Pflanze und Wildbiene des Monats

Diese Rubrik wird nicht mehr fortgeführt. Alternativ präsentieren wir nun die Wildbiene des Monats. In dieser Rubrik geben wir Anregungen, wie Sie den vorgestellten Arten unter die Flügel greifen können.

Die Stiftung Naturschutz Berlin stellt seit 2010 die Pflanze des Monats vor. Wir greifen dies auf und zeigen die Bedeutung der vorgestellten Pflanzen für Wildbienen auf.

Dezember 2015:

Grünblütiges Wintergrün (Pyrola chlorantha)
© Ireen Trummer. Lizenziert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia-Commons

Das Grünblütige Wintergrün (Pyrola chlorantha) und die Gewöhnliche Schmalbiene (Lasioglossum calceatum)

Das Grünblütige Wintergrün gehört zu den Heidekrautgewächsen (Ericaceae). Zwischen Mai und Juni bildet es zwei bis sechs hellgrüne Blüten aus, die entweder durch Insekten oder durch Selbstbestäubung befruchtet werden. Die in den gemäßigten und kalten Klimazonen der Nordhalbkugel verbreitete Pflanze geht eine Symbiose mit Wurzelpilzen (Mykorrhiza) von Nadelbäumen ein.

In den trockenen Kieferwäldern Berlins und Brandenburgs sollte das Grünblütige Wintergrün also gute Bedingungen vorfinden. Umso erschütternder ist die Tatsache, dass es für Berlin seit dem Jahr 1900 lediglich drei Nachweise gibt. In ganz Deutschland ist ein starker Rückgang der Pflanzenart zu verzeichnen. Als Ursache für das Aussterben wird insbesondere die wachsende Schadstoffbelastung unserer Luft verantwortlich gemacht, wodurch auch die Pilzflora der Waldböden nachhaltig geschädigt wird. Die letzte Sichtung des Grünblütigen Wintergrüns für Berlin ist auf das Jahr 2010 datiert. Damals wurde ein Exemplar im Naturschutzgebiet "Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug" in Köpenick entdeckt.

Gewöhnliche Furchenbiene (Lasioglossum calceatum)
© Andreas Haselböck

Im selben Naturschutzgebiet kommt auch die etwa 10 Millimeter große Gewöhnliche Furchenbiene (Lasioglossum calceatum) vor. Zu ihren Nahrungspflanzen zählen auch die Heidekrautgewächse. Die Wildbiene gehört zu den in Deutschland noch recht häufig anzutreffenden Hautflüglerarten. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen, bisweilen hoch spezialisierten Wildbienenarten, hinsichtlich ihres Lebensraumes und ihrer Futterpflanzen nicht besonders wählerisch ist. Wie etwa 75 Prozent aller heimischen Wildbienenarten baut die Gewöhnliche Furchenbiene ihren Nistgang in den Erdboden. Dabei bevorzugt sie ebene, wenig bewachsene und möglichst sonnenbeschienene Stellen mit nicht zu festem Erdreich.

Da unversiegelte und unbearbeitete Erdböden immer seltener werden, können Sie den Wildbienen helfen, indem Sie in Ihrem Garten entsprechende schütter bewachsene Flächen bereithalten. Wenn sich in Ihrem Garten zudem einheimische Blütenpflanzen befinden, die den Wildbienen Nahrung bieten, haben Sie gute Chancen, hier bald einige der sympathischen kleinen Summer begrüßen zu können. Sie werden sehen, dass es interessant und spannend ist, die Bienen bei ihren Aktivitäten zu beobachten.

November 2015: Bergfarn

November 2015:

Bergfarn (Thelypteris limbosperma)
© James Lindsey at Ecology of Commanster

Der Bergfarn (Thelypteris limbosperma)

Die Pflanze des Monats November 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin ist der seltene Bergfarn (Thelypteris limbosperma). Dieser bis zu 50 cm lange Farn ist eigentlich nur in den hohen bergigen Bereichen der deutschen Alpen zu finden. Ein weiteres Vorkommen ist als nacheiszeitliches Relikt auch im Tegeler Forst im Berliner Stadtgebiet vorzufinden.

