Wissenswertes gemischt

Gliederfüßer - Die umfangreichste Gruppe aller Tiere

Rund 80 Prozent aller lebenden Tierarten sind Gliederfüßer. Zu ihnen gehören, neben den Insekten, auch Tausendfüßer, Krebstiere und Spinnentiere. Dieser erfolgreiche Stamm des Tierreiches existiert bereits seit dem Kambrium vor 540 Millionen Jahren. Ihre Entstehung geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Ediacarium zurück, also auf jene Zeit, aus der die ersten mit bloßem Auge sichtbaren Fossilien von Gewebetieren überhaupt nachgewiesen sind.

Käfer - 300 Millionen Jahre Evolution

Käfer (Coleoptera) sind mit etwa 6.500 heimischen Arten eine sehr umfangreiche Insektenordnung. Ihre vielgestaltigen Körperformen von sehr langen schlanken bis stark kugeligen gedrungenen Formen, ist ebenso variantenreich wie ihre Farbgebung und allen gemein sind die zu festen Flügeldecken umgebildeten Vorderflügel und die deutlich größeren, in Ruhelage zusammengefalteten, Hinterflügel. Der größte heimische Vertreter ist der Hirschkäfer (Lucanus cervus), mit 75 Millimetern Körperlänge. Zwergkäfer (Ptiliidae) und Punktkäfer (Clambidae) sind mit Körperlängen von lediglich 0,5 Millimetern, die kleinsten Vertreter dieser Insektenordnung.

Der Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta, Poda 1761)
Der Trauer-Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) ist ein Käfer aus der Unterfamilie der Rosenkäfer (Cetoniinae). Er wird 8 bis 12 Millimeter lang. Sein Körper ist glänzend schwarz gefärbt und hat neben einer weißen Behaarung viele kleine weiße Flecken auf den Deckflügeln, dem Halsschild und der Unterseite des Körpers sowie wenige auf den Beinen.

Die Trauer-Rosenkäfer sind im Mittelmeerraum und bis zum Kaspischen Meeres anzutreffen. Sie kommen in der Nähe von Waldrändern, blütenreichen Wiesen und Steppenheiden und Kalkböden vor. Sehr selten sind sie auch in Südwestdeutschland zu finden. Sie fliegen von Mai bis Juli.

Die geschlechtsreifen Insekten ernähren sich von Pollen, die Larven von Pflanzenwurzeln. Die Weibchen legen wenige Eier jeweils einzeln in den Boden ab. Die Larven werden bis zu 30 Millimeter lang. Vor dem Herbst schlüpfen die erwachsenen Käfer, die aber auch bis zum nächsten Frühling in der Erde verbleiben können.

Mediterrane Käferart auch in Schleswig-Holstein

Jungtiere des Trauer-Rosenkäfers sind an der Behaarung zu erkennen (Foto: Katja Schulz )

Auf Wikipedia erfahren wir, dass der Trauer-Rosenkäfer in einigen deutschen Bundesländern selten geworden und stark gefährdet ist (Rote Liste Deutschland: 2. stark gefährdet). Für Schleswig-Holstein kennen wir Nachweise aus dem Jahr 2013 (http://www.naturalis-historia.de/cgi-bin/Seite.pl?Systematisch;Animalia;titel;3; abgerufen am 12.06.2020). Als Schutzmaßnahmen werden die Förderung und Ausweitung naturnaher, extensiver Beweidungsformen, die Erhaltung und der Schutz von Magerrasen, Binnendünen, Mooren und Fließgewässern mit natürlicher Eigendynamik und die Erhöhung des Alt- und Totholzanteils in naturnahen Waldgebieten genannt. Und so gesehen ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass wir den Trauer-Rosenkäfer in artenreichen Kleingärten in Pinneberg, Schleswig-Holstein, gefunden haben.

Der Gebänderte Pinselkäfer (Trichius fasciatus, Linnaeus 1758)
Der Käfer aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) ist 9 bis 12 Millimeter lang. Die schwarze Zeichnung auf den Flügel können farblich sehr unterschiedlich sein. Der Körper ist gelb und weiß behaart. Sein Aussehen ähnelt einer Hummel, was ihn vor Fressfeinden schützt, denn gestochen möchte keiner werden. In Europa sind drei Arten der Gattung (Trichius) beschrieben worden: Trichius fasciatus, Trichius sexualis, Trichius gallicus. Die Artunterscheidung kann anhand des unterschiedlichen Vorderbeines bei Männchen und Weibchen vorgenommen werden.

