Wildbiene des Monats der Stiftung für Mensch und Umwelt

Sandbiene (Bildautorin: Jessica Dumrauf)

In unserer Rubrik "Wildbiene des Monats" wollen wir über die erstaunliche Vielfalt und Vielgestaltigkeit der heimischen Wildbienen berichten. Dabei gehen wir näher auf ihr Vorkommen, Merkmale, Nistweise, Flugzeit und weitere Besonderheiten ein. Wir zeigen auch, wie Sie die vorgestellten Arten unterstützen können. Dabei liegt unser besonderes Augenmerk auf den von den Bienen zur Nahrungsaufnahme oder zum Sammeln von Pollen und anderen Pflanzenmaterialien aufgesuchten Pflanzen.

Wildbiene des Monats Oktober 2018: Die Stahlblaue Mauerbiene

Wildbiene des Monats Oktober 2018: Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens, LINNAEUS 1758)

Im goldenen Oktober endet nicht nur der Sommer, auch unsere diesjährige Reihe der Wildbiene des Monats findet ihr vorläufiges Ende. Bunte Farben sind nicht nur charakteristisch für Blütenpflanzen und Herbstlaubfärbung. So manche hervorstechende Färbung findet sich sogar in der Artbezeichnung im Tierreich wider. Auch unsere heimischen Wildbienen besitzen charakteristische Farbgebungen und Zeichnungen. Deutlich wird dies bei der Rostroten Mauerbiene (Osmia bicornis), Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) oder der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea).

Wenn von unserer Wildbiene des Monats Oktober 2018, der Stahlblauen Mauerbiene (Osmia caerulescens), die Rede ist, bezieht sich die Namensgebung auf die metallisch schimmernde, bläuliche Farbe der Weibchen mit schwarzer Bauchbürste. Sie sind mit 9 bis 10 Millimeter etwas größer als die metallisch glänzenden, orangebraun gefärbten Männchen (8 bis 9mm). Im Feld sind die beiden Geschlechter nicht ohne weiteres zuzuordnen. Ihre deutliche Unterscheidung im Aussehen von Männchen und Weibchen nennt sich Geschlechtsdimorphismus (synonym Sexualdimorphismus). Im Tierreich äußern sich derartige Zweigestaltigkeiten zudem in unterschiedlicher Behaarung, Saisondimorphismus (zum Beispiel beim Landkärtchen) oder Körpergröße (wie auch zum Beispiel beim Hirschkäfer).

Nachweiskarte und Gefährdung der Stahlblauen Mauerbiene in Deutschland

Wir finden die Stahlblaue Mauerbiene in weiten Teilen Eurasiens. Sie kommt von Portugal bis Pakistan und in ihrer Nord-Süd-Ausdehnung nach von Skandinavien bis Nordafrika vor. Zu ihren bevorzugten Lebensräumen gehören Waldsäume und Waldlichtungen, Hecken, Magerrasen, Streuobstwiesen, aufgelassene Steinbrüche sowie Lehm- und Sandgruben. Aber auch im Siedlungsbereich ist die Osmia-Art anzutreffen. Für den Nestbau sucht sie unterschiedlichste Hohlräume auf. Die Stahlblaue Mauerbiene ist Nachnutzerin alter Pelzbienen-Nester in Löss- und Lehmwänden und von Käfer-Fraßgängen in Totholz. Aber auch zahlreiche unterschiedliche Pflanzenstängel werden von ihr aufgesucht. Daher kann man dieser Mauerbiene ab dem Frühjahr mit einer entsprechenden oberirdischen Nisthilfe eine neue Behausung für ihr Eilegegeschäft anbieten (Lochdurchmesser 4 bis 5 Millimeter, mit einer Tiefe von mindestens 10 Zentimeter).

Osmia caerulescens nutzt mehrere oberirdische Nisthabitate

Die Flugzeit der Stahlblauen Mauerbiene erstreckt sich in zwei Generationen von März bis Oktober. Damit nimmt sie einen sehr langen Zeitraum im Artenkalender der mitteleuropäischen Wildbienenfauna ein. Ähnlich lang fliegen zudem auch manche Hummel- und Schmalbienenarten. Bei diesen Wildbienen handelt es sich zumeist um Generalisten, da sie ein ganzjähriges Blühangebot zum Fortbestand ihrer Populationen benötigen. Und so ist auch die Stahlblaue Mauerbiene bei der Nahrungssuche als unspezialisiert (polylektisch) einzustufen. Von den sieben bekannten Pflanzenfamilien ihrer Wahl hat sie eine Vorliebe für Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und Lippenblütler (Lamiaceae), wie zum Beispiel Luzerne (Medicago sativa) und Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca). Zudem sammelt die Stahlblaue Mauerbiene Pollen, Nektar und Baumaterial für ihre Zellwände und Nestverschlüsse an Korbblütlern (Asteraceae), Raublattgewächsen (Boraginaceae), Kreuzblütlern (Brassiceae), Johanniskrautgewächsen (Hypericeae) und Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae).

Eine von vielen - Die Stängel-Düsterbiene besucht als Brutparasit Blüten nur zur Eigenversorgung

Neben dem ausgeprägten Sexualdimorphismus und ihrer langen Flugzeit ist die recht hohe Zahl von Brutparasiten und Schmarotzern auffällig. Dies hängt maßgeblich mit der langen Flugzeit zusammen. So sind neben der Stängel-Düsterbiene (Stelis ornatula), als Kuckucksbiene, auch Keulhornwespen (Sapygidae: zum Beispiel Sapyga clavicornis und Sapyga quinquepunctata), Goldwespen (Chrysididae: zum Beispiel Chrysis sexdentata) und diverse Erdwespen als Nutznießer bekannt. Ihre weite und teilweise häufige Verbreitung verdankt die Stahlblaue Mauerbiene ihrer großzügigen Anpassung an zahlreiche Lebensräume und unterschiedliche Pflanzenfamilien. Ihr gegenwärtiger Status wird als ungefährdet eingestuft. Dennoch sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Flächenfraß durch Wohnraum, Industrie und Infrastruktur sowie falsches Flächenmanagement (Zuschütten und Renaturieren von Steinbrüchen, mangelnder Schutz von Naturschutzgebieten und so weiter) mittlerweile auch Allerweltsarten im Fortbestand bedroht.

Literatur

Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, Haupt Verlag, Bern

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands, 1700 Farbfotos; Ulmer-Verlag; Stuttgart

Die Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens (Linnaeus, 1758)) auf insekten-sachsen.de

Wildbiene des Monats September 2018: Die Heide-Erdhummel

Wildbiene des Monats September 2018: Heide-Erdhummel(Bombus cryptarum, FABRICUS 1775)

Die Heide-Erdhummel beim Nektarsaugen - sie sammelt an einer Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenfamilien Pollen und Nektar

Im Spätsommer widmen wir uns einer Art, die besonders gerne offene Landschaften liebt. Viele Wildbienen- und andere Insektenarten fühlen sich in Heidelandschaften wohl und haben hier ihren Hauptlebensraum. Dies spiegelt sich auch in der Namensgebung vieler Arten wider. Heide-Filzbiene (Epolus cruciger), Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus), Heide-Hummel (Bombus jonellus) und unsere Wildbiene des Monats, die Heide-Erdhummel (Bombus cryptarum), verdeutlichen dies.

In Deutschland sind 41 Hummelarten, inklusive der parasitierenden Kuckuckshummeln, bekannt. Viele davon ähneln sich dabei stark, wie zum Beispiel die Hummelarten mit orangefarbenem Hinterleib (Steinhummel, Distelhummel, Trughummel usw.). Unsere Wildbiene des Monats wird zu einem Komplex von vier sehr ähnlichen Arten zugeordnet. Der sogenannte Bombus-lucorum-Komplex, schließt dabei auch die bekannte Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) mit ein. Die Heide-Erdhummel besitzt zwei schmale goldgelbe Querbinden. Die erste befindet sich auf der Brust, dem sogenannten Thorax, unmittelbar anschließend an den kurzen Kopf. Die zweite ist etwa mittig auf dem zweiten Hinterleibssegment zu finden. Die letzten zwei Einzelsegmente ihres Hinterleibs sind grauweiß gefärbt. Zudem gibt es im unteren Gesichtsfeld meist einige gelbliche Haarbüschel. Die Heide-Erdhummel besitzt, im Gegensatz zu vielen anderen Hummelarten, einen sehr kurzen Rüssel. Die Art ist aufgrund einer mangelnden Datenlage zur Lebensweise und Autökologie (Auswirkungen der Umweltfaktoren auf ein einziges Individuum) nur näherungsweise in einem Steckbrief zu beschreiben. Dennoch sollen die Erkenntnisse hier zusammengetragen werden.   

Nachweiskarte und Gefährdung der Heide-Erdhummel in Deutschland

Die Heide-Erdhummel ist in ganz Europa verbreitet. Ihre Ausdehnung reicht im Norden bis zu den Orkney-Inseln und Nord-Russland. Im Süden ist sie bis nach Süd-Italien und Iran nachgewiesen. Auch in Deutschland ist sie überall zu finden. Aufgrund mangelnder Datenlage und der nahen Artverwandtschaft und Ähnlichkeit mit weiteren Hummelarten ist die Häufigkeit dieser Art allerdings schwierig einzuschätzen. Lediglich in Hessen und Niedersachsen ist ihr Bestand als ungefährdet eingestuft. Einziger konkreter Gefährdungsgrad besteht derzeit in Sachsen (siehe Verbreitungskarte). Die Heide-Erdhummel ist im Offenland, vor allem in Heidelandschaften, auf trockenen Mager- und Fettwiesen, Weiden, an Böschungen und auf städtischen Flächen an Weg- und Straßenrändern, Gärten und Parkanlagen anzutreffen. Im Allgemeinen zeigt sie keine strenge Habitatbindung. 

Achtung - Verwechslungsgefahr! Hier, die Dunkle Erdhummel an einem Nesteingang

Heide-Erdhummeln sind Nachnutzer alter Säugetierbauten (Mäuse, Hamster etc.) und nisten daher meist unterirdisch. Zuweilen findet wir die Völker in Baumhöhlen und verlassenen Nistkästen auch oberirdisch. Die Staatengründung erfolgt durch die überwinterte Jungkönigin, welche bereits im März eine neue Behausung auserwählt. Dadurch, dass die neue Königin bereits im Vorjahr befruchtet wurde, kann sie umgehend nach der erfolgreichen Nestsuche mit der Eiablage beginnen. Dabei weist das Volk in den ersten Wochen nur einige Arbeiterinnen auf. Mit der Zeit stellt die Königin die Verproviantierungsflüge ein und kümmert sich ausschließlich um das Brutgeschäft. Ab Anfang Juli produziert sie daraufhin auch neue Jungköniginnen und Männchen, welche den Fortbestand der nächsten Generation sichern sollen. Ihre Volksgröße erreicht eine maximale Größe von bis zu 150 Individuen. Die Tiere fliegen bis Ende August, mit etwas Glück kann man aber die Jungköniginnen, auf der Suche nach einem Winterquartier, noch Anfang September entdecken.  

Heide-Erdhummeln sind bei ihre Nahrungssuche ausgesprochen anspruchslos. Sie fliegt eine Vielzahl unterschiedliche Pflanzenfamilien an und gilt daher als polylektische Art. Wie bereits erwähnt weist sie starke Ähnlichkeiten zur Dunklen und Hellen Erdhummel auf. Die größte Verwechslungsgefahr besteht allerdings mit der Großen Erdhummel (Bombus magnus), welche äußerlich nahezu identisch ist. Parasitiert wird unsere Wildbiene des Monats von der Böhmischen Kuckuckshummel (Bombus bohemicus) und der Rotschwarzen Kuckuckshummel (Bombus rupestris).

