Staudenbeet. © SMU/Peter Müller
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Natternkopf (Echium vulgare): Bienengarant mit herrlichen blauen Blütenständen, zweijährig.
Natternkopf (Echium vulgare): Bienengarant mit herrlichen blauen Blütenständen, zweijährig. © SMU/Peter Müller
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia): wunderschön und unkompliziert, funktioniert fast überall.
Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia): wunderschön und unkompliziert, funktioniert fast überall. © Kerry d Woods, CC BY-NC-ND 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa): relativ hohe Flockenblume mit prachtvollen Blüten.
Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa): relativ hohe Flockenblume mit prachtvollen Blüten. © SMU/Peter Müller
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Wegwarte (Cichorium intybus): Blätter ähneln Löwenzahn, Kulturformen sind unter anderem Chicorée und Radicchio.
Wegwarte (Cichorium intybus): Blätter ähneln Löwenzahn, Kulturformen sind unter anderem Chicorée und Radicchio. © Gailhampshire, CC BY 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Blut-Weiderich (Lythrum salicaria): Bienenmagnet, nicht nur für feuchte Standorte.
Blut-Weiderich (Lythrum salicaria): Bienenmagnet, nicht nur für feuchte Standorte. © Plenuska, CC BY-SA 4.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Eselsdistel (Onopordum acanthium): Sie wird bis zu 3 m hoch, zweijährig.
Eselsdistel (Onopordum acanthium): Sie wird bis zu 3 m hoch, zweijährig. © anro0002, CC BY-SA 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Felsen-Steinkraut (Alyssum saxatile): ein Klassiker für die Trockenmauer.
Felsen-Steinkraut (Alyssum saxatile): ein Klassiker für die Trockenmauer. © Père Igor, CC BY-SA 3.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum): Spröder Charme lockt viele Insekten an.
Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum): Spröder Charme lockt viele Insekten an. © Crowcombe Al, CC BY-NC-ND 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Große Fetthenne (Sedum telephium): wertvolle späte Blüte und schöne Winterstruktur.
Große Fetthenne (Sedum telephium): wertvolle späte Blüte und schöne Winterstruktur. © FilippoL1982, CC BY-NC-ND 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel die Kalk-Aster (Aster amellus): Eine heimische Aster, blüht im September.
Kalk-Aster (Aster amellus): Eine heimische Aster, blüht im September. © HermannFalkner/sokol, CC BY-NC-SA 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Klebrigen Salbei (Salvia glutionosa): späte Blüte für schattige Standorte.
Klebriger Salbei (Salvia glutionosa): späte Blüte für schattige Standorte. © Hectonichus, CC BY-SA 3.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Kugellauch (Allium sphaerocephalon): benötigt kaum Nährstoffe, kalkliebend.
Kugellauch (Allium sphaerocephalon): benötigt kaum Nährstoffe, kalkliebend. © Sarah Gregg, Italy, CC BY-NC-SA 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Wasserdost (Eupatorium cannabinum): große Staude für den feuchten Standort.
Wasserdost (Eupatorium cannabinum): große Staude für den feuchten Standort. © Jac. Janssen from Baarlo lb, NL, CC BY 2.0
Sie wollen einen Naturgarten anlegen? Pflanzen Sie zum Beispiel Königskerzen (Verbascum): majestätische zweijährige Pollenbomben.
Königskerzen (Verbascum): majestätische zweijährige Pollenbomben. © Kew on Flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Was blüht wann? Naturgarten mit Blühkalender planen

Blutweiderich (Lythrum salicaria)
Pflanzen Sie Blutweiderich, wenn Sie Ihren Naturgarten anlegen! Im Juli erstrahlt er in voller Blüte. © Stiftung für Mensch und Umwelt, Markus Schmidt

Frühling: März, April, Mai

Sommer: Juni, Juli, August

Herbst: September, Oktober, November

Winter: Dezember, Januar, Februar

Vielfältiger Garten – vielfältiges Leben

Heimische Stauden brauchen Sie also. Und welche genau?

Der Weg für Profis: Wer Wildbienen im Garten mit Wildblumen versorgen will, findet heraus, welche Bienenarten in der Region vorkommen. Dann für die unterschiedlichen Standorte im Garten die entsprechenden heimischen Stauden aussuchen und theoretisch ist die Tafel gedeckt.

