Naturgarten

Insektenfreundlicher Garten: Strukturen

Bienen und andere Insekten brauchen nicht nur Nahrung, sondern auch ein „Dach über dem Kopf“. Daher können Sie mit vielfältigen Strukturen im Naturgarten helfen.

Damit lockt Ihr bienenfreundlicher Garten Hummeln & Co. an:

Trockenmauer
trockenmauer

Trockenmauern sind Natursteinmauern, deren Fugen nicht mit Mörtel verfüllt sind und deren Mauerfuß unbefestigt bleibt. So können Sie die Fugen bepflanzen. An Trockenheit und magere Boden angepasste Pflanzen fühlen sich hier wohl. In den Mauernischen finden viele Insekten wie Wildbienen und Hummeln Unterschlupf.

Kleiner Hinweis: Der Bau einer höheren Trockenmauer ist anspruchsvoll und sollte gut geplant sein. Doch die Mühe lohnt - Ihr insektenfreundlicher Garten gewinnt dadurch wertvollen Lebensraum, der auch optisch besticht!

Mehr Informationen zur Trockenmauer finden Sie hier.

Kräuterspirale
Bau einer Kräuterspirale im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow
Bau einer Kräuterspirale im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow © Sebastian Runge

Ein insektenfreundlicher Garten lebt von seiner Pflanzen- und Strukturvielfalt. Wie wäre es, wenn Sie eine Trockenmauer als „Kräuterspirale“ anlegen?

Sie können eine Kräuterspirale zu jeder Jahreszeit bauen. Die Übergangszeiten eigenen sich aber am besten dazu. Der Grund: Temperaturen unter 10 °C und über 20 °C sind vermutlich zu kalt beziehungsweise zu warm für diese körperlich schwere Tätigkeit.

Die ideale Jahreszeit für die Bepflanzung einer selbstgebauten Kräuterspirale ist das Frühjahr. Wenn die Temperaturen über 0 °C liegen, können Sie Kräuter jedoch bis in den Sommer und Herbst pflanzen und dann fleißig ernten.

Oben trocken, unten feucht

In einer Kräuterspirale gibt es verschiedene Zonen. Diese unterscheiden sich in ihrem Feuchtigkeitsgehalt und bieten somit ganz unterschiedlichen Pflanzen geeigneten Lebensraum:

Teich vor der Kräuterspirale:

  • Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia)
  • Drachenwurz (Calla palustris)
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
  • Wassernuss (Trapa natans)

Feuchter Bereich (Sumpfbereich):

  • Blutampfer (Rumex sanguineus)
  • Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
  • Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Waldmeister (Galium odoratum)
  • Wasserminze (Mentha aquatica)

Mittlere, mäßig feuchte Zone:

  • Basilikum (Ocimum basilicum)
  • Bärlauch (Allium ursinum)
  • Dill (Anethum graveolens)
  • Echter Kerbel (Anthriscus cerefolium)
  • Estragon (Artemisia dracunculus)
  • Liebstöckel (Levisticum officinale)
  • Melisse (Melissa officinalis)
  • Petersilie (Petroselinum crispum)

Mittlere, trockene Zone:

  • Borretsch (Borago officinalis)
  • Echter Koriander (Coriandrum sativum)
  • Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
  • Pfefferminze (Mentha ×piperita)
  • Pimpinelle (Sanguisorba minor)
  • Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Mediterrane Zone:

  • Ananas-Salbei (Salvia elegans)
  • Currykraut/Italienische Strohblume (Helichrysum italicum)
  • Echter Lorbeer (Laurus nobilis)
  • Echter Thymian (Thymus vulgaris)
  • Lavendel (Lavandula angustifolia)
  • Majoran (Origanum majorana)
  • Oregano (Origanum vulgare)
  • Rosmarin (Salvia rosmarinus)
  • Ysop (Hyssopus officinalis)
Lesesteinhaufen
lesesteinhaufen

Ein Lesesteinhaufen bietet Versteckmöglichkeiten, einen Sonnenplatz und ein Winterquartier für viele Tiere – darunter Eidechsen, Schlangen, Lurche, Ameisen, Bienen und Grabwespen. Auch für wärme- und trockenheitsliebende Pflanzen ist er attraktiv.

Die Errichtung eines Steinhaufens ist wesentlich einfacher als der Bau einer Trockensteinmauer. Er sollte in sonniger Lage platziert und möglichst windgeschützt sein. Ein insektenfreundlicher Garten braucht nicht immer viel – nutzen Sie einen Lesesteinhaufen auch in Ihrem Garten!