Der Gebänderte Pinselkäfer ist im Bergland auf Waldlichtungen gebietsweise häufig, im Flachland jedoch eher selten anzutreffen. Er lebt zumeist auf Blüte.

Die Käfer im erwachsenen Zustand ernähren sich von Pollen unterschiedlichster blütentragender Pflanzen: Doldengewächse, Rosen, Thymian und Disteln sowie Brombeersträucher. Die Larven des Gebänderte Pinselkäfers ernähren sich überwiegend von Totholz, wo sie sich auch über ihre Larvenstadien zum adulten Käfer entwickeln.

Spinnentiere - Verwandtschaftsbeziehungen ungeklärt

Die Spinnentiere (Arachnida) bilden mit gut 60.000 bekannten Arten eine Klasse innerhalb der Gliederfüßer (Arthropoda). Zu den Spinnentieren gehören die Webspinnen, aber auch Weberknechte, Geißelspinnen, Skorpione, Pseudoskorpione und Milben (inklusive Zecken). Ihre aus Chitin bestehenden Körper sind in Kopfbruststück und Hinterleib eingeteilt und sie besitzen zudem 4 Paar gegliederte Laufbeine. Die Verwandschaftsbeziehungen innerhalb der Spinnentiere sind noch keineswegs völlig geklärt.

Die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus, Clerck 1757)

Die Gartenkreuzspinne ist die in Mitteleuropa häufigste Vertreterin der Gattung der Kreuzspinnen (Araneus). Sie ist leicht an den hellen, zu einem Kreuz zusammengesetzten Flecken zu erkennen. Die Grundfarbe der Spinne ist sehr variabel, da sie ihre Färbung an die Umgebung anpassen kann. Die Gartenkreuzspinne gehört zu den größeren Spinnen in Deutschland. Sie kann die Körperlänge von bis zu 18 Millimeter (Weibchen) und 10 Millimeter (Männchen) betragen.

Die Gartenkreuzspinne kommt in ganz Mitteleuropa vor. Wir treffen sie in der freien Landschaft, wie zum Beispiel Streuobstwiesen, Kiefernwäldern, Hochmooren und Buchen-Tannen-Wäldern und Waldrändern an. Etwas seltener dafür ist sie in Hecken und Gärten sowie auf Wiesen und Äckern anzutreffen.

Gartenkreuzspinnen ernähren sich von allen Insekten, die sie in ihren Netzen fangen können: Wespen, Hummeln, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge. Die im Netz gefangene Beute wird von der Spinne gebissen und mit einem Sekretband variierender Breite aus den Spinndrüsen umwickelt. Sie dreht die Beute dabei schnell mit ihren Beinen.

Im August beginnt die Paarungszeit. Die Männchen werden dabei häufig von den größeren Weibchen gefressen. Die Männchen spinnen an das Netz des Weibchens einen Bewerbungsfaden und zupfen daran. Das Weibchen erkennt das Männchen am Zupfen. Ist das Weibchen paarungswillig, verlässt es die Netzmitte und begibt sich zu dem Männchen. Die Paarung dauert nur wenige Sekunden und wird meist mehrfach wiederholt. In gelblichen Kokons aus besonders fein gesponnenen Fäden legt das Weibchen im Herbst dann die Eier ab und stirbt. Die Eier überwintern im Kokon, die Jungen schlüpfen im April/Mai, die ausgeschlüpften Tiere überwintern erneut und werden erst im darauffolgenden Jahr geschlechtsreif.

Ohrwürmer - Nützlinge mit schlechtem Ruf

Ohrwürmer (Dermaptera) gehören zu den Fluginsekten. Ihre Vorderflügel sind jedoch zu kurzen, festen Schuppen zurückgebildet. Sie sind leicht an ihren meist deutlich gebogenen, zangenförmigen Hinterleibsanhänge (Cerci) zu erkennen. Diese Insektenordnung ernährt sich teils von weichen Pflanzenteilen und teils von zarthäutigen Insektenarten. Die acht in Deutschland vorkommenden Arten zeigen, neben einem ausgeprägten Balzverhalten, auch eine ausgeprägte Brutpflege. Ihren Namen verdanken sie ihrer medizinischen Anwendung in der Antike gegen Ohrenkrankheiten und Taubheit, dazu wurden sie getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Ihre Zangen sind für den Menschen vollkommen ungefährlich, weshalb der Begriff Ohrenkneifer oder Ohrenkriecher ungerechtfertigt ist. 