Wem das zu kompliziert ist: Masse statt Klasse funktioniert auch. Pflanzen oder säen Sie viele verschiedene Pflanzen auf vielen verschiedenen Standorten (also sonnig, schattig, magerer Boden, fetter Boden …). Damit vergrößern Sie die Trefferquote bei den Wildbienenarten, die Sie fördern – und natürlich auch bei anderen Tieren. Nebenbei entsteht so ein vielfältiger Garten, in dem es fast das ganze Jahr über blüht.

Viele dieser Pflanzen sind in unserer Kulturlandschaft selten geworden. Wenn Sie sie in Ihren Garten aufnehmen, helfen Sie, die Bestände zu erhöhen.

Die Vielfalt nimmt zu, wenn Sie einen Naturgarten anlegen.
Mit seinen vielfältigen Strukturen ist dieser Garten ein Favorit bei Wildbienen & Co. © Ein neuer Hortus entsteht

Blumenwiesen

Die größte Artenvielfalt finden wir übrigens auf Blumenwiesen. Wer den Platz dafür hat, sollte nicht lange zögern, denn so eine Blumenwiese ist eine tolle Sache: Sie macht kaum Arbeit, ist wunderschön und lockt zahllose Bienen, Schmetterlinge und Grashüpfer an.

Der einzige Nachteil ist, dass Blumenwiesen nicht betreten werden sollten. Sie können zwar Wege in die Wiese mähen, auf denen Sie den Blumen und Bienen näherkommen können. Wer aber eine Spielwiese will, sollte eher einen Blumen- und Kräuterrasen anlegen. Das ist eine Zwischenform der Blumenwiese und des klassischen Rasens.

Bunte Blumenwiesen brauchen einen gut vorbereiteten Boden und Sonne.
Bunte Blumenwiesen brauchen einen gut vorbereiteten Boden und Sonne. © Elisabeth Albrecht
Blumenwiese anlegen

Folgendes müssen Sie beachten, wenn Sie eine vielfältige und ausdauernd schöne Blumenwiese in Ihrem Naturgarten anlegen wollen:

  • sonniger Standort
  • Ansaat im Herbst oder Frühjahr
  • geeignete Saatgutmischung
  • passende Bodenvorbereitung
  • nach dem Säen anwalzen oder festtreten

Es gibt eine Vielzahl von Saatguthändlern und -mischungen. Achten Sie bei Blumenwiesen-Mischungen darauf, dass sie aus heimischen Arten bestehen. Im besten Fall kaufen Sie sich Regio-Saatgut, das von Pflanzen aus Ihrer Region abstammt. Wir haben eine Auswahl von Saatgut-Händlern mit entsprechenden Angeboten für Sie zusammengestellt.

Ein bisschen Bienenweide-Mischung einfach auf Rasen ausstreuen funktioniert leider nicht. Damit das Saatgut keimen kann, braucht es neben Feuchtigkeit direkten Kontakt zur Erde und Licht. Wir sprechen daher auch von „Lichtkeimern“. Die meisten Blumenarten gehören dazu. Deshalb müssen Sie die richtigen Bedingungen schaffen und ein sogenanntes „Saatbett“ vorbereiten.

Am einfachsten ist ein Saatbett auf offenem Boden herzustellen. Hausbauer haben diesen automatisch nach der Baustelle. Sie müssen dann lediglich 2 cm dick Kompost in die oberste Schicht einarbeiten, wenn der Boden sehr nährstoffarm ist. Darauf können Sie ansäen. Lassen Sie sich keinen Oberboden liefern! Magere Wiesen sind noch blütenreicher als fette.

Im Bestandsgarten können Sie die alte Grasnarbe ganz entfernen oder den Rasen fräsen. Etwas weniger brutal, aber auch denkbar ist, den Rasen sehr tief und kreuzweise zu vertikutieren. Mähen Sie vor dem Fräsen oder Vertikutieren den Rasen so tief wie möglich. Wichtig ist, dass Sie die dichte Struktur der Grasnarbe aufreißen. Tun Sie das nicht, kommen die Keimlinge nicht gegen die Gräser an.

Nach dem Fräsen oder Vertikutieren entfernen Sie so viel Pflanzenmaterial wie möglich. Vom alten Rasen sollte dann nicht mehr viel zu sehen sein. Jetzt streuen Sie die Saatgutmischung aus.