Tipps:
Kurzhinweise zur Anlage von Steinhaufen (UMG Umweltbüro Grabher)
Praxismerkblatt Steinhaufen und Steinwälle (karch Koodinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz)

Totholzhaufen
totholzhaufen

Vor allem in größeren Gärten lässt sich an geeigneten Stellen Holz zu Reisig- oder Totholzhaufen aufschichten. Auch Laub, Wurzeln oder Aststücke sind zur Beigabe geeignet. Und selbst in kleinen Gärten können Sie unter Sträuchern einen Totholzhaufen anlegen.

Ein Totholzhaufen bietet Lebensraum und Unterschlupf für viele Insekten, Spinnen, Reptilien, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger. Der Haufen kann z. B. Frösche, Molche (als Überwinterungsplatz), Spitzmäuse, Zauneidechsen, Igel und Mauswiesel beherbergen. Außerdem bietet er Nistmöglichkeiten und reichlich Nahrung für Zaunkönig, Rotkehlchen und Grasmücke. Auch einige Wildbienenarten legen ihre Eier in das Totholz. Tiere nutzen Totholzhaufen somit für ganz unterschiedliche Zwecke: als Ort für ihre Entwicklung, zum Überwintern, zum Nisten oder als Rückzugsgebiet. Was wäre ein insektenfreundlicher Garten ohne diese wichtige Gartenstruktur?

Tipps:
Infoblatt „Wertvoller Lebensraum für Tiere: Totholz im Garten“ (Landesverband Rheinland der Gartenfreunde e. V.)

Habitatbaum
totholzhaufen

Bäume mit besonders hohem ökologischem Wert werden als „Habitatbäume“ oder „Biotopbäume“ bezeichnet. Sie bieten ungewöhnlich vielen Tieren, Pflanzen und Pilzen Lebensraum und stellen wichtige Mikrolebensräume dar.

Meist leben hier auch zahlreiche hochspezialisierte und schützenswerte Arten. Habitatbäume gelten daher als „Hotspots der Artenvielfalt“. Es handelt sich dabei oft um sehr alte, teils bereits absterbende oder tote Bäume.

Für einige Wildbienenarten sind insbesondere die abgestorbenen Teile von Bäumen wichtig, da sie dort ihre Brutkammern anlegen. Auch Kleingärten sind als Standort von Habitatbäumen wichtig. Beherbergt Ihr insektenfreundlicher Garten auch Habitatbäume?

Tipps:

Weiterführende Infos in unserem Beitrag „Habitat- oder Biotopbäume, Hotspots der Artenvielfalt“

Sandlinse

Wussten Sie, dass etwa drei viertel aller Wildbienenarten im Boden nisten? Sie brauchen dafür vor allem offene Bodenstellen, Abbruchkanten oder sogenannte „Sandlinsen“ oder „Sandarien“. Ein insektenfreundlicher Garten zeichnet sich daher auch durch offene sandige Bereiche aus.

Kurzanleitung Sandlinse

Heben Sie ein Fläche von mindestens 50 x 50 x 50 cm an einer sonnigen Stelle aus und füllen Sie diese mit bindigem Sand. Der Sand sollte in der Hand gut formbar sein und nicht zu leicht rieseln, da ansonsten die Brutgelege der Insekten keinen Halt haben. Halten Sie die Sandlinse frei von Bewuchs und umranden Sie sie gegebenenfalls mit dornigen Ästen, sodass sie nicht zum Katzenklo wird. Schon bald werden Sie viele Wildbienen und andere Insekten beim Bau von Nestern beobachten können.

Wildbienen-Nisthilfe

Möchten Sie Wildbienen bei Ihrem Brutgeschäft beobachten, eignen sich Nisthilfen hervorragend dazu. Ein insektenfreundlicher Garten bietet mit den Nisthilfen beispielsweise Gehörnten Mauerbienen, Löcher- und Seidenbienen attraktiven Lebensraum.

Tipp:

Lesen Sie hier, was eine gute Wildbienen-Nisthilfe ausmacht.

Gartenteich / Wasserstelle
Naturgartenteich
Neu angelegter Gartenteich im erweiterten Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow © SMU/Cornelis Hemmer

Ein insektenfreundlicher Garten braucht eine Wassestelle. Es muss nicht immer ein großer Teich sein. Schon die kleinste Wasserstelle mit flachem Ufer und wenigen Wasserpflanzen bietet Wasser für Honigbienen und Vögel sowie Lebensraum für Frösche und Molche.