Obwohl die Heide-Erdhummel auch in vielen anderen Lebensräumen außerhalb der großen Heideflächen vorkommen kann, ist sie dort besonders gut angepasst. Wenn dieser Lebensraum verschwinden sollte, wären die viele an den offenen Lebensraum angepassten Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Die Pflege der Heideflächen durch Beweidung und die landwirtschaftliche Nutzung der kargen Böden durch den Menschen schufen eine Kulturlandschaft, die bis heute noch prägend für große Bereiche Mitteleuropas sind. Durch Verbuschung, Eutrophierung, Besiedlung und Bebauung (Folgen daraus sind Verinselung und Aussterben der Populationen) sind allerdings auch diese Gebiete rückläufig und damit auch Arten, wie die Heide-Erdhummel, in ihrem Bestand gefährdet.

Heidelandschaft in Schneverdingen - Diese typische Kulturlandschaft ist ein Lebensraum mit hoher Artenvielfalt

Literatur 

Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Gokcezade, Joseph; Gereben-Krenn, Barbara-Amina & Neumayer, Johann (2017): Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co, Wiebelsheim 55 S., 196 Schemazeichnungen

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Westrich, Paul (2018): Die Wildbienen Deutschlands - 1700 Farbfotos, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart

Wildbiene des Monats August 2018: Die Zahntrost-Sägehornbiene

Wildbiene des Monats August 2018: Zahntrost-Sägehornbiene(Melitta tricincta, KIRBY 1802)

Zahntrost Sägehornbiene (Weibchen) beim Nektarsaugen am Gelben Zahntrost (Odontites lutea)

Auch im Hochsommer ist reichlich Flugbetrieb bei unseren heimischen Wildbienen. Dazu zählt auch die von August bis September fliegende Zahntrost-Sägehornbiene. Unsere ausgewählte „Wildbiene des Monats“ ist mit ihren 10 bis 12 Millimeter Körperlänge in etwa so groß wie eine Arbeiterin der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Die Fühlerglieder der Männchen haben einen für die Bienengattung Melitta typisches sägeartiges Aussehen, was sich auch in der deutschen Namensgebung widerspiegelt. Der schwarze Körper ist durch schmale, weiße Hinterleibsbinden an den Enden der Hinterleibsegmenten, den Tergiten-Enden gekennzeichnet.

Nachweiskarte und Gefährdung der Zahntrost Sägehornbiene in Deutschland

Die Zahntrost-Sägehornbiene ist eine echte Europäerin. Man findet sie von Portugal bis zum östlichsten Teil des europäischen Russlands. Im Norden erreicht ihre Verbreitung England und Schweden. Ebenfalls bekannt sind Vorkommen auf Sizilien und Bulgarien. In Deutschland ist sie weit verbreitet, aber selten. In allen Bundesländern ist sie mit einem unterschiedlichen Gefährdungsgrad in der Roten Liste der bedrohten Tierarten aufgeführt (siehe Verbreitungskarte). Neben Brach- und Ruderalflächen finden wir mitunter größere Bestände in Sand, Kies- und Lehmgruben, an sonnenbeschienenen Dämmen, Magerrasen, Feuchtwiesen und extensiv genutztem Grünland. Die Wahl ihres Lebensraumes ist dabei stets an ausreichend große Bestände vom Zahntrost (Odontites, Orobanchaceae) gebunden.

Die solitär lebende Wildbienenart hat beim Nestbau keinerlei Präferenzen für das Bodensubstrat. Auch im Deckungsgrad der Vegetation ist sie variabel und nutzt schütter bis dicht bewachsene Flächen mit unterschiedlicher Neigung. Ähnlich wie bei Sandbienen (Andrena), bestehen ihre Nester aus einem Hauptgang mit mehreren Seitengängen, die in Brutzellen enden. Die einzelnen Brutkammern werden mit einer dünnen wachsartigen Substanz ausgekleidet.

Darstellung der Futterpflanze von Melitta tricincta - links Roter Zahntrost (Odontites rubra), rechts Gelber Zahntrost (Odontites lutea)

Bei der Nahrungsaufnahme ist unsere Sägehornbiene äußerst wählerisch. Die streng oligolektische Wildbienenart sammelt einzig und allein an der Pflanzengattung des Zahntrosts (Odontites). In Deutschland sammelt sie Pollen und Nektar am Roten Zahntrost (Odontites rubra) und am Gelben Zahntrost (Odontites luteus). Vermutlich sind alle heimischen Sägehornbienen auf bestimmte Pflanzengattungen beziehungsweise Pflanzenarten spezialisiert (hierzu besteht noch großer Forschungsbedarf). Ohne den Zahntrost kann also unsere „Wildbiene des Monats“ ihre Nachkommen nicht versorgen. Interessant ist auch die Lebensweise des Zahntrostes selbst: Diese halbparasitierende Pflanzengattung wächst mittels spezieller Saugorgane in benachbarte Pflanzenwurzeln ein. Nachdem sie sich mit dem Leitgewebe (Xylem) anderer Pflanzen verbunden hat, gelangt sie an dessen Nährstoffe und Wasser.

Luzerne-Sägehornbienen Schlafgesellschaft (Männchen) an dürrem Artemisia-Stengel

Das Aussehen von Sägehornbienen (Melitta) erinnert stark an Sandbienen (Andrena), doch gibt es feine, nur beim näheren Hinsehen auch erkennbare Unterschiede: dazu gehören (a) die fehlende Haarlocke an den Hinterbeinen, (b) das Ausbleiben der neben den Facettenaugen befindlichen behaarten, flachen Grube, der Fovea facialis,  bei den Weibchen und (c) die längeren Fühler der Männchen. Die schnell fliegenden Männchen schlafen allein oder in Gemeinschaften echter Männer-Wohngemeinschaften in Blüten oder auf anderen Pflanzenteilen.

Auch unsere wählerische „Wildbiene des Monats“, die auf eine spezialisierte Pflanzengattung angepasst ist, wird selbst parasitiert. Die schmarotzende Greiskraut-Wespenbiene (Nomada flavopicta) sammelt dabei ihren Nektar erstaunlicherweise nicht am Zahntrost, sondern überwiegend am Greiskraut (Senecio).

In Deutschland sind nur sechs Melitta-Arten bekannt. Folgende Arten sind noch relativ weit verbreitet: Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis), Luzerne-Sägehornbiene (Melitta leporina) und Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans). Auch diese Nahrungsspezialisten werden ebenfalls von der Greiskraut-Wespenbiene parasitiert.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Wildbiene des Monats Juli 2018: Die Bärtige-Kuckuckshummel

Wildbiene des Monats Juli 2018: Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus, KIRBY 1802)

Bombus barbutellus (Männchen) beim Nektarsaugen an einer Flockenblume (Centaurea)

Im Sommermonat Juli widmen wir uns erneut einer Kuckucksbiene. Die Bärtige Kuckuckshummel besitzt einen kurzen rundlichen Kopf mit schwarzen Haarbüscheln an ihren Mundwerkzeugen (Mandibeln). Diese verhalfen ihr zur deutschen Namensbezeichnung. Für die Weibchen ist folgende Körperzeichnung charakteristisch: dunkelgelbe Querbinden, unterbrochen von einer schwarzen Binde in der Mitte und einem abschließenden weißen Hinterteil. Sie sind mit bis zu 19 Millimeter etwas größer als die Männchen (Drohn) mit maximal 16 Millimeter. Aufgrund ihrer schmarotzenden Lebensweise in anderen Hummel-Kolonien braucht diese kurzrüsselige Hummelart keine Pollenkörbchen (Corbicula), um Pollen zu sammeln.

Nachweiskarte und Gefährdung der Bärtigen Kuckuckshummel in Deutschland

Die Verbreitung von Bombus barbutellus erstreckt sich über weite Teile Europas bis in die Südtürkei, das Kaukasus-Gebirge und die Mongolei. Ihre nördliche Ausdehnung zieht sich bis Irland und Nord-Schottland, Schweden und Finnland. Die Untergattung der Kuckuckshummeln (Psithyrus), innerhalb der Gattung der Hummeln (Bombus), ist in Mitteleuropa durch neun verschiedene Arten vertreten. Eine davon ist die Bärtige Kuckuckshummel, die in Deutschland weit verbreitet und aus den meisten Bundesländern gemeldet ist. Lediglich in Berlin und Brandenburg gilt sie als ausgestorben beziehungsweise verschollen (siehe Verbreitungskarte). Ihr Vorkommen hängt unmittelbar mit der ebenfalls weiträumig auftretenden Hauptwirtin, der Gartenhummel (Bombus hortorum), zusammen. Bevorzugte Habitate sind Waldsäume, Streuobstwiesen, Hecken, extensiv genutzte Mager- und Fettwiesen, Hochwasserdämme, Brach- und Ruderalflächen. Auch im Siedlungsbereich ist sie anzutreffen.

Typisches Erdnest von Gartenhummeln (Bombus hortorum)

Die Flugzeit der im Vorjahr befruchteten Altkönigin beginnt in unseren Breiten im April und erstreckt sich bis in die letzten Julitage. Die neue Generation von Jungköniginnen und Männchen fliegt ab Anfang Juli. Das überwinterte Weibchen „schmuggelt“ sich im Frühjahr in das Nest einer anderen Hummel, zumeist einer Gartenhummel. Nur wenn die Entwicklung des zu besetzenden fremden Hummelvolkes noch nicht zu weit fortgeschritten ist, kann das Unterfangen der „feindlichen Übernahme“ durch die Kuckuckshummel gelingen. Dazu muss die Schmarotzerhummel den genau richtigen Zeitpunkt abpassen, in das fremde Nest einzudringen und ihr Vorhaben erfolgreich abzuschließen. Folgendermaßen muss es laufen: Wenn die Wirtskönigin noch keine eigene Brut betreut, aber die Kuckuckshummel schon in das Nest eindringen würde, ließe die Wirtskönigin das Nest unvermittelt zurück. Käme die Kuckuckshummel aber zu einem zu späten Zeitpunkt, wie beispielsweise im Reifestadium der Hummelkolonie, sieht sich die Kuckuckshummel mit einer Übermacht von Arbeiterinnen konfrontiert, die sie aus dem Nest hinausdrängen würden. Auch hier könnte sie keine Kuckuckseier mehr dazulegen. Daher ist der ideale Zeitpunkt für die Kuckuckshummeln dann gegeben, wenn die ersten Arbeiterinnen der Wirtshummel geschlüpft sind und die Wirtskönigin selbst auf Nahrungssuche außerhalb des Nestes ist, also das Eindringen der Kuckuckshummel nicht wahrnimmt. Übrigens nutzt die Kuckuckshummel einen Trick, keinen fremden Geruch im Nest zu hinterlassen. Sie nimmt den Geruch des zu annektierenden Nestes dadurch an, in dem sie sich fest an die Waben des Wirtes drückt. Da die Kuckuckshummel kein eigenes Wachs produzieren kann, ihr fehlen die Wachsdrüsen, nutzt sie das Wachs der Wirtshummel für ihre eigenen Zwecke. In diesen neuen, von der Kuckuckshummel gebauten Zellen legt sie ausschließlich ihre eigenen Drohnen- und Kuckuckshummel-Königinneneier. Die Arbeiterinnen der Wirtshummel nun übernehmen die Aufzucht der fremden Nachkommenschaft.