Das Saatgut braucht direkten Erdkontakt, um keimen zu können. Dafür können Sie eine Rasenwalze nutzen (ggf. im Baumarkt ausleihen). Auf kleineren Flächen können Sie die Ansaat auch mit dem Schaufelrücken festklopfen oder sich Bretter an die Füße binden und es damit festtreten.

Der beste Zeitpunkt für eine Blumenwiesenansaat ist der Herbst, denn zum Keimen sollte die Ansaat für mehrere Wochen feucht bleiben. Der Zeitraum September bis Ende Oktober ist optimal. Ausreichend Niederschlag ist dann wahrscheinlich und die Verdunstung ist geringer als im Sommer.

Auch im Frühling können Sie Wiesen ansäen. In den letzten Jahren hatten wir allerdings immer wieder sehr trockene und auch heiße Phasen zu dieser Zeit. Das hemmt die Entwicklung der Ansaat. Wer dann nicht bewässern möchte, muss sich gedulden. Zudem keimen viele Arten erst, nachdem sie einen Winter hinter sich gebracht haben. Sie brauchen einen sogenannten „Kältereiz“, um aktiviert zu werden.

Wenn nach einigen Wochen viele Unkräuter wie z. B. Melde/Gänsefuß, Berufskraut oder Hirsen hochgewachsen sind, ist ein Schröpfschnitt zu empfehlen: ein Mal auf circa 10 cm Höhe mähen. Tun Sie das, bevor die Unkräuter blühen bzw. Samen bilden.

Ab dann müssen Sie nur noch im richtigen Rhythmus mähen. In der Regel sollten Sie das ein Mal im Sommer und ein Mal im Herbst tun. Immer das Schnittgut entfernen, um Grasfilz und Nährstoffanreicherung zu vermeiden!

Hier finden Sie eine ausführliche Pflegeanleitung für Blumenwiesen.

Eine Blumenwiese braucht ein paar Jahre, bis sie ihre volle Pracht entwickelt. Bei richtiger Pflege werden Sie aber lange Zeit Freude an ihr haben.

Strukturvielfalt – Rückzugsorte für Tiere

Viele verschiedene Bienenblumen und Standorte sorgen für die Nahrung. Als nächstes brauchen die Wildbienen noch Orte für die Eiablage. Einen Naturgarten anlegen bedeutet insofern auch, dass Sie „Strukturen“ anbieten sollten. Das heißt, dass Sie die Lebensraumansprüche der Tiere erfüllen, indem Sie Lebensräume künstlich nachbilden.

Nutzen Sie auch Totholz, wenn Sie Ihren Naturgarten anlegen. Es bietet vielen Tierarten Lebensraum.
Nutzen Sie auch Totholz, wenn Sie Ihren Naturgarten anlegen. Es bietet vielen Tierarten Lebensraum. © SMU/Peter Müller

Beispiel:

Wenn es keinen alten Baum mit Totholzanteil im Garten gibt, stellen Sie stattdessen ein Stück von einem Baumstamm auf. Nachdem Käfer dort Gänge hineingefressen und verlassen haben, können Wildbienen diese Gänge für ihre Brut nutzen.

Vergraben Sie dafür den Stamm zu einem Drittel seiner Länge, damit er sicher steht. Füllen Sie vorher in das ausgehobene Loch noch 10 cm Sand oder Schotter, damit das Holz keinen direkten Erdkontakt hat. Das ist kein Muss, aber so hält es länger. Füllen Sie das Loch um den Stamm ebenfalls mit Sand oder Schotter auf – Feststampfen und fertig.

Trockenmauer
Naturgarten anlegen: Trockenmauern gehören dazu!
Naturgarten anlegen: Trockenmauern gehören dazu! © SMU

Trockenmauern sind Natursteinmauern, deren Fugen nicht mit Mörtel verfüllt sind und deren Mauerfuß unbefestigt bleibt. So können Sie die Fugen bepflanzen. An Trockenheit und magere Böden angepasste Pflanzen fühlen sich hier wohl. In den Mauernischen finden viele Insekten wie Wildbienen und Hummeln Unterschlupf. Hier finden Sie Details.

Kleiner Hinweis: Der Bau einer höheren Trockenmauer ist anspruchsvoll und sollte gut geplant sein. Doch die Mühe lohnt – Ihr insektenfreundlicher Garten gewinnt dadurch wertvollen Lebensraum, der auch optisch besticht!