Da Farne sich über Sporen fortpflanzen und somit nicht auf Insektenbestäubung angewiesen sind, können wir in diesem Monat keine dazu passende Wildbienenart vorstellen. Stattdessen soll die Tatsache, dass es sich bei den Farnen um eine sehr urtümliche Pflanzengruppe handelt, zum Anlass genommen werden, schlaglichtartig die Grundzüge der Co-Evolution zwischen Blütenpflanzen und Insekten darzustellen.

Epochen der Erdgeschichte und ihre Lebensformen (Abb. aus: Biologie Heute, Schroedel-Verlag, 1988)

Bevor vor 140 Millionen Jahren die ersten Blütenpflanzen entstanden, dominierten Farn, Schachtelhalm und Bärlapp die Pflanzenwelt (Nacktsamer, Gymnospermen). Bis zum Ende der Kreidezeit, vor etwa 65 Millionen Jahren, hatten dann die bedecktsamigen Blütenpflanzen (Angiospermen) die Herrschaft übernommen. Die Entwicklung der Insektenbestäubung war ein wesentlicher Grund für diesen Siegeszug. Eine besonders wichtige Rolle hierbei spielten die Bienen, da sie sich zu ausgesprochenen Bestäubungsspezialisten entwickelten. Die ältesten Nachweise von Bienen stammen aus der Zeit von vor etwa 90 Millionen Jahren. Merkmale, die auf eine Bestäubung durch Bienen hindeuten, weisen aber bereits Blütenpflanzen von vor 110 Millionen Jahren auf.

Über die Jahrmillionen kam es zu einer gemeinschaftlichen Entwicklung, einer sogenannten Co-Evolution, von Blütenpflanzen und Bienen. Beide, sowohl die Blütenpflanzen als auch die Bienen, profitierten voneinander. Die Pflanzen boten den Bienen mit Pollen, Nektar, Ölen, Harzen und anderen Pflanzenmaterialien eine vorteilhafte Grundlage für die Beschaffung von Nahrung und Nistmaterialien. Im Gegenzug verbesserten die Bienen durch den Transport der Blütenpollen zwischen den Pflanzen deren Fortpflanzungschancen.

 

Oktober 2015: Stumpfzähniger Frauenmantel und Zweifleck-Erdbiene

Oktober 2015:

Alchemilla subcrenata
© K. J. Walker, Botanical Society of Britain & Ireland

Der Stumpfzähnige Frauenmantel (Alchemilla subcrenata) und die Zweifleck-Erdbiene (Andrena bimaculata)

Der in Berlin und Brandenburg vom Aussterben bedrohte Stumpfzähnige Frauenmantel (Alchemilla subcrenata) ist eine ausdauernde Pflanze mit einer Wuchshöhe von 10 bis 50 cm. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Europa bis nach Asien. In Deutschland ist sie vereinzelt in den Mittelgebirgen nachgewiesen. In Berlin findet sich der Stumpfzähnige Frauenmantel heute nur noch an drei Stellen im Süden der Stadt.

Die Pflanze ist nicht auf Bestäuber angewiesen! Sie verbreitet sich entweder über unterirdische Wurzelsprosse oder entwickelt ihre Samen direkt aus der Samenanlage der Mutterpflanze (sogenannte Apomixis). Deshalb bietet der Stumpfzähnige Frauenmantel für die Bestäuberinsekten auch keinen brauchbaren Blütenpollen. Sie besuchen das Rosengewächs jedoch, um Nektar aufzunehmen. Die kleinen weißlich erscheinenden Blüten sind von Mai bis Oktober geöffnet.

