Wildbiene des Monats der Stiftung für Mensch und Umwelt

In unserer Rubrik "Wildbiene des Monats" wollen wir nicht nur über die erstaunliche Vielfalt und Vielgestaltigkeit der heimischen Wildbienen berichten. Wir zeigen auch, wie Sie die vorgestellten Arten unterstützen können. Dabei liegt unser besonderes Augenmerk auf den von den Bienen zur Nahrungsaufnahme oder zum Sammeln von Pollen und anderen Pflanzenmaterialien aufgesuchten Pflanzen.  

Auch die Dresdner Initiative "Biene sucht Blüte" stellt, mit Schwerpunkt auf die Dresdner Fauna, eine Wildbiene des Monats vor.

Die Wildbiene des Monats Oktober 2017: Die Blauschwarze Holzbiene

Wildbiene des Monats Oktober 2017: Blauschwarze Holzbiene(Xylocopa violacea)

Blauschwarze Holzbiene im Anflug auf eine Nisthilfe

Der Herbst ist die richtige Zeit um Blühgehölze zu pflanzen. Eine Wildbiene die sich besonders gut mit Gehölzen auskennt ist unsere Wildbiene des Monats – die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea). Ihre Verbreitung findet sie in Nordafrika und Eurasien, von Portugal bis in den Kaukasus und Zentralasien. Im Norden stößt sie bis nach England und Schweden vor.

Die bis zu 28 Millimeter große Blauschwarze Holzbiene ist unsere größte heimische Bienenart. Durch ihren einheitlichen schwarzen Körper und eine kurze schwarze Behaarung wird sie oft als Käfer wahrgenommen. Ihre vier auffällig violett metallisch glänzenden Flügel kennzeichne sie jedoch eindeutig als Wildbiene. Die Farbgebung der Flügel spiegelt sich auch in ihrer wissenschaftlichen Artbezeichnung violacea (dt. violett) wider.  

Blauschwarze Holzbiene bei der Nahrungsaufnahme an einer Vogel-Wicke (Vicia cracca)

Xylocopa violacea liebt vor allem trockenwarme Standorte mit hoher Sonneneinstrahlung. Streuobstwiesen, Weinberge und Nistgelegenheiten im Siedlungsbereich sucht sie vom Flachland bis in die montane Höhenstufe auf. Man findet sie vor allem in naturnahen Gärten und strukturreichen Landschaften mit einem reichen Angebot an Trachtpflanzen. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Wildbienenarten, die alte Fraßgänge anderer Insekten in mürbem Holz nutzen (z.B. Blattschneider- und Mauerbienen), ist die Blauschwarze Holzbiene selbst die Architektin und Bauherrin. Mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen (Mandibeln) nagt sie Hohlräume in abgestorbenes altes Holz. Auch hohle Pflanzenstängel mit entsprechendem Durchmesser werden als Nistplatz genutzt. Ihre Brutzellen ordnet sie linear in horizontalen und vertikalen Nistgängen an. Die Wände der jeweiligen Brutkammern bestehen aus mit Sekreten vermischten Holzpartikeln. Das Baumaterial ist ein Gemisch aus Holzspänen, Mark, Speichel und Nektar. 

Sie fliegt in einer Generation (univoltin) über einen der längsten Lebenszyklen unserer heimischen Bienenfauna überhaupt. Sie Von Februar/März bis in den Oktober hinein kann man sie beobachten. Somit ist sie neben einer Handvoll Furchen- und Seidenbienen-Arten (z.B. Efeu Seidenbiene - Wildbiene des Monats 2016) eine der letzten Wildbienen der Saison. Weibchen und Männchen erscheinen ab dem Spätsommer und überwintern.

Nahaufnahme der Blauschwarzen Holzbiene

Die Große Holzbiene ist als polylektische Art einzuordnen. Sie ist zwar keine absolute Generalistin wie z.B. die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes Wildbiene des Monats Mai 2017), nutzt aber immerhin Pollen von vier Pflanzenfamilien: Korbblütlern (Asteraceae), Raublattgewächsen (Boraginaceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und Lippenblütlern (Lamiaceae).

Neben der Kleinen (Xylocopa iris) und der Schwarzfühler-Holzbiene (Xylocopa valga) ist sie die einzige heimische Holzbienenart. Die Schwarz-Gelbe Keulenwespe (Polochrum repandum) parasitiert die Blauschwarze Holzbiene. In Deutschland ist sie in allen Bundesländern, außer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, verbreitet. Dabei gilt sie in Baden Württemberg jedoch als stark gefährdet. Ihre Verbreitung Richtung Norddeutschland kann erst seit den letzten Jahren beobachtet werden.

Die Wildbiene des Monats September 2017: Die Stumpfzähnige Zottelbiene

Wildbiene des Monats September 2017: Stumpfzähnige Zottelbiene (Panurgus calcaratus)

Stumpfzähnige Zottelbiene (Panurgus calcaratus) auf Kleinem Habichtskraut (Hieracium pilosella)

Der Name dieser Gattung geht auf die struppige Behaarung, insbesondere der zottigen Behaarung der Hinterbeine der Weibchen zurück. Die Stumpfzähnige Zottelbiene findet ihre Verbreitung in Nordafrika und auf der eurasischen Landmasse von Portugal und der Nordtürkei bis zum Mittelsibirischen Bergland. In nördlicheren Breiten kann man sie bis Südengland, Wales und Skandinavien beobachten.

Diese 7-9 Millimeter kleine schwarze Bienenart besitzt vergleichsweise wenig Behaarung. Die weiblichen Exemplare unterscheiden sich durch eine lange gelbe Beinbürste von ihren männlichen Artgenossen. Die Artbezeichnung  „calcaratus“ beschreibt den „sporntragenden“ Fortsatz an den Beinen der Männchen. Durch ihre glänzende Schwarzfärbung kann sie leicht mit Sandbienen (Andrena) verwechselt werden.

Blütenstand Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), blüht von Mai bis Oktober

Denn wie diese, bevorzugt auch unsere Wildbiene des Monats sandige oder lehmige Böden für ihren Nestbau (Sand- und Kiesgruben). Dabei nistet sie solitär oder kommunal  auf kahlen oder nur leicht bewachsenen Flächen. Bisweilen sucht sie sich auch geeignete Stellen in Steilwänden. Neben Hochwasserdämmen und Weinbergen errichtet diese Zottelbiene ihr Domizil in Waldsäumen, Magerwiesen sowie Brach- und Ruderalflächen.  Panurgus calcaratus fliegt in einer Generation vom Juni bis in den September hinein. Ihre Nesteingang wird stets von einem Erdhaufen umgeben. Dieser Hauptgang verzweigt sich in der Tiefe in bis zu fünf Seitengänge. Die Brutzellen liegen somit in einer maximalen Tiefe von 25cm und dienen als Winterquartier für die Nachkommen. Die Seiteneingänge werden daher mit Sand verfüllt, um die Ruhlarven zu schützen.

