Bienensterben bei Honigbienen

Das „Bienensterben“ ist seit vielen Jahren immer wieder Thema in den Medien. Hinter dem Schlagwort verbergen sich jedoch ganz unterschiedliche Phänomene an verschiedenen Orten:

  • das eine Mal verschwinden ganze Bienenvölker mitten in der Saison spurlos, vor allem in den USA („Colony Collapse Disorder“).
  • das andere Mal sind die Winterverluste in Deutschland ungewöhnlich hoch, so zum Beispiel im Winter 2002/2003.

Nicht nur Wildbienen, auch Honigbienen haben unter verschiedenen Faktoren zu leiden.

Erklärvideo zum Bienensterben (zur Verfügung gestellt von explain-it)

Ausführliche Infos zum Bienensterben
Bienenfarm-Bild
In den USA werden Honigbienen Tausende Kilometer von einer zur nächsten Monokultur transportiert, um dort Gemüse- und Obstplantagen zu bestäuben - eine große Belastung für das Immunsystem der Tiere. (© Eric Tourneret)

Seit Ende der 1970er Jahre haben die Imker in Europa und Amerika mit der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe zu kämpfen. Wird der Schädling nicht bekämpft, wofür die Imker vor allem organische Säuren einsetzen, sterben die Bienenvölker unweigerlich. „Wilde“ Bienenschwärme haben daher in freier Natur nur eine geringe Überlebenschance.

 

Bienensterben in Deutschland

Ein drastischer Fall von Bienensterben mit 11.500 betroffenen Bienenvölkern ereignete sich im Frühsommer 2008 im Rheintal in Baden-Württemberg. Hierbei konnte als Ursache eindeutig die Vergiftung durch ein Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide nachgewiesen werden. Frankreich hat neuerdings diese Gruppe der Pestizide verboten.

Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben eine Reihe von Risiken für Bienen identifiziert, die von drei Neonicotinoid-Insektiziden ausgehen. Die Behörde wurde von der Europäischen Kommission mit der Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zur Saatgutbehandlung bzw. in Form von Granulat ersucht. Dabei ging es um Insektizide der Unternehmen Bayer und Syngenta. Mehr dazu bei Welt.de und der EFSA.

Aufgrund dieser Untersuchungsergebnisse entschied die EU-Kommission im April 2013, den Einsatz von drei Insektiziden ab dem 1. Dezember 2013 für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zu verbieten, weil sie den Bienen schaden. Dagegen klagen die betroffenen Konzerne Bayer, BASF und Syngenta. In einem Artikel des NABU wird die Problematik der Neonicotinoide anschaulich dargestellt.

EU-weit ist Thiacloprid inzwischen verboten, in Deutschland zudem Mittel mit Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Für Aufsehen sorgte eine Notfallzulassung für den Zuckerrübenanbau Ende 2020. Hierzu finden Sie ein Statement der Aurelia-Stiftung.

 

Kollabierende Völker in den USA

Das Phänomen „Colony Collapse Disorder“ wird vor allem in den USA seit dem Jahr 2007 beobachtet. Ein typisches Symptom ist, dass sich die Völker kahlfliegen: Die Sammelbienen kehren nicht in den Stock zurück. Die unversorgten Jungbienen mit der Königin und der Brut sterben dann ab. Als mögliche Ursachen werden u.a. eine Unter- oder Fehlernährung der Bienen durch Monokulturen in der Landwirtschaft, Pestizide, Krankheitserreger, Parasitenbefall, Immunschwäche und sogar Sonnnenstürme oder Elektrosmog diskutiert. Vermutlich ist eine Kombination mehrerer Faktoren für das Colony Collapse Disorder verantwortlich. Eine Studie (engl.) vom Oktober 2012 zeigt, dass Pestizide bzw. die häufig in unserer Kulturlandschaft versprühten „Pestizid-Coctails“ einer der Hauptverursacher für das Bienensterben sind. Darüber berichtete Welt.de in einem ausführlichen Artikel.

Eine sehenswerte Dokumentation zum Thema mit dem Titel „Böden im Burnout“ findet sich in der Mediathek von 3sat.

 

Ein Lichtblick

Da Honigbienen als Nutztiere jedoch nachgezüchtet werden können, sind sie in der Zahl trotz allem nicht gefährdet. Nachdem die Zahl der Bienenvölker in Deutschland seit der Nachkriegszeit einen starken, fast kontinuierlichen Rückgang erkennen ließ, steigt die Zahl der (Hobby-)Imker wieder. Hier stellt sich sogar die Frage, inwieweit eine zu große Anzahl an Honigbienen für Wildbienen eine Konkurrenz darstellen.