Bevorzugte Nektarpflanzen der Bärtigen Kuckuckshummel

Opfer dieser Lebensweise ist ihr bereits erwähnter Hauptwirt, die Gartenhummel (Bombus hortorum) sowie möglicherweise die Feldhummel (Bombus ruderatus). Als Nahrungsgrundlage für ihre Nachkommenschaft dienen die verproviantierten Zellen ihres Wirtsvolkes und die Tätigkeiten dieser Arbeiterinnen. Zur Eigenversorgung benötigen die Kuckuckshummel selbst daher lediglich Nektar. Die Männchen der Bärtigen Kuckuckshummel ernähren sich meist vom Nektar der Flockenblumen, Skabiosen und Disteln. Die Weibchen hingegen bevorzugen Löwenzahn.

Zur Paarung verlassen die Jungköniginnen das okkupierte Nest um sich in der Folge ein geeignetes Winterquartier zu suchen. Da Kuckuckshummeln nicht selbstständig brüten können, sind sie abhängig von ihren Artverwandten, den Wirtshummeln. Das Verhalten von Kuckuckshummeln mag niederträchtig erscheinen, ist jedoch vorrangig Ausdruck für die vielfältigen Anpassungsstrategien und die Artenvielfalt unserer heimischen Bienenfauna. Diese gilt es nicht nur zu bestaunen, sondern auch nachhaltig zu schützen. Da die Verbreitungsgebiete der Kuckuckshummeln kleiner sind als die ihrer Wirte, sind Kuckuckshummeln auch häufiger vom Aussterben bedroht und somit insgesamt seltener.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Wildbiene des Monats Juni 2018: Die Pracht-Trauerbiene

Wildbiene des Monats Juni 2018: Pracht-Trauerbiene (Melecta luctuosa, SCOPOLI 1770)

Schlafende Pracht-Trauerbiene (Melecta luctuosa) an einem Pflanzenstängel

Im Juni ist Hochsaison für unsere heimischen Wildbienen. Die dunkle Wildbiene des Monats beendet allerdings zur Zeit der Sommersonnenwende schon ihren Lebenszyklus. Die zu den Echten Bienen (Apidae) gehörenden parasitierende Gattung der Trauerbienen verdankt ihren Namen der überwiegend trist wirkenden schwarzen Behaarung. Die Pracht-Trauerbiene besitzt zudem eine charakteristische schneeweiß-fleckige Körperzeichnung an Hinterleib (Abdomen) und Beinen, was ihr auch den Namen Weißfleckige Trauerbiene einbrachte. Ihr Kopf und Rücken (Thorax) sind teils grau und schwarz gefärbt. Sie passt somit ihrem Äußeren nach nicht in das gewohnte Erscheinungsbild einer Biene. Ihre Körperlänge von 12 – 14mm entspricht in etwa der Größe einer Arbeiterin der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera).

Schwindender Lebensraum: Sandgrube in Berlin Grundewald

Weltweit finden sich etwa 60 Arten der Gattung Melecta, wovon in Deutschland lediglich zwei Wildbienenarten vertreten sind. Neben ihrem Verbreitungsgebiet in Nordafrika findet sich die Wildbienenart von Süd- und Mitteleuropa bis nach Moskau, Nordiran und Teilen der Amurregion. Auch in Deutschland ist sie recht weit verbreitet, dabei aber recht selten. Sie bevorzugt neben Waldsäumen und Hecken auch Steilwände und Abbruchkanten in Sand-, Kies- und Lehmgruben. Auch Hohlwege werden gern besiedelt, da sich hier die Nester ihrer Wirte befinden. Wie auch bei anderen Kuckucksbienen üblich, fliegt unsere Trauerbiene parallel zur Flugzeit ihrer Wirte (April bis Juni/Juli).

Hauptwirt Anthophora aestivalis am Nesteingang / Geöffnete Brutzelle in Steilwand

Entgegen dem Verhalten anderer Kuckucksbienen verschaff sie sich auch zu bereits verschlossenen Brutzellen, durch das Aufbeißen der Zellwände, Zugang. Nach dem Einbruch erfolgt die Eiablage und das Verschließen der Brutzellen mit körpereigenen Sekreten und Erde. In den annektierten Zellen des Wirtes überwintert die Brut von Melecta luctuosa als voll entwickelte Biene. Opfer dieser Lebensweise sind Pelzbienenarten wie ihr Hauptwirt die Gebänderte Pelzbiene (Anthophora aestivalis) und weitere wie Haarschopf-Pelzbiene (Anthophora crinipes), Schornstein-Pelzbiene (Anthophora plagiata) oder Rotbürstige Pelzbiene (Anthophora retusa). Als Nahrungsgrundlage für ihre Nachkommenschaft dienen die verproviantierten Zellen ihrer Pelzbienenwirte. Zur Eigenversorgung benötigen sie daher lediglich Nektar.

Nachweiskarte und Gefährdung der Pracht-Trauerbiene in Deutschland

Verwechslungsgefahr besteht mit der ebenso schwarz, weiß und grau gefärbten Wildbienengattung der Fleckenbienen (Thyreus). Diese zur Familie der Megachilidae gehörenden Bienen fliegen jedoch später im Jahr als unsere Pracht-Trauerbiene. Aufgrund ihrer parasitierenden Lebensweise an seltenen Pelzbienenarten wird auch M. luctuosa auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Die starke Anpassung an die Lebensweise ihrer Wirte zeigt, wie fein abgestimmt und hoch spezialisiert das Zusammenwirken in den natürlichen Lebenszyklen unserer heimischen Wildbienenfauna sein kann.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Wildbiene des Monats Mai 2018: Die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene

Wildbiene des Monats Mai 2018: Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens, Viereck 1916)

Die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens) an ihrer Hauptpollenquelle

„Alles neu macht der Mai“, so heißt es im Liedtext von Hermann Adam von Kamp. Dies gilt ebenso für unsere kleine, ab Ende April fliegende Wildbiene des Monats Mai. Die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene verdankt ihren Namen dem speziellen Sammelverhalten: Sie sucht ausschließlich Nektar und Pollen am Ehrenpreis (Veronica). In Mitteleuropa fliegt sie hauptsächlich auf den Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys, Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae)). Dort findet sie ihre Hauptpollenquelle vor.

Auffällig ist ihre metallisch blau bis grünlich schimmernde Körperoberfläche und der bei den Männchen weiß gefärbte Kopfschild. Durch diese Merkmale hebt sich die kleine Andrena-Art gut sichtbar von der bläulichen Futterpflanze ab. Die im Frühjahr fliegende Wildbienenart ist zwischen 6 und 8 Millimeter groß.

Nachweiskarte und Gefährdung der Blauen Ehrenpreis-Sandbiene in Deutschland

Ihre Verbreitung findet die Sandbiene in Süd- und Mitteleuropa. Dabei verläuft die nördliche Grenze ihres Verbreitungsgebiets durch Deutschland vom nördlichen Ostdeutschland in südwestlicher Richtung durch das mittlere Westdeutschland. Es finden sich auch wenige Nachweise dieser Art in Schleswig-Holstein. Insgesamt ist Andrena viridescens deutlich öfter im Süden als im Norden der Republik zu finden (Siehe Karte).

Die heimische Wildbienenart gräbt ihre Brutgänge selbstständig in Offenlandschaften mit einer Vorliebe für freie Flächen aus sandigen, löss- oder lehmhaltigen Substraten. Dabei nutzt sie trockenes Grünland, Ruderalflächen, Sandgruben und Waldsäume als Habitate für ihre Nachkommenschaft. Die Solitärbiene nistet dabei einzeln aber zuweilen auch in kleinen Aggregationen. In ihrer Nistplatzwahl ist sie durch ihre Nahrungsspezialisierung streng limitiert.

Heimisches Wegerichgewächs: Der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)

Stark mit den Blühzeiten vom Ehrenpreis (April bis Juli) synchronisiert ist demnach auch die Flugzeit von Ende April bis in den Juni hinein. Der bodendeckende heimische Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) bietet neben weiteren Sandbienenarten auch Fliegen und Schmetterlingsraupen (Maivogel, mehrere Scheckenfalter) reichlich Nahrung. Die Ehrenpreis-Wespenbiene (Nomada atroscutellaris) ist die einzig bekannte parasitierende Kuckucksbiene. Sie hat daher auch eine ähnliche Verbreitung wie die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene. In Deutschland wird die Sandbiene auf der Vorwarnliste der gefährdeten Wildbienenarten geführt. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist sie allerdings vom Aussterben bedroht. Auch in Brandenburg und Thüringen ist sie mittlerweile stark gefährdet.

„… duftend prangen Flur und Hain“ ist eine weitere Beschreibung des Wonnemonats Mai im Liedtext Adam von Kamps. Diese Zeilen ländlicher Idylle sind mittlerweile 200 Jahre alt und wiedersprechen vielerorts der Realität. Landschaften mit artenreicher Blütenpracht natürlichen Bewuchses fehlen oft, weshalb besonders spezialisierte (oligolektische) Wildbienenarten, wie unsere Wildbiene des Monats Mai, zu den stark gefährdeten Insekten in Deutschland zählen.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Wildbiene des Monats April 2018: Die Schwarzbeinige Rippensandbiene

Wildbiene des Monats April 2018: Schwarzbeinige Rippensandbiene (Andrena bimaculata, Kirby 1802)

Weit verbreitet jedoch selten anzutreffen - Die Schwarzbeinige Rippensandbiene

Unsere Wildbiene des Monats ist auch unter dem Namen ´Zweifleck Erdbiene´ bekannt. Diese Bezeichnung verdankt sie den zwei rötlichen Flecken (=bi-maculata) auf der Unterseite ihres Hinterleibs (Abdomen). Zudem sind ihre komplett schwarzgefärbten Hinterbeine charakteristisch für ihr Erscheinungsbild. Die frühfliegende Wildbienenart ist zwischen 11 und 14 mm groß und somit etwas kleiner als die Westliche Honigbiene (Apis mellifera).

Sie ist vornehmlich von Süd- bis Mitteleuropa anzutreffen, aber auch in der Ukraine und Süd-Russland bis in die Mongolei zu finden. In Teilen Großbritanniens, Dänemark und Südschweden erreicht sie ihre nördlichste Ausdehnung. Hierzulande ist sie nahezu bundesweit verbreitet. Die Datenlage ist dennoch gering. Sie wird in weiten Teilen ohne aktuellen Nachweis geführt, was insbesondere für Nord-Deutschland der Fall ist (siehe Verbreitungskarte).

Neben sandigen Substraten benötigen Sandbienen vor allem Offenlandschaften

Die Wildbienenart  bevorzugt als Kinderstube sandiges Substrat. Und so gehören Sandheiden, Sand- und Kiesgruben aber auch Weinberge zu ihren bevorzugten Lebensräumen. Nachdem sie einen Nistplatz ausfindig gemacht hat, gräbt die Sandbiene verzweigte Gänge mit bis zu drei Brutkammern ins lockere Erdreich. Dabei bildet sie keine Brutkolonien wie etwa die Frühlings-Seidenbiene Colletes cunicularius (unsere Wildbiene des Monats März 2018), sondern nistet einzeln. Sie ist somit eine echte Vertreterin für die Vielzahl heimischer Solitärbienen. 

Eine Besonderheit im Lebenszyklus der Schwarzbeinigen Rippensandbiene ist ihre Flugzeit, welche sich über zwei Generationen (bivoltin) innerhalb eines Jahres erstreckt. Im Frühjahr erscheint die erste Generation ab Ende März und Anfang April. Diese Generation fliegt bis etwa Ende Mai. Die zweite Generation kann dann je nach Witterung Ende Juni und kann bis Ende August gesichtet werden.   