Die Stumpfzähnige Zottelbiene ist, wie ihre Verwandten, oligolektisch auf Korbblütler (Asteraceae). Dabei sammelt sie ihren Pollen fast ausschließlich von Arten der Zungenblütler (Cichorioideae). Besonders angetan haben es ihr Gewöhnliches Bitterkraut  (Picris hieracioides), dass Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella) und Doldiges Habichtskraut  (Hieracium umbellatum).  Damit ist sie, wie viele Wildbienenarten, hochspezialisiert was die Nahrungsbeschaffung betrifft.

Die Stumpfzähnige Zottelbiene wird von der Schwarzfühler-Wespenbiene (Nomada fuscicornis) parasitiert. Weltweit sind nur 40 Arten bekannt, wobei lediglich drei Arten in Mitteleuropa vorkommen. Weitere Vertreter sind die Große Zottelbiene (Panurgus banksianus) und die Spitzzähnige Zottelbiene (Panurgus dentipes).

 

Die Wildbiene des Monats August 2017: Die Rotbeinige Furchenbiene

Wildbiene des Monats August 2017: Die Rotbeinige Furchenbiene (Halictus rubicundus)

Weibchen der Rotbeinigen Furchenbiene

Im Erntemonat August widmen wir uns der Rotbeinigen Furchenbiene, welche nahezu auf dem gesamten eurasischen Kontinent zu finden ist. Von Portugal bis Irland und Skandinavien, von Marokko bis Russland und in Nordamerika ist diese Generalistin heimisch. Daher findet man sie auch im gesamten Mitteleuropa in unterschiedlichen Lebensräumen. Offenland, als auch walddominierte Flächen und Siedlungsgebiete werden von ihr aufgesucht.

Die maximal 11mm großen Weibchen besitzen einen rotbraunen pelzigen Thorax. Schmale weiße Binden auf dem Hinterleib finden sich typischerweise bei beiden Geschlechtern. Die Artbezeichnung „rubicundus“ ist mit rot bemalt zu übersetzen. Dies bezieht sich auf die rot gefärbten Hinterbeine der Weibchen – beim Männchen sind diese gelb.

 

Halictus rubicundus in einem ihrer typischen Erdlöcher

Ihren Nestbau betreibt sie in Erdlöchern und Steilwänden, an dessen Eingang sich eine kleine Erdaufschüttung (Tumulus) befindet. Dieser wird dauerhaft von einer Arbeiterin bewacht. Der verzweigte Erdgang erreicht eine Tiefe von bis zu 20cm. Am Ende eines jeden kurzen Seitengängs befinden sich die Brutzellen der Furchenbiene. Ihr Pollenbrot fertigt diese ausgesprochene polylektische Art aus Pollen von neun Pflanzenfamilien. Trotz ihres breiten Nahrungsspektrums, scheint sie eine Vorliebe für Korbblütler (Asteraceae) zu haben.

Die Weibchen von Halictus rubicundus fliegen ab April und die Männchen von Juli bis September. Wie viele andere Furchenbienenarten lebt auch die Rotbeinige Furchenbiene primitiv eusozial. Das bedeutet sie betreibt eine Staatenbildung mit vielen Arbeiterinnen, wenigen Männchen und fertilen Weibchen. Je nach den Bedingungen des Lebensraums kommt es zu einer zweiten Brut, in der dann nur Männchen und fertile Weibchen nachkommen. Sofern klimatischen Rahmenbedingungen durch Höhenlagen oder kältere Regionen ungünstig sind, wird die Rückkehr zu einer solitären Lebensweise beobachtet.

Neben ihr ist nur die Verkannte Goldfurchenbiene (Halictus confusus) als weitere Furchenbienenart zu nennen, die sowohl in der Neuen als auch in der Alten Welt natürlicherweise vorkommen. Die Rotbeinige Furchenbiene fliegt noch bis in den Herbst hinein.

Wildbiene des Monats Juli 2017: Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene

Wildbiene des Monats Juli 2017: Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene (Megachile lapponica)

Weidenröschen-Blattschneiderbiene an einer Blüte des Wald-Weidenröschens

Im Sommermonat Juli steht eine wählerische Wildbienenart im Fokus der Betrachtung. Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene ist im nahezu gesamten nördlich eurasischen Raum verbreitet. Neben ihren Gebieten in Mittel- und Nordeuropa, ist sie in Zentralasien und Sibirien bis Japan und Korea zu finden.

Charakteristisch für die schlanke schwarze Biene sind die schmalen weißen Binden des Abdomens und die orangefarbene Bauchbürste für den Pollentransport. Die Weibchen werden maximal bis zu 13 Millimeter lang und die Männchen erreichen eine Körperlänge von 9-10 Millimeter.

Die Flugzeit dieser Blattschneiderbienenart vollzieht sich in einer Generation von Juni bis August. Dabei nistet sie in bereits vorhandenen Hohlräumen, mit einer Vorliebe für altes Holz in alten Insektenfraßgängen. Aber auch natürliche Felsspalten dienen als Domizil. Waldlichtungen, Kahlschläge, durch Windwurf geschaffene freie Stellen sowie Siedlungsflächen nutzt die Blattschneiderbiene als ihren Lebensraum.

Blütenstand des Wald-Weidenröschens (Epilobium angustifolium)

Wie der Name bereits verrät, verbaut sie ihre Nester mit Blatt- und Rindenstückchen der Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Diese schneidet sie individuell für einzelne Bauabschnitte zu. Das bedeutet Brutzellen, Zwischenwände, Außenseiten und Nestverschlüsse werden in Fertighausmanier passgenau gefertigt.

Jedoch dient das Wald-Weidenröschen nicht nur als Baumaterial. Die Blüten dieser Wildpflanzenart sind wahrscheinlich die ausschließliche Pollenquelle von Megachile lapponica, denn sie lebt oligolektisch. Durch deren schnelle Verbreitung als Pionierpflanze trifft man sie auch häufig auf Freiflächen im städtischen Raum.

Die Weidenröschen-Blattschneiderbiene wird von der Unbewehrten Kegelbiene (Coelioxys inermis) parasitiert. In der Checkliste für Wildbienen in Deutschland wird Megachile lapponica als ungefährdet eingestuft.

