Der Wert von Bestäubern und Bestäubung

Ende Februar 2016 hat der Weltrat für biologische Vielfalt IPBES einen Bericht zum Thema "Bestäuber, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion" veröffentlicht. In der "Zusammenfassung für Entscheider" (engl. Fassung (PDF)) listet der Rat neun Schlüsselbotschaften zum Wert von Bestäubern und Bestäubung auf (Übersetzung und Kürzungen durch uns):

  1. Bestäubung durch Tiere spielt eine entscheidende Rolle als eine regulierende Ökosystemdienstleistung in der Natur. Global gesehen hängen fast 90 % der blühenden Wildpflanzenarten mindestens zum Teil von der Pollenübertragung durch Tiere ab. Diese Pflanzen sind entscheidend für den Fortbestand von Ökosystemen, die wiederum einer großen Zahl von Tier- und Pflanzenarten Nahrung, Lebensräume und andere Ressourcen bieten.
  2. Mehr als drei Viertel der global angebauten Hauptnahrungspflanzen hängen in Hinblick auf Ertrag und/oder Qualität zu einem gewissen Grad von der Bestäubung durch Tiere ab. Bestäuberabhängige Nahrungspflanzen machen 35 % des globalen Produktionsvolumens aus.
  3. Es wird geschätzt, dass 5-8 % der aktuellen Nahrungspflanzenproduktion weltweit direkt von der Bestäubung durch Tiere abhängt. Dies entspricht einem jährlichen Marktwert von 235-577 Mrd. US-Dollar (2015).
  4. Die Abhängigkeit von der Bestäubung durch Tiere ist je nach Nahrungspflanze sehr unterschiedlich. Dies gilt daher in ähnlicher Weise auch für unterschiedliche Landwirtschaftsregionen.
  5. Bestäuberabhängige Lebensmittel leisten einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Menschen.
  6. Die große Mehrheit der Bestäuberarten sind Wildtiere, darunter mehr als 20.000 Bienenarten, einige Fliegenarten, Schmetterlinge, Motten, Wespen, Käfer, Fransenflügler, Vögel, Fledermäuse und andere Wirbeltiere. Ein paar Bienenarten werden gehalten, darunter die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), die Östliche Honigbiene (Apis cerana), einige Hummelarten, einige stachellose Bienen und einige Solitärbienen.
  7. Sowohl wilde als auch gehaltene Bestäuber spielen global eine bedeutende Rolle bei der Nahrungspflanzenbestäubung. Ihr jeweiliger Beitrag ist je nach Nahrungspflanze und Ort jedoch unterschiedlich. Ertrag und Qualität der Nahrungspflanzenproduktion hängen sowohl von der Menge als auch der Vielfalt der Bestäuber ab. Eine vielfältige Bestäubergemeinschaft bewirkt gemeinhin eine effektivere und stabilere Pflanzenbestäubung als irgendeine einzelne Art. Bestäubervielfalt trägt sogar dann zur Pflanzenbestäubung bei, wenn gehaltene Arten (z.B. Honigbienen) in großen Mengen vorhanden sind. Der Beitrag von wilden Bestäubern zur Nahrungspflanzenproduktion wird unterschätzt.
  8. Bestäuber sind, jenseits der Nahrungsmittelbereitstellung, eine Quelle vielfachen Nutzens für Menschen. Sie tragen direkt zur Herstellung von Medizin, Biokraftstoffen (z.B. Raps, Palmöl), Fasern (z.B. Baumwolle, Leinen), Baumaterial (Bauhölzer), Musikinstrumenten und Kunstgewerbe bei. Außerdem ermöglichen sie Freizeitaktivitäten und sind eine Inspirationsquelle für Kunst, Musik, Literatur, Religion, Traditionen, Technologie und Bildung.
  9. Für viele Menschen hängt eine hohe Lebensqualität von den fortgesetzten Rollen ab, die Bestäuber in global bedeutsamen Traditionen spielen; als Identitätssymbole; als ästhetisch bedeutende Landschaften und Tiere; in sozialen Beziehungen; für Bildung und Erholung.

Nachtrag: Mittlerweile ist eine deutschsprachige Erläuterung zur Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger des Berichts erschienen.

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