Ohrwürmer (Dermaptera, De Geer 1773)

Die Ohrenwürmer sind bis 25 Millimeter lang, der in Australien lebende Riesenohrwurm (Titanolabis colossa) kann bis zu 50 Millimeter lang werden. Ohrenwürmer sind rotbraun, besitzen lange Antennen, am Hinterleibsende eine Zange sowie gelbliche Beine. Ohrenwürmer verfügen zwar über Flügel und Flugmuskulatur, werden aber kaum jemals fliegend beobachtet.

Die Insekten leben in Gärten, Parks und Waldrändern und sind Wärme liebend. Sie sind nacht- bzw. dämmerungsaktiv und verstecken sich am Tage unter Laub, in Baumrinden und unter Steinen oder Blumentöpfen. Ohrenwürmer leben in dunklen Verstecken, wo sie auch ihre Brut pflegen, am Tage sieht man sie meist nicht. Sie sind Nützlinge und fressen Blattläuse, aber auch Pflanzenteile und Obst nur.

Die Tiere sind zwar Allesfresser, bevorzugen aber offenbar Blattläuse, Schmetterlingsraupen und Larven. Daneben stehen Pflanzenteile und auch Blüten auf dem Speiseplan. Obst kann nur angefressen werden, wenn es bereits schadhafte Stellen gibt, da die Schale nicht durchdrungen werden kann. Der bis zu 26 Millimeter große an der Ostsee vorkommende Sandohrwurm (Labidura riparia) ist ein reiner Fleischfresser.

Ohrenwürmer erzeugen generell eine Generation im Jahr und haben ein ausgeprägtes Balzverhalten und Brutpflege. Die Eier und Larven werden in selbst gebauten oder auch natürlichen Höhlungen wie z. B. Baumrinde versteckt, gepflegt, sauber gehalten und zum Teil auch gefüttert. Vögel, Raubinsekten und Spinnen sind die natürlichen Feinde.

Ohrenwürmer sind in Deutschland nicht gefährdet und gelten bei Gartenfreunden als Nützlinge. Insbesondere wenn zu wenig Blattläuse vorhanden sind finden sich ausgefranste Löcher an Blättern oder auch Blüten einiger ausgewählter Pflanzen. Findet man Ohrenwürmer im Obst, so sind sie den Gängen anderer Schädlinge gefolgt. Da der an Pflanzen angerichtete Schaden gering ist, sollten die Tiere in der Natur nicht bekämpft, sondern für geeignete Ruhe- und Nistplätze gesorgt werden. Hierzu kann auch die sogenannte Ohrenkneiferfalle im Garten genutzt werden.

Frühjahrsblüher - die erste Nahrung des Jahres

Frühjahrsblüher oder Frühlingsgeophyten sind Pflanzen mit besonderen Speicherorganen (Zwiebeln, Pflanzenknollen, Rhizome). Sie profitieren im Frühjahr von der Lichteinstrahlung und Wärme direkt über dem Boden, da andere Pflanzen noch keinen Laubaustrieb produzieren. Entfällt dieser Vorteil im Lauf des Jahres, ziehen die Pflanzen ihre oberirdischen Triebe ein, um unterirdisch zu überwintern. Es handelt sich natürlicherweise um eine Anpassung der Pflanzen an den jahreszeitlichen Verlauf sommergrüner Wälder der gemäßigten Klimazone. Man unterscheidet drei Typen von Frühblühern: Geophyten, Hemikryptophyten, Chamaephyten.

Ebenfalls von den Frühblühern im oben genannten Sinne zu unterscheiden sind Pflanzen, die sich an sommertrockene Standorte angepasst haben wie zum Beispiel Narzissen und Tulpen. Die frühe Blütezeit ergibt sich aus der Notwendigkeit, zwischen Winterkälte und Trockenzeit im Sommer zur Frucht- und Samenbildung zu kommen. Hier ist das typische Speicherorgan die Zwiebel, die ihrerseits wieder besondere Schutzmechanismen entwickelt. Der scharfe Geschmack oder gar die Giftigkeit wirkt als Fraßschutz. Das ist notwendig, weil diese Speicherorgane in der Vegetationspause besonders verlockende Nahrungsquellen sind. Die frühesten Frühjahrsblüher, die in deutschen Gärten zu finden sind, sind Winterling und Schneeglöckchen, die im Februar zu blühen beginnen, gefolgt von Krokussen, Zweiblättrigem Blaustern, Netzblatt-Schwertlilie und Narzissen-Wildarten (Nicolaisen 1966).