Wildbiene des Monats Juni 2017: Die Östliche Felsen-Mauerbiene

Wildbiene des Monats Juni 2017: Die Östliche Felsen-Mauerbiene (Osmia mustelina)

Das Gewöhnliche Nadelröschen, eine Futterpflanze der Östlichen Felsen-Mauerbiene (© Hermann Schachner/Wikipedia)

Die Östliche Felsen-Mauerbiene ist sowohl in Süd-, Mittel- und Osteuropa wie auch in Teilen Kleinasiens und im Nahen Osten verbreitet. Diese Art der Biene nutzt das vorhandene Blütenangebot und sammelt an einer Vielzahl von Pflanzenarten Pollen. Sie ist somit eine polylektische Art. Bestätigt wurde die Nutzung folgender fünf Pflanzenfamilien: Raublattgewächse (Boraginaceae), Zistrosengewächse (Cistaceae), Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Lippenblütler (Lamiaceae) und Mohngewächse (Papaveraceae).

Die Östliche Felsen-Mauerbiene lebt bevorzugt in trockenwarmen Standorten vom Flachland bis in die subalpinen Höhenstufen. Beispielsweise in Felssteppen, steinigen Hängen und Steinbrüchen oder Trockenrasen. Die Östliche Felsen-Mauerbiene bevorzugt das Nisten in vorhandenen Hohlräumen wie Felsspalten oder Mauerfugen, in hohlen Pflanzenstängeln oder verlassenen Nestern der Schwarzen Mörtelbiene (Megachile parienta). Meist nistet die Östliche Felsen-Mauerbiene solitär, in vielen Fällen aber auch kommunal.

Der lateinische Name Osmia mustelina leitet sich vom lateinischen Wort "mustelinus" für Wiesel ab und bezieht sich auf die Behaarung des Hinterleibs. Da die ersten vier Rückenplatten bräunlich, die letzten zwei schwarz sind, erinnert dieser Körperteil an die Schwanzspitze des Wiesels. Die Östliche Felsen-Mauerbiene fliegt von ca. April bis Juli/August.

Quelle: Erwin Scheuchl und Wolfgang Willner: Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas. Alle Arten im Porträt. Wiesbaden: Quelle & Meyer Verlag, 2016.

Wildbiene des Monats Mai 2017: Die Frühlings-Pelzbiene

Wildbiene des Monats Mai 2017: Die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), männliches Exemplar (© pjt56/Wikipedia)

Im Wonnemonat Mai widmen wir uns einer echten Generalistin. Die Frühlings-Pelzbiene ist in Nordafrika (Marokko bis Ägypten), weiten Teilen Europas (Südspitze Schwedens, Südgrenze Schottlands bis zum Ural) über Kleinasien bis zum Kaukasus beheimatet. Selbst in China, Korea und Japan findet sie ihr Verbreitungsgebiet. Allein in Deutschland finden sich zwölf unterschiedliche Pelzbienenarten. Durch den dichten Pelz besteht die Gefahr sie mit kleinen heimischen Hummeln (Bombus) zu verwechseln.

Die 14 bis 16 Millimeter große Anthophora plumipes tritt mit brauner, grauer und schwarzer Färbung in Erscheinung. Dabei haben die grauen Männchen, neben einer hellen Zeichnung auf dem Kopf, die namensgebenden auffälligen langen Haarfransen an den Mittelbeinen (lateinisch: plumipes = an den Füßen gefiedert). Daher wird sie im Englischen ebenfalls sehr treffend mit `Hairy-Footed Flower Bee´ bezeichnet. Die Weibchen der typischen Form sind düster grau- bis schwarzbraun behaart und besitzen eine rostrote Beinbürste.

Beim Nestbau nimmt sie unterschiedlichste Lebensräume in Anspruch. Bevorzugt legt sie ihre Behausungen in Lehmwänden an. Ihre Nistplätze sind vom Flachland bis in die montane Stufe zu finden. Dabei gräbt sie nur wenige Zentimeter lange Nistgänge in Steilwände, Abbruchkanten, ebene Flächen sowie im Siedlungsgebiet in Scheunen und Ställen, bisweilen auch in Trockenmauern. Denn anders als andere Wildbienenarten mag die Frühlings-Pelzbiene auch schattige und kühle Orte. Dabei nistet sie meist kolonieweise mit 150 und mehr Nestern. Die Hauptnistaktivität fällt dabei auf die Monate April und Mai.

Die Frühlings-Pelzbiene fliegt von Mitte März bis Anfang Juni. Dabei treten die Männchen gut drei Wochen vor den Weibchen in Erscheinung. Bei der Nahrungsaufnahme ist die Frühlings-Pelzbiene alles andere als wählerisch. Sie nutzt den Pollen von zwölf Pflanzenfamilien. Sie gehört damit zu den polylektischen Bienenarten. Zu den von ihr aufgesuchten Pflanzen gehört auch die Familie der Primelgewächse, wie zum Beispiel die Mai goldgelb blühende Echte Schlüsselblume (Primula versis). Die länglichen engröhrigen Blüten erschweren die Nahrungsaufnahme. Um an den Nektar zu gelangen, bedarf es langrüsseligen Insekten wie Faltern, Hummeln, oder eben Pelzbienen. Besondere Affinität zeigt Anthophora plumipes gegenüber den Pflanzen-Gattungen Lungenkraut (Pulmonaria), Lerchensporn (Corydalis) und Taubennessel (Lamium). Ihre Zunge ist dicht mit starken Borsten bestanden, was das Herauskratzen des Pollens ermöglicht. Zurzeit lassen sich die Männchen besonders gut an Blaukissen (Aubrieta deltoidea) in Gärten und Parks beobachten.

Literaturnachweise:

http://www.bund-niedersachsen.de/projekte_einrichtungen/projekte/netzwerk_wildbienenschutz/wildbienen_im_portraet/fruehlings_pelzbiene/

http://www.wildbienen.info/steckbriefe/anthophora_plumipes.php

http://www.wildbienen.de/eb-aplum.htm

Amiet, Felix & Albert Krebs (2012): Bienen Mitteleuropas – Gattungen, Lebensweise, Beobachtung, 1. Auflage, Haupt Verlag, Bern

Scheuchl, Erwin & Wolfgang Willner (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas – Alle Arten im Porträt, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim.