Kräuterspirale
Bau einer Kräuterspirale im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow.
Bau einer Kräuterspirale im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow. © Sebastian Runge

Ein insektenfreundlicher Garten lebt von seiner Pflanzen- und Strukturvielfalt. Wie wäre es, wenn Sie eine Trockenmauer als „Kräuterspirale“ anlegen?

Sie können eine Kräuterspirale zu jeder Jahreszeit bauen. Die Übergangszeiten eigenen sich aber am besten dazu. Der Grund: Temperaturen unter 10 °C und über 20 °C sind vermutlich zu kalt beziehungsweise zu warm für diese körperlich schwere Tätigkeit.

Die ideale Jahreszeit für die Bepflanzung einer selbstgebauten Kräuterspirale ist das Frühjahr. Wenn die Temperaturen über 0 °C liegen, können Sie Kräuter jedoch bis in den Sommer und Herbst pflanzen und dann fleißig ernten.

Oben trocken, unten feucht

In einer Kräuterspirale gibt es verschiedene Zonen. Diese unterscheiden sich in ihrem Feuchtigkeitsgehalt und bieten somit ganz unterschiedlichen Pflanzen geeigneten Lebensraum:

Teich vor der Kräuterspirale:

  • Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)
  • Drachenwurz (Calla palustris)
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
  • Wassernuss (Trapa natans)

Feuchter Bereich (Sumpfbereich):

  • Blutampfer (Rumex sanguineus)
  • Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
  • Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Waldmeister (Galium odoratum)
  • Wasserminze (Mentha aquatica)

Mittlere, mäßig feuchte Zone:

  • Basilikum (Ocimum basilicum)
  • Bärlauch (Allium ursinum)
  • Dill (Anethum graveolens)
  • Echter Kerbel (Anthriscus cerefolium)
  • Estragon (Artemisia dracunculus)
  • Liebstöckel (Levisticum officinale)
  • Melisse (Melissa officinalis)
  • Petersilie (Petroselinum crispum)

Mittlere, trockene Zone:

  • Borretsch (Borago officinalis)
  • Echter Koriander (Coriandrum sativum)
  • Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
  • Pfefferminze (Mentha ×piperita)
  • Pimpinelle (Sanguisorba minor)
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Mediterrane Zone:

  • Ananas-Salbei (Salvia elegans)
  • Currykraut/Italienische Strohblume (Helichrysum italicum)
  • Echter Lorbeer (Laurus nobilis)
  • Echter Thymian (Thymus vulgaris)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Majoran (Origanum majorana)
  • Oregano (Origanum vulgare)
  • Rosmarin (Salvia rosmarinus)
  • Ysop (Hyssopus officinalis)

Hier sehen Sie, wie wir eine Kräuterspirale im Wildbienenschaugarten Schöneweide bauten.

Lesesteinhaufen
Naturgarten anlegen: Lesesteinhaufen sind u. a. für Insekten und Reptilien attraktiv.
Naturgarten anlegen: Lesesteinhaufen sind u. a. für Insekten und Reptilien attraktiv. © SMU/Corinna Hölzer

Ein Lesesteinhaufen bietet Versteckmöglichkeiten, einen Sonnenplatz und ein Winterquartier für viele Tiere – darunter Eidechsen, Schlangen, Lurche, Ameisen, Bienen und Grabwespen. Auch für wärme- und trockenheitsliebende Pflanzen ist er attraktiv.

Die Errichtung eines Steinhaufens ist wesentlich einfacher als der Bau einer Trockensteinmauer. Er sollte in sonniger Lage platziert und möglichst windgeschützt sein. Ein insektenfreundlicher Garten braucht nicht immer viel – nutzen Sie einen Lesesteinhaufen auch in Ihrem Garten!

Tipps:
Kurzhinweise zur Anlage von Steinhaufen (UMG Umweltbüro Grabher)
Praxismerkblatt Steinhaufen und Steinwälle (karch Koodinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Totholzhaufen
Wenn sie einen Naturgarten anlegen, bitte nicht den Totholzhaufen vergessen.
Wenn sie einen Naturgarten anlegen, bitte nicht den Totholzhaufen vergessen. © Meinrad Welker

Vor allem in größeren Gärten lässt sich an geeigneten Stellen Holz zu Reisig- oder Totholzhaufen aufschichten. Auch Laub, Wurzeln oder Aststücke sind zur Beigabe geeignet. Und selbst in kleinen Gärten können Sie unter Sträuchern einen Totholzhaufen anlegen.