Zweifleck-Erdbiene (Andrena bimaculata)
© Aiwok. Lizenziert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia-Commons

Rosengewächse besucht auch die die zwischen 11 und 14 mm große Zweifleck-Erdbiene (Andrena bimaculata). Diese Bezeichnung rührt von zwei Flecken auf der Unterseite ihres Abdomens her. Die Wildbienenart ist im Jahr in zwei Generationen (bivoltin) anzutreffen: von Anfang April bis Ende Mai und von Ende Juni bis Ende August. Zur Eiablage gräbt sie verzweigte Gänge mit bis zu drei Brutzellen ins Erdreich. Dabei bildet sie keine Brutkolonien.

Die Zweifleck Erdbiene ist in Süd- und Mitteleuropa sowie in England verbreitet. Leider ist auch sie in ihrem Bestand im Rückgang begriffen und wird daher als „vorgewarnt“ auf der Roten Liste geführt. In Berlin gibt es laut des Wildbienen-Katasters nach dem Jahr 1990 nur einen Nachweis in Köpenick, südöstlich von Berlin wurde die Biene seither noch in Spreenhagen gesichtet.

Pflanze des Monats Oktober 2015 der Stiftung Naturschutz

September 2015: Quendel-Seide und Goldgelbe Furchenbiene

September 2015:

quendel-seide
© Bernd Haynold. Lizenziert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia-Commons

Die Quendel-Seide (Cuscuta epithymum) und die Goldgelbe Furchenbiene (Halictus subauratus)

Bei dem Wort Seide denken die meisten Menschen an anschmiegsame Kleidung, die die Haut zart umspielt. Bei der Quendel-Seide ist es allerdings anders: Sie ist eine Pflanze und dazu noch ein sogenannter Vollparasit. Ihre Strategie ist es, ihre Wirtspflanzen sehr eng zu umschlingen. Dabei entzieht sie ihnen Wasser und Nährstoffe.

Die Quendel-Seide ist allerdings keine Gefahr für die Wirtspflanzen, sondern ist selbst gefährdet. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Windengewächse (Convolvulaceae). Sie ist in Berlin derzeit nur an zwei Standorten in Spandau nachgewiesen. Die starke Gefährdung der Quendel-Seide resultiert zum einen aus der intensiven Grünlandpflege. Die Ursache dafür ist, dass die erst zwischen Juli und September blühende Pflanze vielfach durch die zu häufige und zu frühe Mahd daran gehindert wird, bis zur Samenreife zu gelangen. Zum anderen ist durch das zunehmende Verschwinden von Trocken- und Halbtrockenrasen der Lebensraum ihrer wärmeliebenden Wirtspflanzen gefährdet. Dazu gehören beispielsweise die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), das Echte Labkraut (Galium verum) oder der Feld-Beifuß (Artemisia campestris).

Furchenbiene
© Christian Schmid-Egger, www.bembix.de

Die Quendel-Seide wird von mehreren Furchenbienenarten aufgesucht, die an ihr den Pollen sammeln. Die nur 7 bis 8 mm große Goldgelbe Furchenbiene (Halictus subauratus) zeichnet sich, wie eine Reihe weiterer Furchenbienenarten, durch eine primitiv-eusoziale Nist- und Lebensweise aus. Diese Lebensweise ist nur bei sehr wenigen Wildbienen zu beobachten. Hierbei entwickeln sich die männlichen und weiblichen Nachkommen noch im Jahr der Eiablage vollständig und fliegen im Sommer bis Spätsommer aus, um sich zu paaren. Während die Drohnen im Herbst sterben, überwintern die Weibchen an geschützten Stellen und gründen im darauffolgenden Jahr einen kleinen Staat. In einer in den Boden gegrabenen Kammer legt die Königin zunächst mehrere Eier, die sich größtenteils zu sogenannten Sommerbienen entwickeln. Diese unfruchtbaren Arbeiterinnen unterstützen die nun dauerhaft im Nest verbleibende Königin in der Folge beim Bau und der Verproviantierung weiterer Brutzellen. Aus diesen schlüpfen im Fall der Goldgelben Furchenbiene dann wieder geschlechtsreife Männchen und Weibchen. Je nach Art und geografischer Lage kann es bei anderen Furchenbienenarten noch zu ein oder zwei weiteren Arbeiterinnengenerationen im Jahr kommen. Eigentlich primitiv-eusoziale Arten können andererseits aber in Gebieten mit kurzen Sommern auch wieder zur solitären Nistweise zurückkehren.