Andrena bimaculata bezieht Pollen und Nektar von fünf Pflanzenfamilien

Ihre Nahrung sucht die Sandbiene an fünf unterschiedlichen Pflanzenfamilien. Die bisher nachgewiesenen Pollen und Nektarquellen verteilen sich auf Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae), Kreuzblütler (Brassicaceae), Rosengewächse (Rosaceae), Weidengewächse (Salicaceae) und Lindengewächse (Tiliaceae). Der Blütenbesuch ist entsprechend jahreszeitenabhängig, weshalb die erste Generation auf frühblühende Weiden und die zweite Generation auf spätblühende Pflanzenarten, wie etwa Winterlinde (Tilia cordata) angewiesen ist.

Nachweiskarte und Gefährdung der Schwarzbeinigen Rippensandbiene in Deutschland

Wie viele andere Wildbienenarten bleibt auch Andrena bimaculata nicht von Schmarotzern bzw. brutparasitierenden Wildbienen verschont. Sie und andere Sandbienen-Arten dienen der parasitierenden Gelbfühler-Wespenbiene (Nomada fulvicornis) als Wirt, welche ebenfalls in zwei Generationen über das Jahr vorkommt. Auch wenn die Schwarzbeinige Rippensandbiene für Deutschland insgesamt „nur“ auf der Vorwarnliste geführt wird, zeigt doch die Übersichtskarte, dass sie in vielen Bundesländern bereits ausgestorben oder unmittelbar davon bedroht ist. In ihrem Bestand ist sie insgesamt im Rückgang begriffen und somit - wie fast die Hälfte aller heimischen Wildbienenarten - gefährdet. Durch entsprechendes Futterangebot und Strukturen im Garten, auf dem Balkon oder in öffentlichen Grünanlagen können wir Bürgerinnen und Bürger einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt von Wildbienen leisten.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Wildbiene des Monats März 2018: Die Frühlings-Seidenbiene

Wildbiene des Monats März 2018: Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius, Linnaeus 1761)

Frühlings-Seidenbienen bei der Verpaarung

Sie ist neben einer Handvoll Sandbienenarten, wenigen Mauerbienen und Hummeln eine der ersten im Jahr und läutet offiziell die Bienensaison ein. Die Frühlings-Seidenbiene ist mit bis zu 15 Millimetern Körpergröße die größte heimische Seidenbienenart. Dabei verfügt sie über einen schwarz grundierten und rötlich-braun gefärbten Brustteil (Thorax) und ein dunkles deutlich segmentiertes Hinterteil (Abdomen) mit gräulicher Bindenzeichnung. Das Männchen ist deutlich kleiner und heller gefärbt als die Weibchen. Die Männchen schwirren bei entsprechender Witterung bereits ab Ende Februar ungeduldig nahe über dem Erdboden und warten auf das Erscheinen der Weibchen.

Nachweiskarte und Gefährdung der Frühlings-Seidenbiene in Deutschland

Die Art ist in fast ganz Europa und weiten Teilen Asiens beheimatet. Ihre natürliche Verbreitungsgrenze findet sie erst im nördlichsten Teil Skandinaviens. Im asiatischen Raum reicht ihre Ausbreitung bis nach Nordchina. Auch in Deutschland ist sie zu finden und aus allen Bundesländern gemeldet. Die Einsiedlerbiene ist zwar verbreitet aber nicht häufig und gilt allgemein als nicht gefährdet. Lediglich in Sachsen ist sie mit dem Gefährdungsgrad 3 auf der Roten Liste gefährdeter Arten gemeldet. Auch in Sachsen Anhalt ist eine Gefährdung anzunehmen, weshalb sie mittlerweile auf der Vorwarnliste geführt wird. Colletes cunicularius ist im Allgemeinen auf sandige und sandig-lehmige Substrate angewiesen. Sie lebt daher als absolute Pionierart in Sand- und Kiesgruben, Flussauen, Dünen und Hochwasserdämmen vom Flachland bis ins höher gelegene Hügelland.

Männliche Frühlings-Seidenbiene im Hauptgang des Nestes

Wie ¾ aller Wildbienenarten in Deutschland nistet auch die Frühlings-Seidenbiene unterirdisch. Dies tut sie zumeist in größeren Kolonien (Aggregationen) mit teilweise mehreren 100 Nestern. Dabei errichtet sie einen bis zu 30 Zentimeter, selten bis zu 50 Zentimeter, tiefen Hauptgang im Erdreich. Die davon abgehenden Seitengänge enden jeweils mit einer Brutzelle, wobei bis zu sechs Brutzellen angelegt werden. 

Entgegen der Flugzeiten ihrer Gattungsgenossen, die im Sommer und Herbst fliegen (Efeu-Seidenbiene - Wildbiene des Monats Oktober 2016), ist die Frühlings-Seidenbiene nach dem Schlupf der Männchen im Februar bereits ab Mitte März unterwegs. Wie andere sehr früh fliegende Bienenarten überwintert unsere Wildbiene des Monats als voll entwickeltes Insekt (Imago) in der Brutzelle. Die Flugzeit erstreckt sich bis etwa Ende April/Anfang Mai, wobei in diesem Zeitraum lediglich eine Generation aufkommt.

Pollenbeladene Honigbiene (Apis mellifera) bei der Nahrungsaufnahme an einer Grau-Weide (Salix cinerea)

Ihre Nahrungsquelle bezieht die Seidenbiene ausnahmslos von Weidenarten (Salicaceae). Eine besondere Vorliebe hat sie für Salweide (Salix caprea) und Grauweide (Salix cinerea) entwickelt. Daher ist sie eher als spezialisiert einzustufen und wie viele andere frühfliegende Insekten auf das Vorkommen von Weiden und andere früh blühende Pflanzenarten angewiesen.

Wie eine Vielzahl unserer Wildbienen wird auch die Frühlings-Seidenbiene von einer Kuckucksbienenart parasitiert. Die Riesen-Blutbiene (Specodes albilabris) mit ihrem auffälligen glutroten Hinterteil schmarotzt zudem bei zwei Furchen- und einer Schwebebienenart. Durch Ihre äußerlichen Merkmale besteht eine gewisse Verwechslungsgefahr mit der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera), welche jedoch anhand des stärker behaarten Pollensammelapparates unterschieden werden kann. Die friedlichen Seidenbienen geben den Startschuss für das Bienenjahr. Damit dies so bleibt benötigen sie zu ihrem Erhalt offene Sandflächen und ausreichend Weidenbestände.

Literatur 

Scheuchl, Erwin, & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co; Wiebelsheim

Bellmann, Heiko, & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos - Naturführer, Nestbau, Brutpflege, Staatenbildung - die besonderen Verhaltensweisen der Hautflügler

Fockenberg, Volker (2005): Biologie, Ökologie und Verhalten von Colletes cunicularius

 

Wildbiene des Monats Oktober 2017: Die Blauschwarze Holzbiene

Wildbiene des Monats Oktober 2017: Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea, Linnaeus 1758)

Blauschwarze Holzbiene im Anflug auf eine Nisthilfe

Der Herbst ist die richtige Zeit um Blühgehölze zu pflanzen. Eine Wildbiene die sich besonders gut mit Gehölzen auskennt ist unsere Wildbiene des Monats – die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea). Ihre Verbreitung findet sie in Nordafrika und Eurasien, von Portugal bis in den Kaukasus und Zentralasien. Im Norden stößt sie bis nach England und Schweden vor.

Die bis zu 28 Millimeter große Blauschwarze Holzbiene ist unsere größte heimische Bienenart. Durch ihren einheitlichen schwarzen Körper und eine kurze schwarze Behaarung wird sie oft als Käfer wahrgenommen. Ihre vier auffällig violett metallisch glänzenden Flügel kennzeichne sie jedoch eindeutig als Wildbiene. Die Farbgebung der Flügel spiegelt sich auch in ihrer wissenschaftlichen Artbezeichnung violacea (dt. violett) wider.  

Blauschwarze Holzbiene bei der Nahrungsaufnahme an einer Vogel-Wicke (Vicia cracca)

Xylocopa violacea liebt vor allem trockenwarme Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung. Streuobstwiesen, Weinberge und Nistgelegenheiten im Siedlungsbereich sucht sie vom Flachland bis in die montane Höhenstufe auf. Man findet sie vor allem in naturnahen Gärten und strukturreichen Landschaften mit einem reichen Angebot an Trachtpflanzen. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Wildbienenarten, die alte Fraßgänge anderer Insekten in mürbem Holz nutzen (z.B. Blattschneider- und Mauerbienen), ist die Blauschwarze Holzbiene selbst die Architektin und Bauherrin. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen (Mandibeln) nagt sie Hohlräume in abgestorbenes altes Holz. Auch hohle Pflanzenstängel mit entsprechendem Durchmesser werden als Nistplatz genutzt. Ihre Brutzellen ordnet sie linear in horizontalen und vertikalen Nistgängen an. Die Wände der jeweiligen Brutkammern bestehen aus mit Sekreten vermischten Holzpartikeln. Das Baumaterial ist ein Gemisch aus Holzspänen, Mark, Speichel und Nektar. 

Sie fliegt in einer Generation (univoltin) über einen der längsten Lebenszyklen unserer heimischen Bienenfauna überhaupt. Von Februar/März bis in den Oktober hinein kann man sie beobachten. Somit ist sie neben einer Handvoll Furchen- und Seidenbienen-Arten (z.B. Efeu Seidenbiene - Wildbiene des Monats 2016) eine der letzten Wildbienen der Saison. Weibchen und Männchen erscheinen ab dem Spätsommer und überwintern.

Nahaufnahme der Blauschwarzen Holzbiene

Die Große Holzbiene ist als polylektische Art einzuordnen. Sie ist zwar keine absolute Generalistin wie z.B. die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes Wildbiene des Monats Mai 2017), nutzt aber immerhin Pollen von vier Pflanzenfamilien: Korbblütlern (Asteraceae), Raublattgewächsen (Boraginaceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und Lippenblütlern (Lamiaceae).

Neben der Kleinen (Xylocopa iris) und der Schwarzfühler-Holzbiene (Xylocopa valga) ist sie die einzige heimische Holzbienenart. Die Schwarz-Gelbe Keulenwespe (Polochrum repandum) parasitiert die Blauschwarze Holzbiene. In Deutschland ist sie in allen Bundesländern, außer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, verbreitet. Dabei gilt sie in Baden Württemberg jedoch als stark gefährdet. Ihre Verbreitung Richtung Norddeutschland kann erst seit den letzten Jahren beobachtet werden.

Wildbiene des Monats September 2017: Die Stumpfzähnige Zottelbiene

Wildbiene des Monats September 2017: Stumpfzähnige Zottelbiene (Panurgus calcaratus, Scopoli 1763)

Stumpfzähnige Zottelbiene (Panurgus calcaratus) auf Kleinem Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Der Name dieser Gattung geht auf die struppige Behaarung, insbesondere der zottigen Behaarung der Hinterbeine der Weibchen zurück. Die Stumpfzähnige Zottelbiene findet ihre Verbreitung in Nordafrika und auf der eurasischen Landmasse von Portugal und der Nordtürkei bis zum Mittelsibirischen Bergland. In nördlicheren Breiten kann man sie bis Südengland, Wales und Skandinavien beobachten.