Wildbiene des Monats April 2017: Die Graue Lockensandbiene

Wildbiene des Monats April 2017: Die Graue Lockensandbiene (Andrena nycthemera)

Silber-Weide (Salix alba), die Futterpflanze der Grauen Lockensandbiene (© Willow/Wikipedia)

Die Wildbiene des Monats April ist die Graue Lockensandbiene (Andrena nycthemera). Ihr wissenschaftlicher Name leitet sich von den griechischen Worten nyx (= Nacht) und heméra (= Tag) ab. Er nimmt Bezug auf die Tag- und Nachtgleiche. Schon im zeitigen Frühjahr, Mitte März zum Äquinoktium, ist sie anzutreffen.

Die Graue Lockensandbiene weist fast einheitlich eine graue Körperbehaarung auf. Außerdem besitzen die Weibchen dieser Art eine auffallend ausgeprägte Haarlocke am Hinterkopf, wodurch der deutsche Name „Graue Lockensandbiene“ zustande kommt.

Die Graue Lockensandbiene ist heimisch in weiten Teilen Europas, von Ostfrankreich über die Ukraine bis Nordkasachstan, nordwärts bis Dänemark, Südschweden und Estland. Und auch in weiten Teilen Russlands sowie auf der Balkanhalbinsel und in Nordkroatien kommt sie vor.

Sie nistet bevorzugt an vegetationsfreien, sandigen Stellen wie z.B. auf Wegen, Wegrändern und am Fuße von Steilwänden. Meist leben die Bienen in kleineren Gruppen zusammen. Sie sind oft in Sand- oder Kiesgruben, Flussauen, Sandheiden oder Hochwasserdämmen zu finden. Die Nistplätze reichen vom Flachland bis in die kollinen Höhenstufen (> 500 m ü. NN.). Die Graue Lockensandbiene fliegt von März bis Juni und ist streng auf Weiden als Futterpflanze spezialisiert. Sie steht in der Kategorie 3 ("gefährdet") auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Wildbiene des Monats März 2017: Die Gehörnte Mauerbiene

Wildbiene des Monats März 2017: Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) (© Hans-Jürgen Sessner)

Die Gehörnte Mauerbiene ist unsere Biene des Monats März. Da ihr Flugzeit schon Ende Februar beginnen kann, ist diese Bienenart auch bei Temperaturen um 10 °Celsius an den Blüten vieler Blumen zu sehen. Sie lebt polylektisch, das heißt sie sucht an einer Vielzahl von Pflanzen ohne besondere Spezialisierung Pollen und Nektar. Bislang konnte nachgewiesen werden, dass die Gehörnte Mauerbiene die Pollen von 14 Pflanzenfamilien nutzt.

Sie nistet in verschiedenen, bereits vorhandenen Hohlräumen, so zum Beispiel in Totholz, hohlen Pflanzstängeln, verlassenen Erdnestern anderer Hautflügler auf ebenen Flächen oder auch in Steilwänden. Auch Mauerfugen bieten einen geeigneten Nistplatz. Besiedelt werden in der Regel Standorte, die sonnenexponierte Löss- und Lehmwände aufweisen. Dazu gehören Flussufer oder Weinberge. Aber auch in Siedlungsgebieten ist die Mauerbiene oft zu sehen. Denn hier findet sie ihr bevorzugtes Kleinklima.

Die weiblichen Gehörnten Mauerbienen besitzen einen schwarzen Kopf und Thorax. Das Abdomen ist rot behaart. Sie haben am Vorderkopf zwischen den Haaren zwei kleine "Hörnchen", der ihr den Namen gibt. Mit ihrem schwarzen Kopf und Bruststück und fuchsroten Hinterleib könnte diese Bienenart etwas an die "Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene" erinnern. Auch mit den Steinhummel-Arbeiterinnen kann sie von Laien gelegentlich verwechselt werden. Sie wird 12 bis 15 Millimeter groß.

Das Männchen besitzt einen schwarzen Kopf, der leicht metallisch schimmert, an den Seiten mit jeweils einem gebogenen namengebenden Horn. Der Thorax ist ebenfalls schwarz. Das Abdomen einschließlich Bauchbürste ist wie beim Weibchen rot behaart. Die Männchen sind etwas kleiner als die Weibchen. Die männliche Gehörnte Mauerbiene wird nur 11 bis 13 Millimeter groß.

Die Gehörnte Mauerbiene spielt in der Landwirtschaft eine besonders wichtige Rolle. Sie gehört zu den wenigen Solitärbienenarten, die in den Kulturen den Honigbienen und Hummeln vorgezogen wird. Für die Bestäubung eines Hektars einer Apfelplantage reichen nämlich 530 nistende Gehörnte Mauerbienen-Weibchen. Dagegen würde man für die gleiche Fläche etwa 1 bis 2,5 starke Honigbienenvölker mit etwa 50.000 Arbeiterinnen pro Volk zur Bestäubung benötigen. Da 530 Solitärbienen-Weibchen keine große Anzahl an Individuen darstellen, reicht für die Bestäubung kleiner Obstplantagen so schon etwas Platz für Totholz als Nistplatz und einmalig eine Mauerbienen-Startpopulation.

Wildbiene des Monats Januar 2017: Die Schwebebiene

Wildbiene des Monats Januar 2017: Die Schwebebiene (Melitturga clavicornis)

Schwebebiene (männliches Exemplar) (© Luc Verhelst. Lizensiert unter CC_BY-SA_3.0 über observado.org)

Wir widmen uns im Januar einer bei uns verschollenen Art: die Schwebebiene Melitturga clavicornis. Das letzte Mal wurde sie 1959 im Osten Deutschlands gesichtet. Schwebebienen werden ungefähr 13-16mm groß. Die Männchen haben charakteristisch große blau-milchige Augen, ihre Fühler sind keulenförmig (wie ein Baseballschläger) und ihr Gesicht ist auffallend gelb gefärbt. Weibchen haben im Gegensatz zu den Männchen ein unauffälligeres Aussehen. Sie besitzen keine blauen Augen, dafür haben sie eine dezent weiße Fleckung am Kopfschild.

M. clavicornis gehört zu den ca. 75% der Bienenarten, die ihre Nester in den Boden bauen. Am liebsten bauen sie ihre 5-35 cm langen Brutzellen an ebenen, nur schütter bewachsenen Stellen. Die Schwebebienen sind einzeln lebende Bienen, dennoch werden Nester meist in kleineren Kolonien gebaut, und es kann auch zwei Weibchen pro Nest geben. Auch interessant: Die Larven bilden keinen Kokon und überwintern scheinbar nur als Ruhelarve.