Ein Totholzhaufen bietet Lebensraum und Unterschlupf für viele Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger. Der Haufen kann z. B. Frösche, Molche (als Überwinterungsplatz), Spitzmäuse, Zauneidechsen, Igel und Mauswiesel beherbergen. Außerdem bietet er Nistmöglichkeiten und reichlich Nahrung für Zaunkönig, Rotkehlchen und Grasmücke. Auch einige Wildbienenarten legen ihre Eier in das Totholz.

Tiere nutzen Totholzhaufen somit für ganz unterschiedliche Zwecke: als Ort für ihre Entwicklung, zum Überwintern, zum Nisten oder als Rückzugsgebiet. Was wäre ein insektenfreundlicher Garten ohne diese wichtige Gartenstruktur?

Tipps:
Infoblatt „Wertvoller Lebensraum für Tiere: Totholz im Garten“ (Landesverband Rheinland der Gartenfreunde e. V.)

Habitatbaum
Habitatbaum
Je älter, desto wertvoller: Habitatbäume bieten über Jahre eine Fülle an verschiedenen Lebensräumen. © Roger Gloszat

Bäume mit besonders hohem ökologischem Wert werden als „Habitatbäume“ oder „Biotopbäume“ bezeichnet. Sie bieten ungewöhnlich vielen Tieren, Pflanzen und Pilzen Lebensraum und stellen wichtige Mikrolebensräume dar.

Meist leben hier auch zahlreiche hochspezialisierte und schützenswerte Arten. Habitatbäume gelten daher als „Hotspots der Artenvielfalt“. Es handelt sich dabei oft um sehr alte, teils bereits absterbende oder tote Bäume.

Für einige Wildbienenarten sind insbesondere die abgestorbenen Teile von Bäumen wichtig, da sie dort ihre Brutkammern anlegen. Auch Kleingärten sind als Standort von Habitatbäumen wichtig. Beherbergt Ihr insektenfreundlicher Garten auch Habitatbäume?

Tipps:

Weiterführende Infos finden Sie in unserem Beitrag „Habitat- oder Biotopbäume, Hotspots der Artenvielfalt“.

Sandarium/Sandlinse
Sandlinse in einem neu angelegten Berliner Naturgarten.
Sandlinse in einem neu angelegten Berliner Naturgarten. © SMU

Wussten Sie, dass etwa drei Viertel aller Wildbienenarten im Boden nisten? Sie brauchen dafür vor allem offene Bodenstellen, Abbruchkanten oder sogenannte „Sandlinsen“ oder „Sandarien“. Ein insektenfreundlicher Garten zeichnet sich daher auch durch offene sandige Bereiche aus.

Kurzanleitung Sandlinse

Heben Sie eine Fläche von mindestens 50 x 50 x 50 cm an einer sonnigen Stelle aus und füllen Sie diese mit bindigem Sand. Der Sand sollte in der Hand gut formbar sein und nicht zu leicht rieseln, da ansonsten die Brutgelege der Insekten keinen Halt haben. Halten Sie die Sandlinse frei von Bewuchs und umranden Sie sie gegebenenfalls mit dornigen Ästen, sodass sie nicht zum Katzenklo wird. Schon bald werden Sie viele Wildbienen und andere Insekten beim Bau von Nestern beobachten können.

Wildbienen-Nisthilfe
Wildbienen-Nisthilfe oberirdisch nistende Wildbienenarten
Einige oberirdisch nistende Wildbienenarten nehmen künstliche Nisthilfen gerne an. © Nicole Kwiatkowski Photography

Möchten Sie Wildbienen bei Ihrem Brutgeschäft beobachten, eignen sich Nisthilfen hervorragend dazu. Ein insektenfreundlicher Garten bietet mit den Nisthilfen beispielsweise Gehörnten Mauerbienen, Löcher- und Seidenbienen attraktiven Lebensraum.

Tipp:

Lesen Sie hier, was eine gute Wildbienen-Nisthilfe ausmacht.