Diese 7-9 Millimeter kleine schwarze Bienenart besitzt vergleichsweise wenig Behaarung. Die weiblichen Exemplare unterscheiden sich durch eine lange gelbe Beinbürste von ihren männlichen Artgenossen. Die Artbezeichnung  „calcaratus“ beschreibt den „sporntragenden“ Fortsatz an den Beinen der Männchen. Durch ihre glänzende Schwarzfärbung kann sie leicht mit Sandbienen (Andrena) verwechselt werden.

Blütenstand Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), blüht von Mai bis Oktober

Denn wie diese, bevorzugt auch unsere Wildbiene des Monats sandige oder lehmige Böden für ihren Nestbau (Sand- und Kiesgruben). Dabei nistet sie solitär oder kommunal  auf kahlen oder nur leicht bewachsenen Flächen. Bisweilen sucht sie sich auch geeignete Stellen in Steilwänden. Neben Hochwasserdämmen und Weinbergen errichtet diese Zottelbiene ihr Domizil in Waldsäumen, Magerwiesen sowie Brach- und Ruderalflächen.  Panurgus calcaratus fliegt in einer Generation vom Juni bis in den September hinein. Ihre Nesteingang wird stets von einem Erdhaufen umgeben. Dieser Hauptgang verzweigt sich in der Tiefe in bis zu fünf Seitengänge. Die Brutzellen liegen somit in einer maximalen Tiefe von 25cm und dienen als Winterquartier für die Nachkommen. Die Seiteneingänge werden daher mit Sand verfüllt, um die Ruhlarven zu schützen.

Die Stumpfzähnige Zottelbiene ist, wie ihre Verwandten, oligolektisch auf Korbblütler (Asteraceae). Dabei sammelt sie ihren Pollen fast ausschließlich von Arten der Zungenblütler (Cichorioideae). Besonders angetan haben es ihr Gewöhnliches Bitterkraut  (Picris hieracioides), dass Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella) und Doldiges Habichtskraut  (Hieracium umbellatum).  Damit ist sie, wie viele Wildbienenarten, hochspezialisiert was die Nahrungsbeschaffung betrifft.

Die Stumpfzähnige Zottelbiene wird von der Schwarzfühler-Wespenbiene (Nomada fuscicornis) parasitiert. Weltweit sind nur 40 Arten bekannt, wobei lediglich drei Arten in Mitteleuropa vorkommen. Weitere Vertreter sind die Große Zottelbiene (Panurgus banksianus) und die Spitzzähnige Zottelbiene (Panurgus dentipes).

 

Wildbiene des Monats August 2017: Die Rotbeinige Furchenbiene

Wildbiene des Monats August 2017: Die Rotbeinige Furchenbiene (Halictus rubicundus, Christ 1791)

Weibchen der Rotbeinigen Furchenbiene

Im Erntemonat August widmen wir uns der Rotbeinigen Furchenbiene, welche nahezu auf dem gesamten eurasischen Kontinent zu finden ist. Von Portugal bis Irland und Skandinavien, von Marokko bis Russland und in Nordamerika ist diese Generalistin heimisch. Daher findet man sie auch im gesamten Mitteleuropa in unterschiedlichen Lebensräumen. Offenland, als auch walddominierte Flächen und Siedlungsgebiete werden von ihr aufgesucht.

Die maximal 11mm großen Weibchen besitzen einen rotbraunen pelzigen Thorax. Schmale weiße Binden auf dem Hinterleib finden sich typischerweise bei beiden Geschlechtern. Die Artbezeichnung „rubicundus“ ist mit rot bemalt zu übersetzen. Dies bezieht sich auf die rot gefärbten Hinterbeine der Weibchen – beim Männchen sind diese gelb.

Halictus rubicundus in einem ihrer typischen Erdlöcher

Ihren Nestbau betreibt sie in Erdlöchern und Steilwänden, an dessen Eingang sich eine kleine Erdaufschüttung (Tumulus) befindet. Dieser wird dauerhaft von einer Arbeiterin bewacht. Der verzweigte Erdgang erreicht eine Tiefe von bis zu 20cm. Am Ende eines jeden kurzen Seitengängs befinden sich die Brutzellen der Furchenbiene. Ihr Pollenbrot fertigt diese ausgesprochene polylektische Art aus Pollen von neun Pflanzenfamilien. Trotz ihres breiten Nahrungsspektrums, scheint sie eine Vorliebe für Korbblütler (Asteraceae) zu haben.

Die Weibchen von Halictus rubicundus fliegen ab April und die Männchen von Juli bis September. Wie viele andere Furchenbienenarten lebt auch die Rotbeinige Furchenbiene primitiv eusozial. Das bedeutet sie betreibt eine Staatenbildung mit vielen Arbeiterinnen, wenigen Männchen und fertilen Weibchen. Je nach den Bedingungen des Lebensraums kommt es zu einer zweiten Brut, in der dann nur Männchen und fertile Weibchen nachkommen. Sofern klimatischen Rahmenbedingungen durch Höhenlagen oder kältere Regionen ungünstig sind, wird die Rückkehr zu einer solitären Lebensweise beobachtet.

Neben ihr ist nur die Verkannte Goldfurchenbiene (Halictus confusus) als weitere Furchenbienenart zu nennen, die sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt natürlicherweise vorkommen. Die Rotbeinige Furchenbiene fliegt noch bis in den Herbst hinein.

Wildbiene des Monats Juli 2017: Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene

Wildbiene des Monats Juli 2017: Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene (Megachile lapponica, Thomson 1872)

Weidenröschen-Blattschneiderbiene an einer Blüte des Wald-Weidenröschens

Im Sommermonat Juli steht eine wählerische Wildbienenart im Fokus der Betrachtung. Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene ist im nahezu gesamten nördlich eurasischen Raum verbreitet. Neben ihren Gebieten in Mittel- und Nordeuropa, ist sie in Zentralasien und Sibirien bis Japan und Korea zu finden.

Charakteristisch für die schlanke schwarze Biene sind die schmalen weißen Binden des Abdomens und die orangefarbene Bauchbürste für den Pollentransport. Die Weibchen werden maximal bis zu 13 Millimeter lang und die Männchen erreichen eine Körperlänge von 9-10 Millimeter.

Die Flugzeit dieser Blattschneiderbienenart vollzieht sich in einer Generation von Juni bis August. Dabei nistet sie in bereits vorhandenen Hohlräumen, mit einer Vorliebe für altes Holz in alten Insektenfraßgängen. Aber auch natürliche Felsspalten dienen als Domizil. Waldlichtungen, Kahlschläge, durch Windwurf geschaffene freie Stellen sowie Siedlungsflächen nutzt die Blattschneiderbiene als ihren Lebensraum.

Blütenstand des Wald-Weidenröschens (Epilobium angustifolium)

Wie der Name bereits verrät, verbaut sie ihre Nester mit Blatt- und Rindenstückchen der Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Diese schneidet sie individuell für einzelne Bauabschnitte zu. Das bedeutet Brutzellen, Zwischenwände, Außenseiten und Nestverschlüsse werden in Fertighausmanier passgenau gefertigt.

Jedoch dient das Wald-Weidenröschen nicht nur als Baumaterial. Die Blüten dieser Wildpflanzenart sind wahrscheinlich die ausschließliche Pollenquelle von Megachile lapponica, denn sie lebt oligolektisch. Durch deren schnelle Verbreitung als Pionierpflanze trifft man sie auch häufig auf Freiflächen im städtischen Raum.

Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene wird von der Unbewehrten Kegelbiene (Coelioxys inermis) parasitiert. In der Checkliste für Wildbienen in Deutschland wird Megachile lapponica als ungefährdet eingestuft.

Wildbiene des Monats Juni 2017: Die Östliche Felsen-Mauerbiene

Wildbiene des Monats Juni 2017: Die Östliche Felsen-Mauerbiene (Osmia mustelina, Gerstaecker 1869)

Das Gewöhnliche Nadelröschen, eine Futterpflanze der Östlichen Felsen-Mauerbiene (© Hermann Schachner/Wikipedia)

Die Östliche Felsen-Mauerbiene ist sowohl in Süd-, Mittel- und Osteuropa wie auch in Teilen Kleinasiens und im Nahen Osten verbreitet. Diese Art der Biene nutzt das vorhandene Blütenangebot und sammelt an einer Vielzahl von Pflanzenarten Pollen. Sie ist somit eine polylektische Art. Bestätigt wurde die Nutzung folgender fünf Pflanzenfamilien: Raublattgewächse (Boraginaceae), Zistrosengewächse (Cistaceae), Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Lippenblütler (Lamiaceae) und Mohngewächse (Papaveraceae).

Die Östliche Felsen-Mauerbiene lebt bevorzugt in trockenwarmen Standorten vom Flachland bis in die subalpinen Höhenstufen. Beispielsweise in Felssteppen, steinigen Hängen und Steinbrüchen oder Trockenrasen. Die Östliche Felsen-Mauerbiene bevorzugt das Nisten in vorhandenen Hohlräumen wie Felsspalten oder Mauerfugen, in hohlen Pflanzenstängeln oder verlassenen Nestern der Schwarzen Mörtelbiene (Megachile parienta). Meist nistet die Östliche Felsen-Mauerbiene solitär, in vielen Fällen aber auch kommunal.

Der lateinische Name Osmia mustelina leitet sich vom lateinischen Wort "mustelinus" für Wiesel ab und bezieht sich auf die Behaarung des Hinterleibs. Da die ersten vier Rückenplatten bräunlich, die letzten zwei schwarz sind, erinnert dieser Körperteil an die Schwanzspitze des Wiesels. Die Östliche Felsen-Mauerbiene fliegt von ca. April bis Juli/August.

Quelle: Erwin Scheuchl und Wolfgang Willner: Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas. Alle Arten im Porträt. Wiesbaden: Quelle & Meyer Verlag, 2016.

Wildbiene des Monats Mai 2017: Die Frühlings-Pelzbiene

Wildbiene des Monats Mai 2017: Die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes, Pallas 1772)

Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), männliches Exemplar (© pjt56/Wikipedia)

Im Wonnemonat Mai widmen wir uns einer echten Generalistin. Die Frühlings-Pelzbiene ist in Nordafrika (Marokko bis Ägypten), weiten Teilen Europas (Südspitze Schwedens, Südgrenze Schottlands bis zum Ural) über Kleinasien bis zum Kaukasus beheimatet. Selbst in China, Korea und Japan findet sie ihr Verbreitungsgebiet. Allein in Deutschland finden sich zwölf unterschiedliche Pelzbienenarten. Durch den dichten Pelz besteht die Gefahr sie mit kleinen heimischen Hummeln (Bombus) zu verwechseln.

Die 14 bis 16 Millimeter große Anthophora plumipes tritt mit brauner, grauer und schwarzer Färbung in Erscheinung. Dabei haben die grauen Männchen, neben einer hellen Zeichnung auf dem Kopf, die namensgebenden auffälligen langen Haarfransen an den Mittelbeinen (lateinisch: plumipes = an den Füßen gefiedert). Daher wird sie im Englischen ebenfalls sehr treffend mit `Hairy-Footed Flower Bee´ bezeichnet. Die Weibchen der typischen Form sind düster grau- bis schwarzbraun behaart und besitzen eine rostrote Beinbürste.

Beim Nestbau nimmt sie unterschiedlichste Lebensräume in Anspruch. Bevorzugt legt sie ihre Behausungen in Lehmwänden an. Ihre Nistplätze sind vom Flachland bis in die montane Stufe zu finden. Dabei gräbt sie nur wenige Zentimeter lange Nistgänge in Steilwände, Abbruchkanten, ebene Flächen sowie im Siedlungsgebiet in Scheunen und Ställen, bisweilen auch in Trockenmauern. Denn anders als andere Wildbienenarten mag die Frühlings-Pelzbiene auch schattige und kühle Orte. Dabei nistet sie meist kolonieweise mit 150 und mehr Nestern. Die Hauptnistaktivität fällt dabei auf die Monate April und Mai.

