Bienen & Böden

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Die Stiftung für Mensch und Umwelt ist Partner der Initiative "Boden. Grund zum Leben" der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Anlässlich der weltweit stark zunehmenden Versiegelung, Übernutzung und Verschmutzung des Bodens hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2015 zum "Internationalen Jahr des Bodens" erklärt. Auch für eine Vielzahl heimischer Wildbienenarten spielt der Boden eine wichtige Rolle.

Eine anschauliche Darstellung der Gründe für einen besseren Umgang mit dem Boden finden Sie hier

Insekt des Jahres 2016
Dunkelbrauner Kugelspringer © Andreas Stark, Ampyx-Verlag

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat den Dunkelbraunen Kugelspringer (Allacma fusca) zum Insekt des Jahres 2016 gekürt. Er wurde stellvertretend für die große Gruppe der Organismen ausgewählt, die für fruchtbare Böden sorgen. Durch die Wahl dieses Tieres will die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass die Fruchtbarkeit der Böden weltweit zunehmend bedroht ist. Gründe dafür sind besonders die übermäßige und unsachgemäße Nutzung der Böden sowie der massenhaften Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Der nur 4 mm große Dunkelbraune Kugelspringer ist eine der unzähligen Lebensformen, die sich im Boden tummeln und dessen Fruchtbarkeit garantieren. Er ernährt sich von pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen und trägt so zur Bildung von Humus bei, der ein zentraler Bestandteil fruchtbarer Böden ist.

Der Boden als Nistplatz

Nesteingang der Furchenbiene © Hans-Jürgen Sessner

Da drei Viertel der Wildbienenarten Deutschlands Erdnester anlegen, ist ein gesunder und naturbelassener Boden für sie von besonderer Bedeutung. Die Überbauung und Verunreinigung der Böden, das Verschwinden von Hohlwegen und Böschungen sowie die häufig mehrmals im Jahr erfolgende mechanische Bearbeitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Pflügen und Grubbern gehören daher zu den Hauptformen der Gefährdung, die bei vielen dieser wichtigen Bestäuberinsekten besteht. Wildbienen graben ihre Nistgänge meist in Sand-, Löss- oder Lehmböden und bevorzugen dabei vegetationsarme und sonnige Flächen. Dort bildet sich normalerweise keine Staunässe, so dass die Nester besser vor Feuchtigkeit geschützt sind, die Schimmelbildung oder Fäulnis begünstigen kann.

Der Boden als Nahrungsgrundlage

© bermuda5555/pixelio.de

Für Wildbienen, aber auch für zahlreiche andere Insekten, stellen Pollen, Nektar und Pflanzenöle die Nahrungsgrundlage dar. Die Pflanzen beziehen Wasser und Nährstoffe aus dem Boden. Durch die zunehmende Verschmutzung des Wassers und der Luft sowie den stetig steigenden Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist das Erdreich mit den unzähligen darin lebenden Organismen aber immer stärkeren Belastungen ausgesetzt. Die Gifte, die sich im Boden akkumulieren, werden von den Pflanzen aufgenommen. Zu einem Teil gelangen diese Schadstoffe über die Leitbahnen der Pflanzen auch in den Pollen und Nektar und erreichen über diesen Weg auch die Insekten. Pestizide werden unter anderem für die Beeinträchtigungen des Orientierungssinns und der Flugfähigkeit sowie für eine höhere Anfälligkeit für Parasiten und Krankheiten verantwortlich gemacht.

Beispiele für im Boden nistende Wildbienenarten

Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) © Hans-Jürgen Sessner

Weiden-Sandbiene (Andrena vaga)

Die Weiden-Sandbiene gräbt einen 25 bis 60 cm tiefen Erdgang, der sich am Ende in Nebengänge verzweigt. Diese führen zu den Brutzellen, von denen die Wildbiene bis zu zehn Stück anlegt. Manchmal bilden die Weiden-Sandbienen auch Kolonien mit bis zu tausend Tieren. Dabei gräbt aber jedes Weibchen ihr eigenes Nest. Um die fünfzig solcher Nester können sich dann auf einem Quadratmeter befinden.

Braunbrüstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) © Hans-Jürgen Sessner

Braunbrüstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes)

Die Braunbrüstige Hosenbiene gräbt in Sand oder lockere Erde einen Gang, der zunächst schräg verläuft, dann aber bis zu 60 cm senkrecht nach unten führt. Von diesem Hauptgang zweigen dann die Brutzellen ab. Jeden Tag erstellt die Biene eine Brutzelle, die sie mit Futterproviant ausstattet, auf das sie dann ein Ei legt, um die Brutzelle zuletzt mit Erde zu verschließen.

Frühlings- oder Weiden-Seidenbiene (Colletes cunicularius) © Hans-Jürgen Sessner
Bildnachweise: © Hans-Jürgen Sessner, bermuda5555 / pixelio.de

Frühlings- oder Weiden-Seidenbiene (Colletes cunicularius)

Vorzugsweise in nicht oder kaum bewachsenen und gut besonnten Sandboden gräbt diese Biene ihre Brutröhre. Der leicht nach unten geneigte Gang hat eine Länge von 45 bis 60 cm. Am unteren Ende zweigen die seitlichen Zuleitungen zu den Brutzellen ab. Diese werden mit einem Drüsensekret der Biene ausgekleidet, das die Kammer vor Pilzbefall schützt und wahrscheinlich auch dazu beiträgt, den für die Entwicklung der Larven idealen Feuchtigkeitsgrad herzustellen. Die Biene verteilt das Sekret mit ihrer Zunge über die Wände.

Bodenschutz

"Save our Soils"-Fonds zur Rettung der Böden gegründet

Weltweit gehen jährlich bis zu zehn Millionen Hektar Boden durch Erosion, Bebauung und Versiegelung verloren. Diese Flächen können wir Menschen für die Ernährung nicht mehr nutzen, obwohl wir über das Wissen für ein nachhaltiges Bodenmanagement verfügen. Leider wird die Dringlichkeit, etwas gegen den Bodenverlustd zu tun, verdrängt. Die guten Beispiele, dass es auch anders geht, gelangen nicht an die Entscheider. "Jetzt wird eine breite Unterstützung von vielen Seiten benötigt, um das Bewusstsein für die Bedeutung von gesunden, lebendigen Böden überall zu fördern“ (Umweltdialog, 30.07.2015).

Der "Save Our Soils"-Fonds (SOS Fond) ist eine Organisation, die im Februar 2015 auf der Biofach in Nürnberg ins Leben gerufen wurde. Ziel des "Save Our Soils"-Fonds ist es, Agrar- und Forstwirte dabei zu unterstützen, ihre Böden in einer nachhaltigen Art und Weise zu erhalten.

Insbesondere wird der SOS-Fonds folgende Aktivitäten unterstützen (Quelle: Umweltdialog, 30.07.2015):

  1. Organisation von Workshops und praktischen Schulungsunterlagen für Landwirte
  2. Dokumentation bestehender nachhaltiger Bodenbewirtschaftungspraktiken und Veröffentlichung dieser als Best Practice Anregung
  3. Durchführen von praktischen Forschungsprojekten zu ausgewählten, Boden-spezifischen Themen
  4. Erhebung und Bewertung der sozio-ökonomischen Vorteile nachhaltig bewirtschafteter Böden
  5. Kooperation mit gleichgesinnten Organisationen um die Bedeutung der Böden für ein breiteres Publikum zu fördern

Mehr Informationen über den Fonds hier.