Probieren Sie es aus. Schon ein Einziger Quadratmeter Fläche genügt. Bepflanzen Sie die Wasserstellen mit feuchtigkeitsliebenden heimischen Blühstauden.

Übrigens: Wildbienen decken ihren Flüssigkeitsbedarf hauptsächlich über Nektar, benötigen aber Wasser als Baustoff für ihre Nester.

Folgende Pflanzen fühlen sich in einem Gartenteich wohl:

Tiefwasserzone mit Unterwasserpflanzen:

  • Glänzendes Laichkraut (Potamogeton lucens)

Schwimmpflanzen:

  • Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes)
  • Wassersalat (Pistia stratiotes)

Tiefwasserpflanzen (Wasssertiefe 30 bis 100 cm):

  • Gelbe Teichrose (Nuphar lutea)
  • Laichkraut (Potamogeton natans)
  • Seekanne (Nymphoides peltata)
  • Wasserfeder (Hottonia palustris)
  • Wassernuss (Trapa natans)

Sumpfwasserpflanzen (Wasssertiefe 10 bis 30 cm):

  • Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
  • Grasblättriger Froschlöffel (Alisma gramineum)
  • Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia)
  • Schwanenblume (Butomus umbellatus)
  • Tannenwedel (Hippuris vulgaris)

Teich, Uferpflanzen (Wassertiefe 0 bis 20 cm):

  • Blaugrüne Binse (Juncus inflexus)
  • Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
  • Fieberklee (Menyanthes trifoliata)
  • Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus)
  • Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)
  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
  • Wasserminze (Mentha aquatica)
  • Wollgras (Eriophorum angustifolium)
Rückzugsort im Winter
neuharlingersiel

Viele Gartenbesitzer haben eine Angewohnheit: Sie machen ihren Garten auf eine Art und Weise „winterfest“, dass auch das letzte Blättchen in der Mülltonne verschwindet. Kein Zweig bleibt liegen, alle Stauden werden gestutzt und die Erde blank und schutzlos dem Winter überlassen – und damit auch die in und auf dem Boden lebenden Bewohner. „Sehr gepflegt!“würde der Gartenbesitzer sagen. Ob das hilfreich ist?

In der Natur kommt das nicht vor. Ebenso wenig aufgeräumt ist ein insektenfreundlicher Garten. Insekten, Würmer, Igel, Kröten, Blindschleichen und andere Tiere finden dort immer genügend Laub, Äste oder Mauerritzen, in denen sie sich im Winter vor Kälte schützen können.

Viele Wildbienen legen ihre Eier in vorhandene oder selbst gebohrte Löcher in holzige Strukturen, in Stängel oder Steinnischen. Die Brut braucht eine Kälteperiode, bevor sie im Frühjahr als erwachsene Biene schlüpfen kann. Findet sie diese Schutzräume nicht, nützt ihr auch keine Blumenwiese im Sommer.

Denken Sie daher auch in der kalten Jahreszeit an Bienen & Co. Sie sind nur aus dem Auge, nicht aus der Welt. Lassen Sie ruhig Laub liegen und schneiden Sie Stauden nicht zurück. Das ist wichtig, wenn Sie eine naturnahe Grünfläche haben möchten. Die Tiere werden es Ihnen danken.

 

Sie möchten bienen- und insektenfreundliche Pflanzen kennenlernen, um die kleinen Nützlinge in Ihren Garten oder auf den Balkon zu locken? Hier finden Sie unsere Pflanzlisten und Leifäden.

Oder wie wäre es, wenn Sie Ihren Naturgarten gestalten lassen - zum Beispiel von uns? Wir stehen Interessentinnen und Interessenten aus dem Wohnungsbau gerne zur Verfügung. Hier geht es zu unserem Dienstleistungsangebot.

Ihr insektenfreundlicher Garten kann einen Preis gewinnen!

Wussten Sie, dass Sie mit einer bienenfreundlich gestalteten Fläche nicht nur Hummeln & Co. glücklich machen, sondern auch einen Preis gewinnen können?

Machen Sie bei unserem bundesweiten Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen!“ mit!

Kontakt

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Dr. Corinna Hölzer & Cornelis Hemmer
Hermannstraße 29, D - 14163 Berlin
Tel.: +49 30 394064-310

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