Die Frühlings-Pelzbiene fliegt von Mitte März bis Anfang Juni. Dabei treten die Männchen gut drei Wochen vor den Weibchen in Erscheinung. Bei der Nahrungsaufnahme ist die Frühlings-Pelzbiene alles andere als wählerisch. Sie nutzt den Pollen von zwölf Pflanzenfamilien. Sie gehört damit zu den polylektischen Bienenarten. Zu den von ihr aufgesuchten Pflanzen gehört auch die Familie der Primelgewächse, wie zum Beispiel die Mai goldgelb blühende Echte Schlüsselblume (Primula versis). Die länglichen engröhrigen Blüten erschweren die Nahrungsaufnahme. Um an den Nektar zu gelangen, bedarf es langrüsseligen Insekten wie Faltern, Hummeln, oder eben Pelzbienen. Besondere Affinität zeigt Anthophora plumipes gegenüber den Pflanzen-Gattungen Lungenkraut (Pulmonaria), Lerchensporn (Corydalis) und Taubennessel (Lamium). Ihre Zunge ist dicht mit starken Borsten bestanden, was das Herauskratzen des Pollens ermöglicht. Zurzeit lassen sich die Männchen besonders gut an Blaukissen (Aubrieta deltoidea) in Gärten und Parks beobachten.

Literaturnachweise:

http://www.bund-niedersachsen.de/projekte_einrichtungen/projekte/netzwerk_wildbienenschutz/wildbienen_im_portraet/fruehlings_pelzbiene/

http://www.wildbienen.info/steckbriefe/anthophora_plumipes.php

http://www.wildbienen.de/eb-aplum.htm

Amiet, Felix & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas – Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, 1. Auflage, Haupt Verlag, Bern

Scheuchl, Erwin & Wolfgang Willner (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas – Alle Arten im Porträt, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim.

Wildbiene des Monats April 2017: Die Graue Lockensandbiene

Wildbiene des Monats April 2017: Die Graue Lockensandbiene (Andrena nycthemera, Imhoff 1902)

Silber-Weide (Salix alba), die Futterpflanze der Grauen Lockensandbiene (© Willow/Wikipedia)

Die Wildbiene des Monats April ist die Graue Lockensandbiene (Andrena nycthemera). Ihr wissenschaftlicher Name leitet sich von den griechischen Worten nyx (= Nacht) und heméra (= Tag) ab. Er nimmt Bezug auf die Tag- und Nachtgleiche. Schon im zeitigen Frühjahr, Mitte März zum Äquinoktium, ist sie anzutreffen.

Die Graue Lockensandbiene weist fast einheitlich eine graue Körperbehaarung auf. Außerdem besitzen die Weibchen dieser Art eine auffallend ausgeprägte Haarlocke am Hinterkopf, wodurch der deutsche Name „Graue Lockensandbiene“ zustande kommt.

Die Graue Lockensandbiene ist heimisch in weiten Teilen Europas, von Ostfrankreich über die Ukraine bis Nordkasachstan, nordwärts bis Dänemark, Südschweden und Estland. Und auch in weiten Teilen Russlands sowie auf der Balkanhalbinsel und in Nordkroatien kommt sie vor.

Sie nistet bevorzugt an vegetationsfreien, sandigen Stellen wie z.B. auf Wegen, Wegrändern und am Fuße von Steilwänden. Meist leben die Bienen in kleineren Gruppen zusammen. Sie sind oft in Sand- oder Kiesgruben, Flussauen, Sandheiden oder Hochwasserdämmen zu finden. Die Nistplätze reichen vom Flachland bis in die kollinen Höhenstufen (> 500 m ü. NN.). Die Graue Lockensandbiene fliegt von März bis Juni und ist streng auf Weiden als Futterpflanze spezialisiert. Sie steht in der Kategorie 3 ("gefährdet") auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Wildbiene des Monats März 2017: Die Gehörnte Mauerbiene

Wildbiene des Monats März 2017: Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta, Latreille 1805)

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) (© Hans-Jürgen Sessner)

Die Gehörnte Mauerbiene ist unsere Biene des Monats März. Da ihr Flugzeit schon Ende Februar beginnen kann, ist diese Bienenart auch bei Temperaturen um 10 °Celsius an den Blüten vieler Blumen zu sehen. Sie lebt polylektisch, das heißt sie sucht an einer Vielzahl von Pflanzen ohne besondere Spezialisierung Pollen und Nektar. Bislang konnte nachgewiesen werden, dass die Gehörnte Mauerbiene die Pollen von 14 Pflanzenfamilien nutzt.

Sie nistet in verschiedenen, bereits vorhandenen Hohlräumen, so zum Beispiel in Totholz, hohlen Pflanzstängeln, verlassenen Erdnestern anderer Hautflügler auf ebenen Flächen oder auch in Steilwänden. Auch Mauerfugen bieten einen geeigneten Nistplatz. Besiedelt werden in der Regel Standorte, die sonnenexponierte Löss- und Lehmwände aufweisen. Dazu gehören Flussufer oder Weinberge. Aber auch in Siedlungsgebieten ist die Mauerbiene oft zu sehen. Denn hier findet sie ihr bevorzugtes Kleinklima.

Die weiblichen Gehörnten Mauerbienen besitzen einen schwarzen Kopf und Thorax. Das Abdomen ist rot behaart. Sie haben am Vorderkopf zwischen den Haaren zwei kleine "Hörnchen", der ihr den Namen gibt. Mit ihrem schwarzen Kopf und Bruststück und fuchsroten Hinterleib könnte diese Bienenart etwas an die "Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene" erinnern. Auch mit den Steinhummel-Arbeiterinnen kann sie von Laien gelegentlich verwechselt werden. Sie wird 12 bis 15 Millimeter groß.

Das Männchen besitzt einen schwarzen Kopf, der leicht metallisch schimmert, an den Seiten mit jeweils einem gebogenen namengebenden Horn. Der Thorax ist ebenfalls schwarz. Das Abdomen einschließlich Bauchbürste ist wie beim Weibchen rot behaart. Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen. Die männliche Gehörnte Mauerbiene wird nur 11 bis 13 Millimeter groß.

Die Gehörnte Mauerbiene spielt in der Landwirtschaft eine besonders wichtige Rolle. Sie gehört zu den wenigen Solitärbienenarten, die in den Kulturen den Honigbienen und Hummeln vorgezogen wird. Für die Bestäubung eines Hektars einer Apfelplantage reichen nämlich 530 nistende Gehörnte Mauerbienen-Weibchen. Dagegen würde man für die gleiche Fläche etwa 1 bis 2,5 starke Honigbienenvölker mit etwa 50.000 Arbeiterinnen pro Volk zur Bestäubung benötigen. Da 530 Solitärbienen-Weibchen keine große Anzahl an Individuen darstellen, reicht für die Bestäubung kleiner Obstplantagen so schon etwas Platz für Totholz als Nistplatz und einmalig eine Mauerbienen-Startpopulation.

Wildbiene des Monats Januar 2017: Die Luzerne-Schwebebiene

Wildbiene des Monats Januar 2017: Die Luzerne-Schwebebiene (Melitturga clavicornis, Latreille 1806)

Schwebebiene (männliches Exemplar) (© Luc Verhelst. Lizensiert unter CC_BY-SA_3.0 über observado.org)

Wir widmen uns im Januar einer bei uns verschollenen Art: die Schwebebiene Melitturga clavicornis. Das letzte Mal wurde sie 1959 im Osten Deutschlands gesichtet. Schwebebienen werden ungefähr 13-16mm groß. Die Männchen haben charakteristisch große blau-milchige Augen, ihre Fühler sind keulenförmig (wie ein Baseballschläger) und ihr Gesicht ist auffallend gelb gefärbt. Weibchen haben im Gegensatz zu den Männchen ein unauffälligeres Aussehen. Sie besitzen keine blauen Augen, dafür haben sie eine dezent weiße Fleckung am Kopfschild.

M. clavicornis gehört zu den ca. 75% der Bienenarten, die ihre Nester in den Boden bauen. Am liebsten bauen sie ihre 5-35 cm langen Brutzellen an ebenen, nur schütter bewachsenen Stellen. Die Schwebebienen sind einzeln lebende Bienen, dennoch werden Nester meist in kleineren Kolonien gebaut, und es kann auch zwei Weibchen pro Nest geben. Auch interessant: Die Larven bilden keinen Kokon und überwintern scheinbar nur als Ruhelarve.

Schwebebienen fliegen in den Sommermonaten von Juni bis August. M. clavicornis ist auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Sie ist also eine "oligolektische" Art, das bedeutet, sie sucht nur Pflanzenarten dieser Familie für Nahrung. Das Pollensammeln findet auf eine besondere Weise statt: Weil ihnen die Hinterschienenbürste fehlt, an die viele andere Bienen die Pollen heften, transportieren Schwebebienen die Pollen in Form eines Ringes rund um die Hinterschienen. Damit die leichten Pollenkörner nicht vom Winde verwehen, befeuchten die Bienen den Pollen vorher mit Nektar. Dies machen auch viele andere Bienenarten.

Wildbiene des Monats Oktober 2016: Die Efeu-Seidenbiene

Wildbiene des Monats Oktober: Die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae, Schmidt & Westrich 1993)

Efeu-Seidenbiene (© Wofl. Lizensiert unter CC_BY_SA_2.5 über Wikimedia Commons)

Die 8,5 bis 14,5 Millimeter große Efeu-Seidenbiene erscheint erst im September und kann sogar bis Ende Oktober beobachtet werden. Sie ist in ganz Süd- und Mitteleuropa sowie im Süden Großbritanniens verbreitet. In Deutschland ist derzeit ihre Ausbreitung von Süd- und Westdeutschland nach Norden und Osten zu beobachten. Diese Entwicklung und die zunehmende Verbreitung der Efeu-Seidenbiene in Gärten, Parkanlagen und auf Friedhöfen haben dazu geführt, dass die Bienenart erfreulicherweise von der Roten Liste der im Bestand bedrohten Wildbienenarten gestrichen werden konnte.

Die Efeu-Seidenbiene legt ihre Nistkammern unterirdisch in ebenen Flächen und auch in Steilwänden an. Dabei bevorzugt sie wenig bewachsene Löß- und Sandböden. Die Nistgänge können bis zu 60 Zentimeter in die Erde reichen und führen zu vier bis sechs Brutzellen. Diese können einzeln oder auch hintereinander liegen. Zuweilen kann man mehr oder weniger große Ansammlungen von Nestern der Efeu-Seidenbiene finden. Solche Aggregationen haben den Vorteil, dass die Nester besser vor Räubern geschützt sind, da immer die eine oder andere Biene vor Ort ist.

Wegen ihrer großen Ähnlichkeit mit zwei anderen Seidenbienenarten wurde die Efeu-Seidenbiene erst Anfang der 1990er-Jahre als eigene Art identifiziert. Erst damals wurde erkannt, dass sie auf den Pollen des Efeus (Hedera helix) spezialisiert ist. Untersuchungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass die Efeu-Seidenbienen beim Pollensammeln durchaus flexibel agieren. So weichen sie, wenn der Efeu noch nicht blüht, auf den Pollen anderer Pflanzen aus. Sobald aber die Efeublüte einsetzt, sammeln sie nur noch dort.