Pflanze des Monats September 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

 

August 2015: Mittleres Nixkraut

August 2015:

nixkraut
© M. Mörtl

Das Mittlere Nixkraut (Najas marina ssp. intermedia)

Die Pflanze des Monats August der Stiftung Naturschutz Berlin ist eine Wasserpflanze und hat damit keine Bedeutung für Wildbienen. Das auf stehende und mäßig nährstoffreiche Gewässer angewiesene Mittlere Nixkraut ist in seiner Verbreitung in Deutschland weitgehend auf den Süden und Osten beschränkt. Durch die Gewässerverschmutzung und insbesondere den starken Eintrag von Phosphaten war die Pflanze in Berlin fast ausgestorben. Die in den letzten Jahren erfolgte deutliche Reduzierung der Gewässerverschmutzung führte erfreulicherweise dazu, dass sie heute wieder in mehreren Seen der Stadt wie beispielsweise dem Müggelsee, dem Tegeler See oder dem Glienicker See anzutreffen ist. Das Mittlere Nixkraut gehört zu den sehr wenigen Pflanzen, die für ihre Reproduktion auf die Wasserbestäubung angewiesen sind. Dabei werden die Pollen durch die Wasserströmung übertragen. Die  Verbreitung der Pflanze erfolgt außer durch Fische und Wasservögel auch über Boote und Fischereigeräte, an die sich die Samen anheften.

Pflanze des Monats August 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

Juli 2015: Tartaren-Leimkraut und Weißkopf-Sandbiene

Juli 2015:

tartaren-leimkraut
© pflanzen-bilder-kaufen.de, Konrad Tadesse

Das Tartaren-Leimkraut (Silene tartarica) und die Weißkopf-Sandbiene (Andrena subopaca)

Eigentlich bildet die Oder die westliche Grenze der Verbreitung des Tartaren-Leimkrauts (Silene tartarica), dessen Hauptareal im mittleren Russland liegt. Im Zusammenhang mit der langjährigen russischen Militärpräsenz konnte die Pflanze aber auch in Berlin Fuß fassen. Unsere Hauptstadt bildet so bis heute den westlichsten Vorposten seines Verbreitungsgebietes. Das Tartaren-Leimkraut bevorzugt einen reichen grundwassernahen Sandtrockenrasen, gedeiht aber auch auf sandigen Äckern, Gleisanlagen und an Straßenrändern. Die Pflanze gehört zur Familie der Nelkengewächse.

 

weißkopf-sandbiene
© James Lindsey at ECOLOGY OF COMMANSTER. Lizensiert unter CC_BY_SA_2.5 über Wikimedia-Commons

Diese Pflanzenfamilie wird nur von wenigen Wildbienenarten als Pollenquelle genutzt, darunter die auch in Berlin nachgewiesene Weißkopf-Sandbiene (Andrena subopaca). Die nur 6 bis 8 Millimeter große und überwiegend schwarze Stechimme sammelt Pollen zudem an Lilien- und Rosengewächsen sowie an Rachenblütlern. Sie fliegt von April bis Juni in ein oder zwei Generationen im Jahr. Ihre Nester legt die Sandbiene in selbstgegrabenen Erdgängen an. Bei dieser Wildbienenart bauen oft mehrere Weibchen ihre Kinderstuben in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander.