Schwebebienen fliegen in den Sommermonaten von Juni bis August. M. clavicornis ist auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Sie ist also eine "oligolektische" Art, das bedeutet, sie sucht nur Pflanzenarten dieser Familie für Nahrung. Das Pollensammeln findet auf eine besondere Weise statt: Weil ihnen die Hinterschienenbürste fehlt, an die viele andere Bienen die Pollen heften, transportieren Schwebebienen die Pollen in Form eines Ringes rund um die Hinterschienen. Damit die leichten Pollenkörner nicht vom Winde verwehen, befeuchten die Bienen den Pollen vorher mit Nektar. Dies machen auch viele andere Bienenarten.

Wildbiene des Monats Oktober 2016: Die Efeu-Seidenbiene

Wildbiene des Monats Oktober: Die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae)

Efeu-Seidenbiene (© Wofl. Lizensiert unter CC_BY_SA_2.5 über Wikimedia Commons)

Die 8,5 bis 14,5 Millimeter große Efeu-Seidenbiene erscheint erst im September und kann sogar bis Ende Oktober beobachtet werden. Sie ist in ganz Süd- und Mitteleuropa sowie im Süden Großbritanniens verbreitet. In Deutschland ist derzeit ihre Ausbreitung von Süd- und Westdeutschland nach Norden und Osten zu beobachten. Diese Entwicklung und die zunehmende Verbreitung der Efeu-Seidenbiene in Gärten, Parkanlagen und auf Friedhöfen haben dazu geführt, dass die Bienenart erfreulicherweise von der Roten Liste der im Bestand bedrohten Wildbienenarten gestrichen werden konnte.

Die Efeu-Seidenbiene legt ihre Nistkammern unterirdisch in ebenen Flächen und auch in Steilwänden an. Dabei bevorzugt sie wenig bewachsene Löß- und Sandböden. Die Nistgänge können bis zu 60 Zentimeter in die Erde reichen und führen zu vier bis sechs Brutzellen. Diese können einzeln oder auch hintereinander liegen. Zuweilen kann man mehr oder weniger große Ansammlungen von Nestern der Efeu-Seidenbiene finden. Solche Aggregationen haben den Vorteil, dass die Nester besser vor Räubern geschützt sind, da immer die eine oder andere Biene vor Ort ist.

Wegen ihrer großen Ähnlichkeit mit zwei anderen Seidenbienenarten wurde die Efeu-Seidenbiene erst Anfang der 1990er-Jahre als eigene Art identifiziert. Erst damals wurde erkannt, dass sie auf den Pollen des Efeus (Hedera helix) spezialisiert ist. Untersuchungen der letzten Jahre haben aber gezeigt, dass die Efeu-Seidenbienen beim Pollensammeln durchaus flexibel agieren. So weichen sie, wenn der Efeu noch nicht blüht, auf den Pollen anderer Pflanzen aus. Sobald aber die Efeublüte einsetzt, sammeln sie nur noch dort.

Wie können wir die Efeu-Seidenbiene unterstützen?

Birgit Brandlhuber / Shutterstock.com

Natürlich indem wir mehr Efeu pflanzen! Damit helfen wir zugleich zahlreichen anderen Insekten und auch Vogelarten. Für überwinternde Insekten, wie beispielsweise die Honigbienen, einige Schmetterlinge, Hummel- oder Wespenköniginnen, ist der Efeu in der blütenarmen Herbstzeit von immens großer Bedeutung. Die zwischen Januar und April reifenden Beeren stellen eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten dar. Diese finden zudem im dichten Blattwerk gute Ruhe- und auch Nistplätze. Für den Menschen sind die Beeren jedoch giftig! Wenn Sie ein Rankgitter verwenden, stellt der Efeu keine Gefahr für das Mauerwerk dar. Die Pflanze bevorzugt schattige Plätze. Das ist auch der Grund, wieso Efeu nicht an sonnigen Fassaden wächst. Die dort herrschende Helligkeit veranlasst die Triebe in die entgegengesetzte Richtung zu wachsen. Zuletzt sei noch angemerkt, dass der Efeu die Bäume nur als Rankhilfe nutzt und ihnen – anders als häufig vermutet – keinen Schaden zufügt.

Wildbiene des Monats September 2016: Die Auen-Schenkelbiene

Wildbiene des Monats September: Die Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea)

Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea) © Hans-Jürgen Sessner

Die zwischen acht und neun Millimeter große Auen-Schenkelbiene ist in ganz Europa bis in den Süden Skandinaviens und vom Flachland bis in Höhen um die 1.000 Meter verbreitet. Sie fliegt in der Zeit zwischen Juni und September in eher feuchten Gebieten wie in Auwäldern und Mooren, an Gewässersäumen und Hochwasserdämmen.

Schenkelbienen sind im deutschsprachigen Raum nur mit zwei Arten vertreten. Beide Arten sind ausgesprochene Spezialisten. Sie zeichnen sich durch eine Besonderheit aus, die bei keiner anderen Bienenart unserer Breiten zu finden ist: Zur Ernährung ihrer Brut nutzen sie neben Pollen auch Pflanzenöle. Nektar sammeln sie dagegen nicht. Die Pollen und das Öl sammeln die Schenkelbienen ausschließlich an den Pflanzen der Gattung Gilbweiderich (Lysimachia), die eben keinen Nektar produziert. Die Auen-Schenkelbiene nutzt fast ausschließlich den Gewöhnlichen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Das in den Blüten des Gilbweiderichs aus Drüsenhaaren abgesonderte fette Öl nutzen die Schenkelbienen auch zur Auskleidung ihrer Brutzellen. Es dient hier dem Zweck, die Zellen gegen Feuchtigkeit und Schädlingsbefall zu schützen. Die Nistzellen befinden sich nur wenige Zentimeter unter der Erde am Ende eines etwa 8 Zentimeter langen Ganges. Anders als die meisten in der Erde nistenden Wildbienenarten bevorzugt die Auen-Schenkelbiene für den Nestbau bewachsene Bodenstellen. Daher sind die Eingänge der Nistbereiche vor den Blicken von Räubern gut geschützt und auch für uns nur sehr schwer aufzufinden.

Die speziell für den Transport des Pflanzenöls angepassten Sammelbürsten der weiblichen Schenkelbienen hat ihnen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern eingebracht. Die Bürsten zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht verkleben und dass die Körbchenhaare das bis zu 30-fache ihres Eigengewichts aufnehmen können. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie diese in der Natur geschaffenen Härchen nachbauen und zukünftig für die Beseitigung von Ölteppichen auf Gewässern verwenden können.