Rückzugsort im Winter
Zahlreiche Tierarten brauchen altes Laub und vertrocknete Zweige, um den Winter zu überleben.
Zahlreiche Tierarten brauchen altes Laub und vertrocknete Zweige, um den Winter zu überleben. © SMU/Corinna Hölzer

Viele Gartenbesitzer haben eine Angewohnheit: Sie machen ihren Garten auf eine Art und Weise „winterfest“, dass auch das letzte Blättchen in der Mülltonne verschwindet. Kein Zweig bleibt liegen, alle Stauden werden gestutzt und die Erde blank und schutzlos dem Winter überlassen – und damit auch die in und auf dem Boden lebenden Bewohner. „Sehr gepflegt!“würde der Gartenbesitzer sagen. Ob das hilfreich ist?

In der Natur kommt das nicht vor. Ebenso wenig aufgeräumt ist ein insektenfreundlicher Garten. Insekten, Würmer, Igel, Kröten, Blindschleichen und andere Tiere finden dort immer genügend Laub, Äste oder Mauerritzen, in denen sie sich im Winter vor Kälte schützen können.

Viele Wildbienen legen ihre Eier in vorhandene oder selbst gebohrte Löcher in holzige Strukturen, in Stängel oder Steinnischen. Die Brut braucht eine Kälteperiode, bevor sie im Frühjahr als erwachsene Biene schlüpfen kann. Findet sie diese Schutzräume nicht, nützt ihr auch keine Blumenwiese im Sommer.

Denken Sie daher auch in der kalten Jahreszeit an Bienen & Co. Sie sind nur aus dem Auge, nicht aus der Welt. Lassen Sie ruhig Laub liegen und schneiden Sie Stauden nicht zurück. Das ist wichtig, wenn Sie eine naturnahe Grünfläche haben möchten. Die Tiere werden es Ihnen danken.

Ohne Wasser kein Ökogarten

Alle Lebewesen brauchen Wasser. Deshalb ist der Zugang zu Wasser ein ganz wichtiger Punkt, wenn Sie einen Naturgarten anlegen wollen. Sobald Sie ein Angebot schaffen, wie zum Beispiel eine Tränke, ein Sumpfbeet oder gar einen Teich, wird sich die Biodiversität enorm erhöhen.

Wenn Sie einen Naturgarten anlegen, planen Sie gerne eine Wasserstelle für durstige Tiere ein.
Wenn Sie einen Naturgarten anlegen, planen Sie gerne eine Wasserstelle für durstige Tiere ein. © Naturgarten Langenau
Gartenteich / Wasserstelle
Naturgartenteich im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow.
Neu angelegter Gartenteich im erweiterten Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow. © SMU/Cornelis Hemmer

Es muss nicht immer ein großer Teich sein. Schon die kleinste Wasserstelle mit flachem Ufer und wenigen Wasserpflanzen bietet Wasser für Bienen und Vögel sowie Lebensraum für Frösche und Molche.

Probieren Sie es aus. Schon ein einziger Quadratmeter Fläche genügt. Bepflanzen Sie die Wasserstellen mit feuchtigkeitsliebenden heimischen Blühstauden.

Übrigens: Wildbienen decken ihren Flüssigkeitsbedarf hauptsächlich über Nektar, benötigen aber Wasser als Baustoff für ihre Nester.

Folgende Pflanzen fühlen sich in einem Gartenteich wohl:

Tiefwasserzone mit Unterwasserpflanzen:

  • Glänzendes Laichkraut (Potamogeton lucens)

Schwimmpflanzen:

  • Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes)
  • Wassersalat (Pistia stratiotes)

Tiefwasserpflanzen (Wasssertiefe 30 bis 100 cm):

  • Gelbe Teichrose (Nuphar lutea)
  • Laichkraut (Potamogeton natans)
  • Seekanne (Nymphoides peltata)
  • Wasserfeder (Hottonia palustris)
  • Wassernuss (Trapa natans)

Sumpfwasserpflanzen (Wasssertiefe 10 bis 30 cm):

  • Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
  • Grasblättriger Froschlöffel (Alisma gramineum)
  • Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia)
  • Schwanenblume (Butomus umbellatus)
  • Tannenwedel (Hippuris vulgaris)

Teich, Uferpflanzen (Wassertiefe 0 bis 20 cm):

  • Blaugrüne Binse (Juncus inflexus)
  • Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
  • Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus)
  • Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)
  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
  • Wasserminze (Mentha aquatica)
  • Wollgras (Eriophorum angustifolium)

Nachhaltigkeit durch richtige Pflege

Nun ist es so weit: Wir haben heimische Stauden (Bienenblumen), vielfältige Standorte, verschiedene Strukturen und Zugang zu Wasser. Ab jetzt können wir uns zurücklehnen und den Bienen beim Summen zusehen, richtig? Fast. Damit es nach dem erfolgreichen Naturgartenbau auch ein pflegeleichter Naturgarten wird, müssen wir uns noch einmal anstrengen.