Pflanze des Monats Juli 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

Juni 2015: Niedrige Schwarzwurzel und Braunbrüstige Hosenbiene

Juni 2015:

niedrige schwarzwurzel
© Fornax. Lizensiert unter CC_BY_SA_3 über Wikimedia-Commons

Die Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) und die Braunbrüstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes)

Die niedrige Schwarzwurzel ist die Wildart der kultivierten Garten-Schwarzwurzel, die heute als Wintergemüse genutzt wird. Deutschland gehört zum Hauptverbreitungsgebiet, dieses von Südfrankreich bis Mittelrussland vorkommenden Korbblütlers. Die im Mai und Juni blühende Pflanze bevorzugt wechselfeuchte bis trockene und nährstoffarme Böden. In Berlin gibt es die stark gefährdete Art nur noch mit kleinen Beständen in Berlin-Tegel und Köpenick.

hosenbiene
© Hans-Jürgen Sessner

In Köpenick ist auch die Braunbrüstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) nachgewiesen. Diese von den insgesamt eher seltenen Hosenbienen noch am häufigsten vorkommende Wildbienenart ist bei der Nahrungssuche auf Korbblütler wie die Niedrige Schwarzwurzel spezialisiert (oligolektisch). Die Hosenbienen verdanken ihren Namen Haarbürsten an dem hinteren Beinpaar, mit denen sie den Blütenpollen transportieren. Die von Juni bis September fliegende Braunbrüstige Hosenbiene ist auf sandige bis lockere Böden angewiesen, in die das Weibchen einen Brutgang gräbt. Dieser verläuft anfänglich schräg später dann bis zu einer Tiefe von 60 cm senkrecht nach unten. Auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedene Richtungen zweigen etliche Brutzellen ab. Jede Brutkammer wird mit einem Nahrungsvorrat ausgestattet, auf den die Wildbiene dann ein Ei legt. Anschließend verschließt sie die Kammer mit Erde. Im Sommer des folgenden Jahres schlüpft dann die nächste Generation.

Pflanze des Monats Juni 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

Mai 2015: Helm-Knabenkraut und Rote Schneckenhaus-Mauerbiene

Mai 2015:

helm-knabenkraut
© Bernd Haynold. Lizenziert unter CC_BY_2.5 über Wikimedia-Commons

Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) gehört zur Gattung der Knabenkräuter in der Familie der Orchideen. Die Pflanze kommt in den warmen und gemäßigten Zonen Europas bis hinauf nach Norddeutschland vor und bevorzugt kalkhaltige Halbtrockenrasen, wechseltrockene moorige Wiesen und Trockenwaldsäume. Insbesondere im östlichen Deutschland ist diese im Mai und Juni weiß-violett blühende Orchideenart aber sehr selten geworden. So findet sich das Helm-Knabenkraut in Berlin nur noch in sehr kleinen Beständen im Norden, wo es jedoch von Wildscheinen bedroht wird, die es auf die Knollen der Orchideen abgesehen haben und bisweilen ganze Bestände vernichten.

Das Helm-Knabenkraut gehört auch zu den Futterpflanzen der Roten Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), die ebenfalls im Norden Berlins vorkommt und ähnliche Standortbedingungen wie die Orchidee benötigt. Die Weibchen dieser im Mai und Juni fliegenden Wildbienenart legen ihre Kinderstuben in Schneckenhäusern an. Dabei bevorzugen sie die großen Häuser der Weinbergschnecken (Helix pomatia), nutzen aber auch verlassene Behausungen kleinerer Arten wie beispielsweise der Gefleckten Schnirkelschnecke (Arianta arbustorum) oder der Gartenschnecke (Cepaea hortensis). Je nach Größe bauen sie darin mehrere Brutzellen hinter- oder auch nebeneinander. Zum Schutz vor Räubern werden vor den vordersten Brutzellen zudem oft noch eine oder mehrere leere Zellen angelegt. Zwar tarnen die Roten Schneckenhaus-Mauerbienen die Schneckenhäuser nicht, sie dekorieren sie jedoch aus bislang unbekannten Gründen mit Klecksen aus zerkauten Pflanzenteilen. Die Männchen dieser Art nutzen die Schneckenhäuser als Schlafplatz und finden sich dazu oft auch zu mehreren zusammen. Neben der Roten Schneckenhaus-Mauerbiene benötigen auch einige andere Wildbienenarten Schneckenhäuser für ihr Brutgeschäft.

