Bestäubungsfunktion

Heidekraut-Seidenbiene © Malte Schwarz

Als Bestäubung wird der Vorgang bezeichnet, bei dem der Pollen als Träger des männlichen Erbguts auf das weibliche Pflanzenorgan, die Nabe, übertragen wird. Die Bestäubung ist Voraussetzung für die Bildung von Samen und Früchten, welche die Vermehrung von Pflanzen ermöglichen. Bei den meisten Pflanzen wird die Bestäubung von Tieren geleistet – Wild- und Honigbienen gehören dabei zu den wichtigsten Liebesboten der Pflanzen. Sie leisten damit auch einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Ernährung, hängen doch mehr als drei Viertel unserer Hauptnahrungspflanzen mehr oder weniger von der Bestäubung durch Tiere ab.

Fehlen Tiere als Bestäuber, so werden entweder keine Früchte gebildet, oder die Früchte weisen eine deutlich geringere Qualität auf. Wie viele unserer Nahrungsmittel von der Bestäubung durch Bienen abhängen oder davon profitieren, hat die Umweltorganisation Greenpeace anhand von Marktständen anschaulich dargestellt. Wie die Bilder deutlich machen,  verdanken wir insbesondere die meisten Obst- und Gemüsepflanzen, die auf unseren Tellern landen, der Bestäubung durch Biene & Co. Und wenn wir unsere Gerichte mit Rosmarin, Oregano, Petersilie oder Liebstöckel aus dem Garten verfeinern möchten, müssen wir uns ebenfalls bei den Bestäubern bedanken. Über 90 % aller blühenden Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen oder profitieren von ihr.

Verfügbares Obst und Gemüse mit und ohne Bestäubung © Axel Kirchhof/Greenpeace

Es gibt aber auch einzelne Nutzpflanzen, die nicht auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen sind. Darunter sind einige, die für unsere Ernährung eine bedeutende Rolle spielen. Die Rede ist hier insbesondere von der Familie der Süßgräser, der alle unsere Getreidesorten wie beispielsweise Weizen, Reis oder Mais angehören, und von der Kartoffel, die zu den Nachtschattengewächsen zählt. Auch einige andere Nutzpflanzen wie Pilze, Blattgemüse, Erbsen oder die Haselnuss kommen ohne tierische Hilfe aus.

Quelle: Ratgeberbuch "Wir tun was für Bienen" von Cornelis Hemmer und Corinna Hölzer, erhältlich beim KOSMOS-Verlag und im Buchhandel

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass für eine optimale Bestäubung von Pflanzen Honigbienen allein nicht ausreichen. Erst in der "Zusammenarbeit" mit wilden Insekten, darunter vor allem auch Wildbienen, werden die besten Bestäubungsleistungen erreicht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Bestäubung der Leguminosen Ackerbohne (Vicia faba) und Sommerwicke (Vicia sativa) durch Wild- und Honigbienen. Mehr zu den Bestäubungsleistungen bei Welt.de, dem Tagesspiegel und dem Deutschlandfunk.

Schon seit den 1980er Jahren werden einige Hummelarten, insbesondere Erdhummeln, gezüchtet und zur Bestäubung von Tomaten, Paprika, Auberginen, Melonen, Zucchini, Erdbeeren, Brombeeren und Himbeeren in Gewächshäusern eingesetzt. Für die Bestäubung von Obstbäumen (Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche u.a.) kommen Mauerbienen zum Einsatz.

Prof. Dr. Teja Tscharntke, Universität Göttingen, über die Bedeutung von Bestäuberinsekten