Wie können wir die Efeu-Seidenbiene unterstützen?

Birgit Brandlhuber / Shutterstock.com

Natürlich indem wir mehr Efeu pflanzen! Damit helfen wir zugleich zahlreichen anderen Insekten und auch Vogelarten. Für überwinternde Insekten, wie beispielsweise die Honigbienen, einige Schmetterlinge, Hummel- oder Wespenköniginnen, ist der Efeu in der blütenarmen Herbstzeit von immens großer Bedeutung. Die zwischen Januar und April reifenden Beeren stellen eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten dar. Diese finden zudem im dichten Blattwerk gute Ruhe- und auch Nistplätze. Für den Menschen sind die Beeren jedoch giftig! Wenn Sie ein Rankgitter verwenden, stellt der Efeu keine Gefahr für das Mauerwerk dar. Die Pflanze bevorzugt schattige Plätze. Das ist auch der Grund, wieso Efeu nicht an sonnigen Fassaden wächst. Die dort herrschende Helligkeit veranlasst die Triebe in die entgegengesetzte Richtung zu wachsen. Zuletzt sei noch angemerkt, dass der Efeu die Bäume nur als Rankhilfe nutzt und ihnen – anders als häufig vermutet – keinen Schaden zufügt.

Wildbiene des Monats September 2016: Die Auen-Schenkelbiene

Wildbiene des Monats September: Die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea, Warncke 1973)

Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) © Hans-Jürgen Sessner

Die zwischen acht und neun Millimeter große Auen-Schenkelbiene ist in ganz Europa bis in den Süden Skandinaviens und vom Flachland bis in Höhen um die 1.000 Meter verbreitet. Sie fliegt in der Zeit zwischen Juni und September in eher feuchten Gebieten wie in Auwäldern und Mooren, an Gewässersäumen und Hochwasserdämmen.

Schenkelbienen sind im deutschsprachigen Raum nur mit zwei Arten vertreten. Beide Arten sind ausgesprochene Spezialisten. Sie zeichnen sich durch eine Besonderheit aus, die bei keiner anderen Bienenart unserer Breiten zu finden ist: Zur Ernährung ihrer Brut nutzen sie neben Pollen auch Pflanzenöle. Nektar sammeln sie dagegen nicht. Die Pollen und das Öl sammeln die Schenkelbienen ausschließlich an den Pflanzen der Gattung Gilbweiderich (Lysimachia), die eben keinen Nektar produziert. Die Auen-Schenkelbiene nutzt fast ausschließlich den Gewöhnlichen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Das in den Blüten des Gilbweiderichs aus Drüsenhaaren abgesonderte fette Öl nutzen die Schenkelbienen auch zur Auskleidung ihrer Brutzellen. Es dient hier dem Zweck, die Zellen gegen Feuchtigkeit und Schädlingsbefall zu schützen. Die Nistzellen befinden sich nur wenige Zentimeter unter der Erde am Ende eines etwa 8 Zentimeter langen Ganges. Anders als die meisten in der Erde nistenden Wildbienenarten bevorzugt die Auen-Schenkelbiene für den Nestbau bewachsene Bodenstellen. Daher sind die Eingänge der Nistbereiche vor den Blicken von Räubern gut geschützt und auch für uns nur sehr schwer aufzufinden.

Die speziell für den Transport des Pflanzenöls angepassten Sammelbürsten der weiblichen Schenkelbienen hat ihnen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern eingebracht. Die Bürsten zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht verkleben und dass die Körbchenhaare das bis zu 30-fache ihres Eigengewichts aufnehmen können. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie diese in der Natur geschaffenen Härchen nachbauen und zukünftig für die Beseitigung von Ölteppichen auf Gewässern verwenden können.

Gewöhnlicher Gilbweiderich (© MurielBendel. Lizensiert unter CC_BY_SA_4.0 über Wikimedia Commons)

Wie wir der Auen-Schenkelbiene helfen können:

Durch die Pflanzung des Gewöhnlichen Gilbweiderichs (Lysimachia vulgaris) können Sie der Auen-Schenkelbiene ohne viel Aufwand unter die Flügel greifen. Diese zu der Familie der Primelgewächse (Primulaceae) gehörende Pflanze wird bis zu 150 Zentimeter hoch. Sie ist an feuchte bis nasse Standorte gebunden und bevorzugt moorige oder sandig-lehmige Böden. Ein idealer Standort im Garten ist dementsprechend der Uferbereich eines Gartenteichs. Am wohlsten fühlt sich der Gewöhnliche Gilbweiderich an halbschattigen bis schattigen Standorten. Wo er reichlich Feuchtigkeit bekommt, verträgt er aber auch vollsonnige Standorte.

Wildbiene des Monats August 2016: Die Knautien-Sandbiene

Wildbiene des Monats August: Die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana, Fabricius 1775)

Andrena hattorfiana (© Martin Andersson. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die 14 bis 16 Millimeter großen Knautien-Sandbienen schwirren von Mai bis August durch unsere Landschaft. Sie sind in ganz Europa heimisch und können vom Flachland bis in Höhen von etwa 2.000 Metern leben. Bevorzugte Lebensräume der Knautien-Sandbiene sind trockene Wiesen, Böschungen, Deiche und Dämme sowie sonnige Waldsäume. Ihre Nistgänge legt diese Biene im Erdreich an. Dabei favorisiert sie waagerechte bis leicht schräge, wenig bewachsene und gut besonnte Flächen.

Die Knautien-Sandbiene ist eine ausgesprochene Spezialistin. Sie sammelt ihren Pollen nur auf Kardengewächsen. Bei uns in Deutschland sucht sie dazu überwiegend die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) auf. Wenn nötig, weicht sie aber auch auf die Wald-Witwenblume (Knautia dispacifolia) oder die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) aus. Diese starke Nahrungsspezialisierung verursacht der Biene in unserer Zeit leider mehr und mehr Probleme. Ihre auf trockene und eher nährstoffarme Böden angewiesenen Pollenlieferanten findet sie nämlich zunehmend seltener. Schuld daran ist in erster Linie die anhaltende Überdüngung unserer Böden, die zugleich zu einer Vernässung führt. Hauptverursacherin ist hier die moderne Landwirtschaft, deren Nährstoffeinträge zum stetigen Rückgang magerer und trockener Standorte führen. Gerade dort findet sich jedoch eine besonders hohe Zahl unterschiedlicher Pflanzenarten. So verwundert es nicht, wenn inzwischen besorgniserregend viele dieser Pflanzen wie auch die von ihnen abhängigen Tiere auf der Roten Liste erscheinen. Zu den bedrohten Arten gehört auch die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana).

Knautia arvensis (© Svdmolen. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wie wir helfen können: Ganz leicht können Sie unsere Biene des Monats unterstützen. Am besten pflanzen Sie Acker-Witwenblumen in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon. Sie werden mit dieser hübschen, ausdauernden Staude auch vielen anderen Insekten eine Freude machen. Die Acker-Witwenblumen gehört zu den Geißblattgewächsen, die durch die leichte Zugänglichkeit der Blüten sehr vielen Insekten Futter bieten. Ihre Samen dienen zudem Vögeln als Nahrung. Die Acker-Witwenblume blüht im Juli und August und ist recht anspruchslos. Sie erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 und 80 Zentimetern. Am besten gedeiht sie an sonnigen Standorten und auf wasserdurchlässigen, eher trockenen Böden.

Wildbiene des Monats Juli 2016: Die Blutweiderich-Sägehornbiene

Wildbiene des Monats Juli: Die Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans, Alfken 1905)

 

Melitta nigricans (© Dick Belgers. Lizensiert unter CC_BY_3.0 über Wikimedia Commons)

Die Blutweiderich-Sägehornbiene ist nur 10 bis 12 Millimeter groß. In Deutschland ist sie mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in allen anderen Bundesländern nachgewiesen worden. Sie ist aber auch weit darüber hinaus verbreitet und kommt von Südspanien bis an den Ural und nördlich bis auf die Höhe von Moskau und ins  Baltikum vor. Während die Art in der Schweiz als stark gefährdet gilt, wurde für Deutschland bisher keine besondere Gefährdungslage ausgesprochen.

Die Flugzeit der Blutweiderich-Sägehornbiene erstreckt sich von Juli bis September. Auffällig ist, dass die Männchen dieser Art bis zu drei Wochen früher ausfliegen als die Weibchen. Das als Proterandrie bezeichnete Phänomen ist bei fast allen heimischen Wildbienenarten anzutreffen. Allerdings beträgt die Differenz in der Regel nur wenige Tage, nicht Wochen. Ihre Eier legt die Blutweiderich-Sägehornbiene im Erdreich ab. Sie gräbt einen mit 10 Zentimeter Länge vergleichsweise kurzen senkrechten Hauptgang. Von ihm zweigen kurze Seitentunnel ab, an deren Ende sich jeweils eine einzelne Brutzelle befindet. Zum Schutz vor Feuchtigkeit, die zu Pilzbefall führen könnte, werden die Innenwände der Zellen mit einem speziellen körpereigenen Sekret bestrichen. Andere Wildbienenarten nutzen beispielsweise die isolierenden Eigenschaften von Blättern, Blütenstücken oder Pflanzenhaaren für das Auskleiden und Stabilisierung ihrer Brutzellen.

Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria) (© Duncan Harris. Lizensiert unter CC_BY_2.0 über Wikimedia Commons)

Die Bezeichnung Blutweiderich-Sägehornbiene verweist auf die Abhängigkeit dieser Art von der Pflanzengattung der Blutweideriche (Lythrum). Beim Sammeln von Blütenpollen, der für die Verpflegung ihrer Nachkommen benötigt wird, ist die Blutweiderich-Sägehornbiene streng auf die Mitglieder dieser Pflanzengattung spezialisiert. In Mitteleuropa dient ihr der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria) nicht nur als primärer Pollenlieferant, er stellt auch die Hauptnektarquelle für beide Geschlechter der Bienenart dar. Diese Pflanze benötigt feuchte bis nasse Standorte und wächst entsprechend bevorzugt an den Ufern von Wasserläufen, Teichen und Seen sowie in Röhrichten und Sümpfen. Der Blutweiderich bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit nährstoff- und humusreichen Böden. Er erreicht eine Höhe zwischen 50 und 120 Zentimeter und blüht von Juni bis September.

Wildbiene des Monats Juni 2016: Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene

Wildbiene des Monats Juni: Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene (Andrena humilis, Imhoff 1832)

Andrena humilis (© Dick Belgers. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene kommt in ganz Deutschland vor und bevorzugt trockene Wiesen, Sand- und Kiesgruben, Dämme und besonders Waldsäume als Lebensraum. Auch in den Gärten und Parkanlagen von Siedlungsbereichen ist sie bisweilen anzutreffen.

Obwohl noch vergleichsweise häufig, wurde die Art wegen rückläufiger Tendenzen inzwischen in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Ihre Nester gräbt Andrena humilis in nicht oder spärlich bewachsenen Sand- oder lockeren Lehmboden. Hier legen die Weibchen in 10 bis 25 Zentimeter Tiefe rund 5 Brutzellen an, die sie mit jeweils einem Pollenbrot (Futterproviant aus Pollen und Nektar) bestücken auf das sie dann ein Ei legen. Unter günstigen Bedingungen kommt es auch zu Konzentrationen von mehreren Nestern an einer Stelle.

Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum (© Rita Erfurt. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wie bei einigen anderen Wildbienenarten auch, patrouillieren die Männchen der Gewöhnlichen Dörnchensandbiene auf der Suche nach Weibchen an den bevorzugten Nahrungspflanzen der Art. Es handelt sich dabei um Korbblütler der Unterfamilie Cichorioidea, auf welche diese Art zum Pollensammeln spezialisiert ist. Hierzu gehören beispielsweise Habichtskräuter, Ferkelkräuter oder auch die Löwenzahnarten. Das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum) ist ein optisch besonders attraktiver Vertreter dieser Unterfamilie. Es erreicht Wuchshöhen von 20 bis 40 Zentimeter und blüht zwischen Juni und August. Es wird von Gärtnern geschätzt und eignet sich auch sehr gut als Bodendecker.

Wildbiene des Monats Mai 2016: Die Lappländische Sandbiene

Wildbiene des Monats Mai: Die Lappländische Sandbiene (Andrena lapponica, Zetterstedt 1838)

Lappländische Sandbiene (Andrena lapponica) (© James Lindsey at Ecology of Commanster. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die 9 bis 13 mm großen Lappländischen Sandbienen fliegen zwischen April und Juni. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Norditalien und Nordspanien bis in den Norden Skandinaviens. In den Alpen sind sie bis in Höhen von 2.200 Metern anzutreffen. Zur Eiablage graben die Weibchen Erdnester, von denen meist mehrere in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander angetroffen werden können. Solche Nestansammlungen entstehen meist dann, wenn neben den günstigen Nistbedingungen auch ein nahe gelegenes, reichhaltiges Nahrungsangebot angetroffen wird.


Lappländische Sandbienen gehören zu den oligolektischen Wildbienenarten. Das bedeutet, dass sie Blütenpollen ausschließlich an einer oder sehr wenigen nah verwandten Pflanzenarten sammeln. Im vorliegenden Fall handelt es sich dabei um früh blühende Heidekrautgewächse (Ericaceae). Aus dieser Pflanzenfamilie sind das besonders Pflanzen der Gattung Heidelbeere (Vaccinium). Der Lebensraum der Lappländischen Sandbiene korrespondiert entsprechend mit der Blüte dieser Pflanzen und ihrer Lebensräume. Das sind lichte Nadelwälder und deren Ränder sowie Moore und Bergheiden.

Blühende Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) (© Rosa-Maria Rinki. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wenn Sie über einen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon verfügen, können Sie die Lappländische Sandbiene unterstützen, indem Sie etwa Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) oder Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) anpflanzen. Davon profitieren nicht nur die Bienen. Die Beeren stellen darüber hinaus auch eine gesunde Bereicherung des menschlichen Speiseplans dar. Die Lappländische Sandbiene hat Hilfe dringend nötig. Aufgrund der Tatsache, dass ihre Bestände in den letzten Jahren merklich zurückgegangen sind, wurde sie auf die Vorwarnliste der Roten Liste für Deutschland aufgenommen.

Wildbiene des Monats April 2016: Die Hahnenfuß-Scherenbiene

Wildbiene des Monats April: Die Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis, Linnaeus 1758)

Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Die nur etwa 7-11 mm große Hahnenfuß-Scherenbiene fliegt von April bis Juni. Sie gehört zu den etwa 30 % der Bienenarten, die in Hohlräumen in Totholz oder hohlen Pflanzenstängeln nisten und nimmt Nisthilfen gerne in Anspruch. Hier bezieht sie die Bohrungen und Halme mit einem Durchmesser zwischen 3 und 5 mm und baut dort meist 2 bis 3, maximal 5 Brutzellen. Verschlossen wird das Nest mit einem Gemisch aus mit Nektar oder Speichel angefeuchteter Erde und kleinen Steinchen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Geschlechterverhältnis der Nachkommen offenbar vom Durchmesser der Brutröhre beeinflusst wird. So ist die Zahl der Weibchen in Brutröhren mit weiterem Durchmesser deutlich größer.

Nestverschluss der Hanhenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Die erste Brutzelle wird von der Hahnenfuß-Scherenbienen meist erst einige Zentimeter vom Eingang entfernt angelegt, so dass ein Vorraum, ein so genanntes Atrium, entsteht. Man geht davon aus, dass dieses dem Schutz vor parasitierenden Schlupfwespen dient. Diese nutzen ihren langen Legestachel um ihre Eier in die Larven anderer Insekten zu legen, die ihrem Nachwuchs dann als Nahrung dienen. Die Larven der Hahnenfuß-Scherenbiene schlüpfen spätestens nach 5 Tagen und ernähren sich von dem in ihrer Brutzelle vom Muttertier hinterlassenen Nektar-Pollengemisch. Wenn sie ausgewachsen sind bauen sie zunächst einen Kokon und verwandeln sich dann, etwa 6 bis 7 Wochen nach dem Schlüpfen, in eine Puppe. In diesem Zustand überdauern sie bis ins darauf folgende Frühjahr.

Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Der deutsche Name Hahnenfuß-Scherenbiene verweist auf die Tatsache, dass diese Art auf den Pollen von Hahnenfußarten spezialisiert ist. Mann kann sie also leicht durch das Anpflanzen von Hahnenfußgewächsen unterstützen. Bisher sind Knolliger, Kriechender, Scharfer und Wolliger Hahnenfuß als Pollenquelle der Hahnenfuß-Scherenbiene nachgewiesen. Vorsicht ist im eigenen Garten beim Kriechenden Hahnenfuß geboten, der unterirdische Ausläufer nach allen Seiten bildet und so in kurzer Zeit große Flächen erobern kann.

Wildbiene des Monats März 2016: Die Frühe Lockensandbiene

Wildbiene des Monats März: Die Frühe Lockensandbiene (Andrena praecox, Scopoli 1763)

Foto Frühe Sandbiene
Frühe Sandbiene (Andrena praecox) © Hans-Jürgen Sessner

Als eine der ersten Wildbienenarten des Jahres taucht die Frühe Lockensandbiene auf. Ihr Erscheinen Ende Februar oder Anfang März hängt damit zusammen, dass sie auf den Blütenpollen von Weidengewächsen spezialisiert ist. Sie benötigt den eiweißreichen Pollen als Futter für ihre Nachkommen. Insbesondere einige Bienenarten der Gattung Andrena sind auf Weidenpollen spezialisiert. Die Bezeichnung Sandbienen verweist darauf, dass alle diese Arten ihre Nester im Erdreich anlegen. Dies hängt damit zusammen, dass auch Weidenbäume feuchte Sand- und Sandlehmböden als Wuchsstandort bevorzugen und Wildbienen ihre Nester meist in unmittelbarer Nähe ergiebiger Nahrungsquellen anlegen. Kurze Wege zu ertragreichen Pollenständen erhöhen die Fortpflanzungsrate. Denn je mehr Pollen sie sammeln, desto mehr Brutzellen können mit einem Futtervorrat versehen werden.

Für die Verproviantierung einer einzigen Brutzelle benötigen Wildbienen jedoch große Pollenmengen. Je nach Bienenart und dem Pollenangebot ihrer Nahrungspflanzen müssen dafür viele Dutzend bis mehrere Hundert Blüten aufgesucht werden. Durch ein unzureichendes Pollenangebot kann es nicht nur dazu kommen, dass weniger Nachkommen produziert werden. Auch die Überlebensfähigkeit der Nachkommen wird beeinträchtigt, weil sich die Mangelernährung auf die Größe und Widerstandkraft der Tiere auswirkt.

Foto Ohr-Weide
Ohr-Weide (Salix aurita) (© Willow. Lizensiert unter CC_BY_2.5 über Wikimedia Commons)

Die Ohr- und die Grau-Weide (Salix aurita und Salix cinerea) bieten auch den Besitzern von Klein- und Privatgärten die Möglichkeit etwas für die auf Weiden spezialisierten Bienenarten wie die Frühe Sandbiene zu tun. Die beiden Weidenarten wachsen als Strauchform und werden nur etwa 2 bis 4 Meter hoch. Generell bevorzugen Weiden feuchte Böden. Die Ohr-Weide allerdings gedeiht auch auf mäßig trockeneren Böden. Sie eignet sich ebenso für kleinere Gärten. Ohr- und Grau-Weide bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte.

 

Wildbiene des Monats Februar 2016: Die Kleine Holzbiene

Wildbiene des Monats Februar: Die Kleine Holzbiene (Xylocopa iris, Christ 1791)

Foto Kleine Holzbiene
Kleine Holzbiene (Xylocopa iris) © Gideon_Pisanty, lizensiert unter CC_BY_SA_3 über Wikimedia Commons

Die "Kleine Holzbiene" ist eine der 39 Wildbienenarten, die in der Kategorie "ausgestorben oder verschollen" auf der Roten Liste für Deutschland geführt werden. Sie konnte bisher nur einmal in Südwest-Deutschland sicher nachgewiesen werden. Das war im Jahr 1957. Ihr Hauptverbreitungsgebiet befindet sich in Südeuropa. Im deutschsprachigen Raum ist sie nur noch in Niederösterreich und der Westschweiz vereinzelt anzutreffen.

Die Kleine Holzbiene bevorzugt warmtrockene offene Landschaften. Beim Pollensammeln präferiert sie Lippen- und Schmetterlingsblütler. Zum Nisten benötigt diese Art dünne, aufrechte Pflanzenstängel des Vorjahres. So legt sie beispielsweise in den Halmen von Bärenklau, Disteln, Sonnenblumen oder auch Holunder ihre Nistzellen an. Hierbei nagt sie zunächst im unteren Bereich eine Öffnung in den Stängel und höhlt diesen dann nach oben hin aus. Als nächstes kappt sie den Halm am oberen Ende des Hohlraums. Die dabei entstehende Öffnung verschließt sie mit einem Pfropfen aus dem zuvor entfernten Mark. Dies hat wahrscheinlich den Zweck, die Gefahr von Windbruch zu reduzieren. Das zuvor herausgeräumte Mark nutzt die Kleine Holzbiene im Anschluss auch zum Bau der Trennwände zwischen den einzelnen Nistzellen.

Kleine Holzbiene (Xylocopa iris) © Gideon_Pisanty, lizensiert unter CC_BY_SA_3 über Wikimedia Commons

Holzbienen gehören zu den wenigen heimischen Wildbienenarten, die bereits im Jahr der Eiablage schlüpfen. Bei der Kleinen Holzbiene erfolgt der Schlupf nach etwa anderthalb bis zwei Monaten. Die ungewöhnlich langlebigen Weibchen der Holzbienen leben dann noch bis zu ihrem Tod im Herbst mit ihrem Nachwuchs zusammen, der in der Niströhre heranwächst. Holzbienen überwintern einzeln oder in Gruppen in ihren Geburtsnestern oder in anderen Hohlräumen. Die Paarung erfolgt erst im folgenden Frühjahr.

Während die Kleine Holzbiene in Deutschland als ausgestorben gilt, breitet sich die deutlich größere Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) derzeit nach Norddeutschland aus. Nach Niedersachsen und der Umgebung von Berlin hat sie im Jahr 2014 auch Schleswig-Holstein erreicht. Als Grund für ihre Ausbreitung werden die Klimaveränderungen der letzten Jahrzehnte angenommen. Mit der Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur verschiebt sich die Verbreitungsgrenze einzelner Arten weiter nach Norden. Dieser Umstand dürfte auch der Grund für das Vordringen der dritten in Mitteleuropa vertretenen Holzbienenart, der Östlichen Holzbiene (Xylocopa valga), nach Deutschland sein. Sie wurde im Jahr 2011 an zwei Stellen im äußersten Südwesten Deutschlands nachgewiesen.

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