Pflanze des Monats Mai 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

April 2015: Zerstreutblütiges Vergissmeinnicht und Vierbindige Furchenbiene

April 2015:

vergissmeinnicht
© Walter Obermayer

Das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht (Myosotis sparsiflora) und die Vierbindige Furchenbiene (Halictus quadricinctus)

Das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht (Myosotis sparsiflora J. C. Mikan ex Pohl) ist eine recht unscheinbare und vom Aussterben bedrohte Pflanze, deren Verbreitungsgebiet von Westasien bis in den Osten Deutschlands reicht. (Sie ist erfreulicherweise im mitteldeutschen Raum noch recht regelmäßig anzutreffen und findet sich auch in und um Berlin.) Das Zerstreutblütige Vergissmeinicht wächst in lichten Laubwäldern und an deren Säumen und bevorzugt nährstoffreiche, feuchte Lehm- oder Tonböden. Es blüht im April und im Mai und zählt zu den Raublattgewächsen.

Blütenpollen und Nektar des Zerstreutblütigen Vergissmeinnicht gehören auch zur Nahrung der Vierbindigen Furchenbiene (Halictus quadricinctus). Diese größte Furchenbiene Deutschlands überrascht durch ihr für eine Wildbiene sehr ungewöhnliches Brutverhalten. In einem in die Erde gegrabenen Hohlraum baut sie für ihre Brut eine aus 15 bis 20 Brutzellen bestehende "Grabwabe". Das Muttertier lebt dort bis zu seinem Tod im Spätsommer mit seinen Nachkommen zusammen. Die weiblichen Bienen überwintern bis zum nächsten Frühjahr, um dann neue Nester zu bauen. Die männlichen Tiere sterben bereits nach wenigen Wochen.

furchenbiene auf blüte
© Hans-Jürgen Sessner

Für den Nestbau benötigt die Vierbindige Furchenbiene Lösswände und Hohlwege, die heute aber nur noch selten zu finden sind. Zudem ist diese vergleichsweise langlebige Wildbiene vom Frühjahr bis in den Spätsommer auf Blütentracht angewiesen. Durch das heute vielfach praktizierte zu frühe und zu häufige Mähen von Wiesen- und Wegrändern wird ihr Nahrungsangebot jedoch stark eingeschränkt. Aufgrund dieser Faktoren gehört die Vierbindige Furchenbiene zu den stark bedrohten Wildbienenarten und steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Wildbienenarten.

Pflanze des Monats April 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

März 2015: Gelbes Windröschen und Gehörnte Mauerbiene

März 2015:

buschwindröschen
© Scops~commonswiki. Lizensiert unter CC_BY_SA_2.5 über Wikimedia Commons

Das Gelbe Buschwindröschen (Anemone ranunculoides) und die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Das Gelbe Buschwindröschen (Anemone ranunculoides) ist ein Frühblüher. Es gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist überwiegend an Gehölzsäumen und in lichten Buchenwäldern mit frischen humosen Böden anzutreffen. Das Interessante an der Vermehrung des Buschwindröschens ist, dass die reifen Pflanzensamen von Ameisen genutzt werden. Diese tragen die mit nährstoffreichen Anhängen versehenen Samen in ihre Nester.

Das Gelbe Buschwindröschen blüht zwischen März und Mai. Die Pollen der kleinen Frühblüher dienen dann auch der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) als Nahrungsquelle. Sie gehört zu den wenigen Wildbienenarten, die schon im März ausfliegen und ist bei uns eine häufig zu beobachtende Art. Die Gehörnte Mauerbiene baut ihre Brutzellen in Hohlräume und nutzt daher auch gerne Nisthilfen. Sie wird übrigens auch bei der Bestäubung von Obstplantagen eingesetzt.

gehörnte mauerbiene
© pjt56. Lizenziert unter CC_BY_3 über Wikimedia-Commons

Pflanze des Monats März 2015 der Stiftung Naturschutz Berlin

Hier gibt es Infos zum Weißen Buschwindröschen.