Frühjahrsblüher werden im Herbst des Vorjahres gepflanzt und dienen somit als Winterbepflanzung z. B. Viola cornuta (Hornveilchen). Die meisten Arten sind wichtige Frühjahrsblüher, die in der Mischpflanzung bestens funktionieren, selbst wenn sie ganz nah an spät austreibenden Gerüst- und Begleitstauden platziert wurden.

Vor allem Frühblüher dienen im zeitigen Frühjahr den Bienen und anderen Insekten als erste wichtige Nahrungsquelle. Gerade völkerbildende Arten wie Honigbienen und Hummeln sind auf Frühblüher angewiesen. Nektar und Pollen sorgen für den Aufbau und die Stabilisierung der Völker in einer schweren Zeit.

Auswahl von Frühjahrsblühern

DNA-Barcoding-Projekt

Monokulturen
Strukturmodell eines Ausschnitts aus der DNA-Doppelhelix (Wikimedia/Michael Ströck)

"Wir haben die Vision, jede Tierart in Minuten bestimmbar zu machen – jederzeit, überall und zuverlässig."

Dieses von 2012 - 2018 laufende Projekt an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) finden wir von „Deutschland summt!“ super. Denn durch die neue Technik und das Zusammentragen der Daten in einer Datenbank wird es für Projekte möglich, Wildbienenarten zu kartieren/ zu bestimmen, auch wenn vor Ort keine ausgewiesenen Experten vorhanden sind.

Das rasante Fortschreiten von Artensterben und Klimawandel begründen die weltweiten Forderungen nach Erhaltung der Biodiversität und machen die Etablierung einer schnellen, zuverlässigen und kosteneffizienten Artidentifikation zu einer globalen Notwendigkeit. Es gilt die Artenvielfalt unseres Planeten so schnell und umfassend wie möglich zu erfassen, damit effektive Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. Diese globale Vision soll im Rahmen des GBOL-Projekts (German Barcode of Life) auf deutschlandweiter Ebene verwirklicht werden. GBOL wird die erste umfassende „DNA-Barcoding“-Gendatenbank der Fauna und Flora Deutschlands erstellen und damit ein leistungsfähiges Expertensystem zur schnelleren Artbestimmung entwickeln. Deutschland reiht sich mit der GBOL-Initiative in konzertierte internationale Aktivitäten zur Erfassung der globalen Biodiversität ein.

Das DNA-Barcoding bietet die Möglichkeit der zeitnahen, kostengünstigen und zuverlässigen Identifizierung tierischer und pflanzlicher Gewebeproben. Diese Bestimmung hilft, Aussagen zu der Art vorzunehmen.

Jeder von uns kennt die industriellen Strichcodes (Barcodes) die jedes Produkt im Handel individuell kennzeichnen. Analog zu diesen Strichcodes sind auch bestimmte kurze Genabschnitte - sogenannte DNA-Barcodes - für jede Art einzigartig. DNA-Barcoding hat sich als globaler Standard zur schnellen und zuverlässigen genetischen Artidentifizierung von Tieren, Pflanzen und Pilzen entwickelt.

Daraus ergeben sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.

So lassen sich ...

  • unbekannte oder schwer identifizierbare Proben bestimmen,
  • Schädlinge in Land- und Forstwirtschaft nachweisen,
  • Menschliche und tierische Parasiten bestimmen,
  • Artbestimmung in Zoos und botanischen Gärten vornehmen,
  • Unter Schutz stehende Arten am Zoll identifizieren,
  • Lebensmittelkontrolle durchführen,
  • biologische Aspekten der Forensik berücksichtigen.

Durchgeführt wird das Projekt an der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM).

Übersicht der teilnehmenden GBOL-Institute, Grafik: GBOL

Finanziell gefördert wird DNA-Barcoding-Projekt (Barcoding Fauna Bavarica) durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

Ansprechpartner:
Dr. Stefan Schmidt
Zoologische Staatssammlung München (ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Deutschland
Tel.: 089 8107-0

Kontakt

Stiftung für Mensch und Umwelt
Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
Hermannstraße 29, D - 14163 Berlin
Tel.: +49 30 394064-310
 

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