Gewöhnlicher Gilbweiderich (© MurielBendel. Lizensiert unter CC_BY_SA_4.0 über Wikimedia Commons)

Wie wir der Auen-Schenkelbiene helfen können:

Durch die Pflanzung des Gewöhnlichen Gilbweiderichs (Lysimachia vulgaris) können Sie der Auen-Schenkelbiene ohne viel Aufwand unter die Flügel greifen. Diese zu der Familie der Primelgewächse (Primulaceae) gehörende Pflanze wird bis zu 150 Zentimeter hoch. Sie ist an feuchte bis nasse Standorte gebunden und bevorzugt moorige oder sandig-lehmige Böden. Ein idealer Standort im Garten ist dementsprechend der Uferbereich eines Gartenteichs. Am wohlsten fühlt sich der Gewöhnliche Gilbweiderich an halbschattigen bis schattigen Standorten. Wo er reichlich Feuchtigkeit bekommt, verträgt er aber auch vollsonnige Standorte.

Wildbiene des Monats August 2016: Die Knautien-Sandbiene

Wildbiene des Monats August: Die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana)

Andrena hattorfiana (© Martin Andersson. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die 14 bis 16 Millimeter großen Knautien-Sandbienen schwirren von Mai bis August durch unsere Landschaft. Sie sind in ganz Europa heimisch und können vom Flachland bis in Höhen von etwa 2.000 Metern leben. Bevorzugte Lebensräume der Knautien-Sandbiene sind trockene Wiesen, Böschungen, Deiche und Dämme sowie sonnige Waldsäume. Ihre Nistgänge legt diese Biene im Erdreich an. Dabei favorisiert sie waagerechte bis leicht schräge, wenig bewachsene und gut besonnte Flächen.

Die Knautien-Sandbiene ist eine ausgesprochene Spezialistin. Sie sammelt ihren Pollen nur auf Kardengewächsen. Bei uns in Deutschland sucht sie dazu überwiegend die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) auf. Wenn nötig, weicht sie aber auch auf die Wald-Witwenblume (Knautia dispacifolia) oder die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) aus. Diese starke Nahrungsspezialisierung verursacht der Biene in unserer Zeit leider mehr und mehr Probleme. Ihre auf trockene und eher nährstoffarme Böden angewiesenen Pollenlieferanten findet sie nämlich zunehmend seltener. Schuld daran ist in erster Linie die anhaltende Überdüngung unserer Böden, die zugleich zu einer Vernässung führt. Hauptverursacherin ist hier die moderne Landwirtschaft, deren Nährstoffeinträge zum stetigen Rückgang magerer und trockener Standorte führen. Gerade dort findet sich jedoch eine besonders hohe Zahl unterschiedlicher Pflanzenarten. So verwundert es nicht, wenn inzwischen besorgniserregend viele dieser Pflanzen wie auch die von ihnen abhängigen Tiere auf der Roten Liste erscheinen. Zu den bedrohten Arten gehört auch die Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana).

Knautia arvensis (© Svdmolen. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wie wir helfen können: Ganz leicht können Sie unsere Biene des Monats unterstützen. Am besten pflanzen Sie Acker-Witwenblumen in ihrem Garten oder auf ihrem Balkon. Sie werden mit dieser hübschen, ausdauernden Staude auch vielen anderen Insekten eine Freude machen. Die Acker-Witwenblumen gehört zu den Geißblattgewächsen, die durch die leichte Zugänglichkeit der Blüten sehr vielen Insekten Futter bieten. Ihre Samen dienen zudem Vögeln als Nahrung. Die Acker-Witwenblume blüht im Juli und August und ist recht anspruchslos. Sie erreicht eine Wuchshöhe zwischen 30 und 80 Zentimetern. Am besten gedeiht sie an sonnigen Standorten und auf wasserdurchlässigen, eher trockenen Böden.

Wildbiene des Monats Juli 2016: Die Blutweiderich-Sägehornbiene

Wildbiene des Monats Juli: Die Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans)

 

Melitta nigricans (© Dick Belgers. Lizensiert unter CC_BY_3.0 über Wikimedia Commons)

Die Blutweiderich-Sägehornbiene ist nur 10 bis 12 Millimeter groß. In Deutschland ist sie mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in allen anderen Bundesländern nachgewiesen worden. Sie ist aber auch weit darüber hinaus verbreitet und kommt von Südspanien bis an den Ural und nördlich bis auf die Höhe von Moskau und ins  Baltikum vor. Während die Art in der Schweiz als stark gefährdet gilt, wurde für Deutschland bisher keine besondere Gefährdungslage ausgesprochen.

Die Flugzeit der Blutweiderich-Sägehornbiene erstreckt sich von Juli bis September. Auffällig ist, dass die Männchen dieser Art bis zu drei Wochen früher ausfliegen als die Weibchen. Das als Proterandrie bezeichnete Phänomen ist bei fast allen heimischen Wildbienenarten anzutreffen. Allerdings beträgt die Differenz in der Regel nur wenige Tage, nicht Wochen. Ihre Eier legt die Blutweiderich-Sägehornbiene im Erdreich ab. Sie gräbt einen mit 10 Zentimeter Länge vergleichsweise kurzen senkrechten Hauptgang. Von ihm zweigen kurze Seitentunnel ab, an deren Ende sich jeweils eine einzelne Brutzelle befindet. Zum Schutz vor Feuchtigkeit, die zu Pilzbefall führen könnte, werden die Innenwände der Zellen mit einem speziellen körpereigenen Sekret bestrichen. Andere Wildbienenarten nutzen beispielsweise die isolierenden Eigenschaften von Blättern, Blütenstücken oder Pflanzenhaaren für das Auskleiden und Stabilisierung ihrer Brutzellen.

Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria) (© Duncan Harris. Lizensiert unter CC_BY_2.0 über Wikimedia Commons)

Die Bezeichnung Blutweiderich-Sägehornbiene verweist auf die Abhängigkeit dieser Art von der Pflanzengattung der Blutweideriche (Lythrum). Beim Sammeln von Blütenpollen, der für die Verpflegung ihrer Nachkommen benötigt wird, ist die Blutweiderich-Sägehornbiene streng auf die Mitglieder dieser Pflanzengattung spezialisiert. In Mitteleuropa dient ihr der Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria) nicht nur als primärer Pollenlieferant, er stellt auch die Hauptnektarquelle für beide Geschlechter der Bienenart dar. Diese Pflanze benötigt feuchte bis nasse Standorte und wächst entsprechend bevorzugt an den Ufern von Wasserläufen, Teichen und Seen sowie in Röhrichten und Sümpfen. Der Blutweiderich bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit nährstoff- und humusreichen Böden. Er erreicht eine Höhe zwischen 50 und 120 Zentimeter und blüht von Juni bis September.