Dokumentarfilm „More than Honey“
More than honey Plakat

Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof hat sich auf die Reise begeben, um den Ursachen und Folgen des weltweiten Bienensterbens auf die Spur zu kommen. Stationen seiner Recherche sind die USA, China, Australien, Österreich, die Schweiz und Deutschland. Der Film wartet überdies mit spektakulären Makroaufnahmen von Honigbienen auf. Wer schon immer mal die Begattung einer Bienenkönigin beim Hochzeitsflug sehen wollte, muss sich diesen Film anschauen! Deutschland summt!  ist Partner von Senator Film Verleih und kümmert sich mit weiteren Institutionen darum, den Film bekannt zu machen. Nähere Infos über "More than Honey" finden Sie auf der Website zum Film.

Über den Film gibt es auch einen Folder, ein Presseheft und ein englischsprachiges Blog mit wissenschaftlichem Hintergrund. Auch ein lesenswertes Buch zum Film ist erschienen.

Der mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Film steht für öffentliche DVD- Vorführungen zur Verfügung. Vereine, Schulen und Initiativen können die Vorführrechte unter buchen. Pädagogisches Arbeitsmaterial zum Film finden Sie hier.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hat den Film mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet. In der Begründung heißt es unter anderem: "Ein wichtiger Film über eine ungute Entwicklung unserer Zeit. Und ein Denkmal für die kleinen Helden der Lüfte."

Pressestimmen zum Film

"Ein detailverliebter Film mit virtuosen Nahaufnahmen", lobt der Tagesspiegel "More than Honey". In dem Artikel kommt auch Regisseur Markus Imhoof zu Wort.

Spiegel Online hat eine "faszinierende Dokumentation" gesehen und meint: "'More Than Honey' ist dabei kein wütendes, anklagendes Pamphlet, sondern ein melancholisches Porträt eines wundersamen, aber schwerst missverstandenen Tieres."

"Aufzuzeigen, was der Mensch den Bienen antut, und warum es eine Katastrophe wäre, wenn diese verschwänden, ist die große Leistung dieses furiosen Dokumentarfilms", schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Im Filmdienst ist zu lesen: Regisseur "Imhoofs Haltung ist klar. Ins Pathos kippt sie nie, es wird weder dämonisiert noch glorifiziert. Den sorgsam ausgewählten Protagonisten begegnet Imhoof mit freundlicher Distanz."

Das amerikanische Branchenblatt Variety schreibt: "Most striking in 'More than Honey' are closeups of the bees in their hives, symbiotically working together in creating their new queen: Imhoof rightfully spends time detailing the extraordinary nature of bee social structure. Even more noteworthy are sequences of the bees in flight".

Trailer des Dokumentarfilms „More than Honey“ über das weltweite Bienensterben

Dokumentarfilm „Vanishing of the Bees“, Trailer

Hilfe für Honigbienen

In unserem Buch „Wir tun was für Bienen“ zeigen wir auf, wie die Zukunft der Honigbienenhaltung aussehen könnte, um eine bessere Gesundheit der Insekten zu gewährleisten.

So könnte der Weg über die Reflektion der bisherigen Zucht hin zu einer wesensgemäßen Bienenhaltung gehen. Hierzu sind sicherlich auch Erneuerungen in Imkervereinen und -kursen nötig. Als Inhalte schlagen wir beispielsweise vor, Varroamilben chemiefrei zu behandeln und mehr Gewicht auf Umweltbildung zu legen.

Honig beim lokalen Imker statt in Discountern zu kaufen und auf biologisch erzeugte, regionale und saisonale Lebensmittel zu setzen, kann ebenso zur Verbesserung beitragen. Eine Landwirtschaft ohne Chemie wäre schließlich ein Zustand, den wir uns wünschen würden.

Beim Klick auf das Buchcover gelangen Sie zu einer Leseprobe. Das Buch ist im Kosmos-Verlag erhältlich. Für das Jahr 2022 ist die dritte Auflage in Planung.

Mehr zum Bienensterben

Greenpeace-Studie

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Plan Bee - Leben ohne Pestizide
(Mai 2014, PDF)

egarden-Ratgeber für Bienenfreunde

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Bienensterben - Wir müssen aktiv werden!
(September 2015)