Der frisch angelegte Naturgarten muss einwachsen, bis er wirklich pflegeleicht wird. Das bedeutet, dass Sie in den ersten zwei bis drei Jahren sehr genau aufpassen müssen, dass Ihre Ansaaten und Pflanzen nicht von Unkräutern verdrängt werden. Nach dieser Phase sind die Pflanzen in aller Regel etabliert und brauchen weniger Aufmerksamkeit.

***

„Unkraut“? Ist doch auch Natur, oder nicht?

Klarer Fall: Jede Pflanze hat ihren Sinn in der Natur. Doch im Naturgarten wollen wir Pflanzen etablieren, die in unserer Landschaft selten geworden sind. Deshalb bevorzugen wir sie gegenüber den häufigen „Unkräutern“, indem wir diese jäten.

***

Putzfimmel ade – zu viel Pflege ist nicht gut

Im Gegensatz zum Rasen müssen Sie die Blumenwiesen im Naturgarten nur selten mähen. Wichtig ist, dass Sie das zum richtigen Zeitpunkt tun. Wenn die Margeriten gerade verblühen, ist es Zeit für den ersten Durchgang (meist Ende Juni). Ein zweites Mal ist es im Herbst nötig, etwa Ende September bis Ende Oktober. Blumenrasen wird öfter gemäht, je nach Bedarf bis zu 5–8-mal im Jahr.

Igel freuen sich, wenn Sie einen Naturgarten anlegen. Das Laub bietet in der kalten Jahreszeit einen prima Unterschlupf.
Igel freuen sich, wenn Sie einen Naturgarten anlegen. Das Laub bietet in der kalten Jahreszeit einen prima Unterschlupf. © coatesy/shutterstock.com

Lassen Sie Fruchtstände der Stauden und Kräuter über den Winter stehen. Sie sind wertvoll für Singvögel und Insekten. Außerdem verleihen sie dem Garten etwas Struktur im Winter.

Auch beim Laub können Sie gerne ein wenig entspannen. Statt als Ärgernis und Arbeit betrachten Sie es als wertvolles Winterquartier für Tiere und natürliche Humusquelle. Lassen Sie es unter Gehölzen und in Schattenbeeten einfach liegen. Entfernen Sie es nur von Wiesen und sonnigen Magerbeeten.

Auch kleine Flächen zählen!

Auch auf dem Balkon können Sie einen Naturgarten anlegen.
Auch auf dem Balkon können Sie einen Naturgarten anlegen. © Kristin H.

Jeder Naturgarten ist eine Hilfe für Wildbienen und andere Tiere. Ganz egal wie groß er auch ist, er dient mindestens als Trittsteinbiotop. So können Lebensräume Schritt für Schritt verbunden werden. Das ist wichtig für die Ausbreitung und Erhaltung der Bestände.

Gestalten Sie eine Fläche insektenfreundlich! Gut geeignet sind: Garten, Dachterrasse, Balkon, Fensterbank und Baumscheibe. Es lohnt sich für alle!

Wenn Sie einen Naturgarten anlegen möchten, können Sie auch eine Dachterrasse nutzen, wie hier in Aachen!
Wenn Sie einen Naturgarten anlegen möchten, können Sie auch eine Dachterrasse nutzen, wie hier in Aachen! © Hortus Aquis

Das könnte Sie auch interessieren

In unserer Ratgeberbroschüre „Wir tun was für Bienen“ finden Sie Tipps für Ihre bienenfreundliche Balkon-, Terrassen- und Gartengestaltung.

Sie können mit ihrer bienenfreundlichen Fläche einen Preis gewinnen. Machen Sie bei unserem Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen!“ mit!

Wie wäre es, wenn Sie Ihren Naturgarten gestalten lassen – zum Beispiel von uns? Wir stehen Interessentinnen und Interessenten aus dem Wohnungsbau gerne zur Verfügung. Hier geht es zu unserem Dienstleistungsangebot.

Sie interessieren sich generell für die naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren? Dann werfen Sie einen Blick in unsere Treffpunkt-Vielfalt-Broschüre.