Wildbiene des Monats Juni 2016: Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene

Wildbiene des Monats Juni: Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene (Andrena humilis)

Andrena humilis (© Dick Belgers. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die Gewöhnliche Dörnchensandbiene kommt in ganz Deutschland vor und bevorzugt trockene Wiesen, Sand- und Kiesgruben, Dämme und besonders Waldsäume als Lebensraum. Auch in den Gärten und Parkanlagen von Siedlungsbereichen ist sie bisweilen anzutreffen.

Obwohl noch vergleichsweise häufig, wurde die Art wegen rückläufiger Tendenzen inzwischen in die Vorwarnliste der Roten Liste aufgenommen. Ihre Nester gräbt Andrena humilis in nicht oder spärlich bewachsenen Sand- oder lockeren Lehmboden. Hier legen die Weibchen in 10 bis 25 Zentimeter Tiefe rund 5 Brutzellen an, die sie mit jeweils einem Pollenbrot (Futterproviant aus Pollen und Nektar) bestücken auf das sie dann ein Ei legen. Unter günstigen Bedingungen kommt es auch zu Konzentrationen von mehreren Nestern an einer Stelle.

Orangerotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum (© Rita Erfurt. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wie bei einigen anderen Wildbienenarten auch, patrouillieren die Männchen der Gewöhnlichen Dörnchensandbiene auf der Suche nach Weibchen an den bevorzugten Nahrungspflanzen der Art. Es handelt sich dabei um Korbblütler der Unterfamilie Cichorioidea, auf welche diese Art zum Pollensammeln spezialisiert ist. Hierzu gehören beispielsweise Habichtskräuter, Ferkelkräuter oder auch die Löwenzahnarten. Das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum) ist ein optisch besonders attraktiver Vertreter dieser Unterfamilie. Es erreicht Wuchshöhen von 20 bis 40 Zentimeter und blüht zwischen Juni und August. Es wird von Gärtnern geschätzt und eignet sich auch sehr gut als Bodendecker.

Wildbiene des Monats Mai 2016: Die Lappländische Sandbiene

Wildbiene des Monats Mai: Die Lappländische Sandbiene (Andrena lapponica)

Lappländische Sandbiene (Andrena lapponica) (© James Lindsey at Ecology of Commanster. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Die 9 bis 13 mm großen Lappländischen Sandbienen fliegen zwischen April und Juni. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Norditalien und Nordspanien bis in den Norden Skandinaviens. In den Alpen sind sie bis in Höhen von 2.200 Metern anzutreffen. Zur Eiablage graben die Weibchen Erdnester, von denen meist mehrere in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander angetroffen werden können. Solche Nestansammlungen entstehen meist dann, wenn neben den günstigen Nistbedingungen auch ein nahe gelegenes, reichhaltiges Nahrungsangebot angetroffen wird.


Lappländische Sandbienen gehören zu den oligolektischen Wildbienenarten. Das bedeutet, dass sie Blütenpollen ausschließlich an einer oder sehr wenigen nah verwandten Pflanzenarten sammeln. Im vorliegenden Fall handelt es sich dabei um früh blühende Heidekrautgewächse (Ericaceae). Aus dieser Pflanzenfamilie sind das besonders Pflanzen der Gattung Heidelbeere (Vaccinium). Der Lebensraum der Lappländischen Sandbiene korrespondiert entsprechend mit der Blüte dieser Pflanzen und ihrer Lebensräume. Das sind lichte Nadelwälder und deren Ränder sowie Moore und Bergheiden.

Blühende Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) (© Rosa-Maria Rinki. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia Commons)

Wenn Sie über einen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon verfügen, können Sie die Lappländische Sandbiene unterstützen, indem Sie etwa Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) oder Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idaea) anpflanzen. Davon profitieren nicht nur die Bienen. Die Beeren stellen darüber hinaus auch eine gesunde Bereicherung des menschlichen Speiseplans dar. Die Lappländische Sandbiene hat Hilfe dringend nötig. Aufgrund der Tatsache, dass ihre Bestände in den letzten Jahren merklich zurückgegangen sind, wurde sie auf die Vorwarnliste der Roten Liste für Deutschland aufgenommen.

Wildbiene des Monats April 2016: Die Hahnenfuß-Scherenbiene

Wildbiene des Monats April: Die Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis)

Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Die nur etwa 7-11 mm große Hahnenfuß-Scherenbiene fliegt von April bis Juni. Sie gehört zu den etwa 30 % der Bienenarten, die in Hohlräumen in Totholz oder hohlen Pflanzenstängeln nisten und nimmt Nisthilfen gerne in Anspruch. Hier bezieht sie die Bohrungen und Halme mit einem Durchmesser zwischen 3 und 5 mm und baut dort meist 2 bis 3, maximal 5 Brutzellen. Verschlossen wird das Nest mit einem Gemisch aus mit Nektar oder Speichel angefeuchteter Erde und kleinen Steinchen. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Geschlechterverhältnis der Nachkommen offenbar vom Durchmesser der Brutröhre beeinflusst wird. So ist die Zahl der Weibchen in Brutröhren mit weiterem Durchmesser deutlich größer.

Nestverschluss der Hanhenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Die erste Brutzelle wird von der Hahnenfuß-Scherenbienen meist erst einige Zentimeter vom Eingang entfernt angelegt, so dass ein Vorraum, ein so genanntes Atrium, entsteht. Man geht davon aus, dass dieses dem Schutz vor parasitierenden Schlupfwespen dient. Diese nutzen ihren langen Legestachel um ihre Eier in die Larven anderer Insekten zu legen, die ihrem Nachwuchs dann als Nahrung dienen. Die Larven der Hahnenfuß-Scherenbiene schlüpfen spätestens nach 5 Tagen und ernähren sich von dem in ihrer Brutzelle vom Muttertier hinterlassenen Nektar-Pollengemisch. Wenn sie ausgewachsen sind bauen sie zunächst einen Kokon und verwandeln sich dann, etwa 6 bis 7 Wochen nach dem Schlüpfen, in eine Puppe. In diesem Zustand überdauern sie bis ins darauf folgende Frühjahr.

Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) © Hans-Jürgen Sessner

Der deutsche Name Hahnenfuß-Scherenbiene verweist auf die Tatsache, dass diese Art auf den Pollen von Hahnenfußarten spezialisiert ist. Mann kann sie also leicht durch das Anpflanzen von Hahnenfußgewächsen unterstützen. Bisher sind Knolliger, Kriechender, Scharfer und Wolliger Hahnenfuß als Pollenquelle der Hahnenfuß-Scherenbiene nachgewiesen. Vorsicht ist im eigenen Garten beim Kriechenden Hahnenfuß geboten, der unterirdische Ausläufer nach allen Seiten bildet und so in kurzer Zeit große Flächen erobern kann.

Wildbiene des Monats März 2016: Die Frühe Sandbiene

Wildbiene des Monats März: Die Frühe Sandbiene (Andrena praecox)

Foto Frühe Sandbiene
Frühe Sandbiene (Andrena praecox) © Hans-Jürgen Sessner

Als eine der ersten Wildbienenarten des Jahres taucht die Frühe Sandbiene auf. Ihr Erscheinen Ende Februar oder Anfang März hängt damit zusammen, dass sie auf den Blütenpollen von Weidengewächsen spezialisiert ist. Sie benötigt den eiweißreichen Pollen als Futter für ihre Nachkommen. Insbesondere einige Bienenarten der Gattung Andrena sind auf Weidenpollen spezialisiert. Die Bezeichnung Sandbienen verweist darauf, dass alle diese Arten ihre Nester im Erdreich anlegen. Dies hängt damit zusammen, dass auch Weidenbäume feuchte Sand- und Sandlehmböden als Wuchsstandort bevorzugen und Wildbienen ihre Nester meist in unmittelbarer Nähe ergiebiger Nahrungsquellen anlegen. Kurze Wege zu ertragreichen Pollenständen erhöhen die Fortpflanzungsrate. Denn je mehr Pollen sie sammeln, desto mehr Brutzellen können mit einem Futtervorrat versehen werden.

Für die Verproviantierung einer einzigen Brutzelle benötigen Wildbienen jedoch große Pollenmengen. Je nach Bienenart und dem Pollenangebot ihrer Nahrungspflanzen müssen dafür viele Dutzend bis mehrere Hundert Blüten aufgesucht werden. Durch ein unzureichendes Pollenangebot kann es nicht nur dazu kommen, dass weniger Nachkommen produziert werden. Auch die Überlebensfähigkeit der Nachkommen wird beeinträchtigt, weil sich die Mangelernährung auf die Größe und Widerstandkraft der Tiere auswirkt.

Foto Ohr-Weide
Ohr-Weide (Salix aurita) (© Willow. Lizensiert unter CC_BY_2.5 über Wikimedia Commons)

Die Ohr- und die Grau-Weide (Salix aurita und Salix cinerea) bieten auch den Besitzern von Klein- und Privatgärten die Möglichkeit etwas für die auf Weiden spezialisierten Bienenarten wie die Frühe Sandbiene zu tun. Die beiden Weidenarten wachsen als Strauchform und werden nur etwa 2 bis 4 Meter hoch. Generell bevorzugen Weiden feuchte Böden. Die Ohr-Weide allerdings gedeiht auch auf mäßig trockeneren Böden. Sie eignet sich ebenso für kleinere Gärten. Ohr- und Grau-Weide bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte.

 

Wildbiene des Monats Februar 2016: Die Kleine Holzbiene

Wildbiene des Monats Februar: Die Kleine Holzbiene (Xylocopa iris)

Foto Kleine Holzbiene
Kleine Holzbiene (Xylocopa iris) © Gideon_Pisanty, lizensiert unter CC_BY_SA_3 über Wikimedia Commons

Die "Kleine Holzbiene" ist eine der 39 Wildbienenarten, die in der Kategorie "ausgestorben oder verschollen" auf der Roten Liste für Deutschland geführt werden. Sie konnte bisher nur einmal in Südwest-Deutschland sicher nachgewiesen werden. Das war im Jahr 1957. Ihr Hauptverbreitungsgebiet befindet sich in Südeuropa. Im deutschsprachigen Raum ist sie nur noch in Niederösterreich und der Westschweiz vereinzelt anzutreffen.

Die Kleine Holzbiene bevorzugt warmtrockene offene Landschaften. Beim Pollensammeln präferiert sie Lippen- und Schmetterlingsblütler. Zum Nisten benötigt diese Art dünne, aufrechte Pflanzenstängel des Vorjahres. So legt sie beispielsweise in den Halmen von Bärenklau, Disteln, Sonnenblumen oder auch Holunder ihre Nistzellen an. Hierbei nagt sie zunächst im unteren Bereich eine Öffnung in den Stängel und höhlt diesen dann nach oben hin aus. Als nächstes kappt sie den Halm am oberen Ende des Hohlraums. Die dabei entstehende Öffnung verschließt sie mit einem Pfropfen aus dem zuvor entfernten Mark. Dies hat wahrscheinlich den Zweck, die Gefahr von Windbruch zu reduzieren. Das zuvor herausgeräumte Mark nutzt die Kleine Holzbiene im Anschluss auch zum Bau der Trennwände zwischen den einzelnen Nistzellen.

Kleine Holzbiene (Xylocopa iris) © Gideon_Pisanty, lizensiert unter CC_BY_SA_3 über Wikimedia Commons

Holzbienen gehören zu den wenigen heimischen Wildbienenarten, die bereits im Jahr der Eiablage schlüpfen. Bei der Kleinen Holzbiene erfolgt der Schlupf nach etwa anderthalb bis zwei Monaten. Die ungewöhnlich langlebigen Weibchen der Holzbienen leben dann noch bis zu ihrem Tod im Herbst mit ihrem Nachwuchs zusammen, der in der Niströhre heranwächst. Holzbienen überwintern einzeln oder in Gruppen in ihren Geburtsnestern oder in anderen Hohlräumen. Die Paarung erfolgt erst im folgenden Frühjahr.

Während die Kleine Holzbiene in Deutschland als ausgestorben gilt, breitet sich die deutlich größere Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) derzeit nach Norddeutschland aus. Nach Niedersachsen und der Umgebung von Berlin hat sie im Jahr 2014 auch Schleswig-Holstein erreicht. Als Grund für ihre Ausbreitung werden die Klimaveränderungen der letzten Jahrzehnte angenommen. Mit der Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur verschiebt sich die Verbreitungsgrenze einzelner Arten weiter nach Norden. Dieser Umstand dürfte auch der Grund für das Vordringen der dritten in Mitteleuropa vertretenen Holzbienenart, der Östlichen Holzbiene (Xylocopa valga), nach Deutschland sein. Sie wurde im Jahr 2011 an zwei Stellen im äußersten Südwesten Deutschlands nachgewiesen.