Bienenfreundlich Gärtnern

"Ein schöner Garten lebt vom Reichtum seiner Selbstentfaltung, von seiner Ordnung wie von seinen Entgleisungen, vom Eingriff wie vom Eigenwillen, von Planung wie von Selbstgestaltung. Er ist nicht nur Ordnung und daher mehr als Plantage, er ist nicht nur Wildnis und daher auch nutzbar. Ein richtiger Garten ist die Harmonie von Natur und Kultur."
(Hubert Markl)

Bienenfreundlich Gärtnern bedeutet nicht, im eigenen Garten einen Bienenstand zu eröffnen. Es bedeutet vielmehr, den Garten als Lebensraum zu entwickeln, in dem sich viele unterschiedliche Bienenarten wohlfühlen. Bienenfreundliches Gärtnern beruht auf drei Grundprinzipien:

  1. Die Kreisläufe des Lebens erkennen und anerkennen.
  2. Der Entwicklung von Tieren und Pflanzen Zeit und Raum geben.
  3. Die natürliche Fortpflanzung von Tieren und Pflanzen unterstützen.

Für die Gartengestaltung bedeutet das vor allem, vielseitige Strukturen zu schaffen und heimische Blütenpflanzen als nektar- und pollenreiche Nahrung für die Bienen zu wählen. Zu beachten ist, dass der Aktionsradius von Wildbienen meist nur 70-300 Meter beträgt. Daraus folgt, dass die Futterpflanzen und die Nistmöglichkeiten der Wildbienen in direkter Nachbarschaft liegen müssen. 30 Prozent der Wildbienenarten sind zudem oligolektisch, d.h. sie sind Nahrungsspezialisten und damit auf wenige oder nur eine Pflanzenart angewiesen.

Nicht jeder kann oder will seinen gesamten Garten sofort in einen echten Natur- oder Bienengarten umwandeln. Das ist auch gar nicht notwendig. Bestimmt findet sich aber die eine oder andere Stelle, um kleine Zeichen für die Natur zu setzen. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, und so kann durch eine Reihe von Einzelmaßnahmen am Ende ein großes Ganzes entstehen: ein wunderschöner, strukturreicher Lebensraum mit Blühflächen und Raum zum Erholen! Und ganz nebenbei schaffen Sie Nahrung und Lebensraum nicht nur für Wildbienen, sondern auch für viele andere Tierarten.

So bitte nicht!

Haushof

Viele Gärten verdienen zwar das Prädikat „gepflegt“, sie sind jedoch meist das Gegenteil von naturnah und haben einen hohen Erhaltungsaufwand: Sie werden gedüngt, gewässert, gemulcht, der Rasen wird häufig gemäht, Gift gespritzt, das Laub vollständig entfernt und Blumen nachgepflanzt. Das für Honigbienen so wichtige kontinuierliche Nahrungsangebot fehlt in diesen Gärten: Der Verlust an Blüten ab Ende Mai ist dramatisch. Die Beziehungsnetze von Artengemeinschaften sind zerschnitten (durch Thujen, Mauern, versiegelte Flächen etc.), der natürliche Lebenszyklus von Keimen, Wachstum und Blüte über Bestäubung, Frucht- und Samenbildung bis zur Verrottung ist unterbrochen. Der häufig verwendete Mineraldünger schadet unbemerkt vielen Lebewesen. Durch entferntes Laub dringt im Winter Kälte in den Boden ein und schädigt Wurzeln und Tiere.

Es geht auch anders

Was ist alles möglich und sinnvoll:

  • vielfältige Strukturen schaffen (Totholzhaufen, Trockenmauer, Teich, etc.)
  • ohne Gift gärtnern
  • wilde Ecken stehen lassen oder einrichten
  • torffreie Blumenerde nutzen
  • heimische Blühhecken und Stauden pflanzen (Infos siehe unten)
  • regionales Saatgut verwenden
  • Wildbienen-Nisthilfen aufstellen (dabei auf gute Qualität achten!)
  • im Winter Pflanzenstängel nicht zurückschneiden und Laub liegen lassen

Bienenfreundliches Gärtnern basiert auf den Grundsätzen der Naturgartenbewegung. Es zeichnet sich jedoch in einzelnen Bereichen durch spezifische zusätzliche Anforderungen aus:

Naturgarten-Grundsätze Anforderungen an einen bienenfreundlichen Garten
Lebenskreisläufe und Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen berücksichtigen und befördern, um ein natürliches Gleichgewicht zu erreichen Hier stehen die Bedürfnisse der Wildbienen im Mittelpunkt. Sie gehören zu den wichtigsten Bestäuberinsekten und sind unverzichtbar, um ein natürliches Gleichgewicht zu erreichen. Damit Wild- und Honigbienen ein ausreichendes Nahrungsangebot vorfinden, ist es wichtig darauf zu achten, von Frühjahr bis Herbst genügend Futterpflanzen anzubieten. Zudem sind Wildbienen darauf angewiesen, innerhalb ihres sehr begrenzten Aktionsradius‘ Nistmöglichkeiten und Nestbaumaterialien vorzufinden.
Heimische und gebietseigene Pflanzen aus biologischem Anbau verwenden Durch ihre gemeinsame Evolution besteht ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen den Wildbienen und den Wildpflanzen einer Region. Nur wenn diese Zusammenhänge berücksichtigt werden, kann aus einem Garten ein Wildbienenparadies werden. Die Pflanzenauswahl sollte daher so getroffen werden, dass den Bedürfnissen möglichst vieler Bienenarten aus der jeweiligen Gegend entsprochen wird.
Kombination von Kleinstrukturen schafft ein vielfältiges Lebensraummosaik Im bienenfreundlichen Garten liegt der Schwerpunkt auf der Schaffung eines möglichst breiten Angebots an Nahrungspflanzen und Nistmöglichkeiten für Wildbienen. Um dies zu erreichen, sind viele Kleinstrukturen sinnvoll: Zum Nisten nutzen die Wildbienen z. B. die Ritzen von Trockenmauern, die Fraßgänge von Käfern im Totholz oder markhaltige Pflanzenstängel, wie sie eine Blühhecke bietet. Die meisten Wildbienen nisten allerdings unterirdisch. Ihnen kann man helfen, indem man ein paar möglichst sonnige Flecken Erde dauerhaft offenhält.
Naturerfahrungen fördern das Verständnis für die komplexen Zusammenhänge von Ökosystemen Es ist spannend und interessant, die sympathischen Wildbienen bei ihrem Treiben zu beobachten. Sie regen durch ihre nicht leicht zu durchschauende Lebensweise dazu an, mehr über sie zu erfahren. Besonders leicht und ganz aus der Nähe kann man diese harmlosen Insekten an Nisthilfen beobachten. Die einzeln lebenden Wildbienen, die sich hier einfinden, stechen nicht. Nur Hummeln verteidigen sich bei Bedrohung durch Stiche.
Verzicht auf Torf Bitte keinen Torf bzw. keine torfhaltige Blumenerde verwenden! Torf wird durch die Trockenlegung von Mooren gewonnen, die zahlreichen spezialisierten Tieren und Pflanzen als Lebensraum dienen, und zudem als Kohlenstoffsenken von herausragender Bedeutung sind. Torf ist auch gar nicht nötig, wenn man im Einklang mit der Natur gärtnert. Es gibt viele alternative Methoden den Boden fruchtbar zu erhalten. Zudem meiden die im Boden nistenden Bienenarten den Torf. Sie brauchen möglichst gewachsenen Naturboden.
Was ist ein Naturgarten

Ein Naturgarten ist ein nach ökologischen und Nachhaltigkeitsprinzipien gestalteter Garten zum Nutzen von Natur und Mensch. Bei der Anlage des Gartens und bei seiner Bewirtschaftung wird Rücksicht auf die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen genommen. Die natürlichen Lebenskreisläufe werden dabei befördert. Dies kann nur funktionieren, wenn es Bereiche im Garten gibt, in denen die Natur sich frei entwickeln kann. Im Naturgarten wird durch die Kombination von Kleinstrukturen, wie beispielsweise einer Trockensteinmauer, eines Teichs oder einer Blühhecke ein Lebensraummosaik geschaffen, das die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Tiere und Pflanzen bedient.

Um dabei dem neu entstandenen, komplexen Beziehungsgefüge ausreichend Rechnung zu tragen, sollte der größte Teil der Pflanzen in einem Naturgarten einheimisch sein. Von Vorteil ist zudem die Verwendung von Wildformen regionaler Herkunft. Diese sind am besten an das örtliche Klima angepasst. Die so geschaffenen Bedingungen befördern den Artenreichtum und tragen so zur Stabilisierung des Ökosystems Naturgarten bei.

In einem im Gleichgewicht befindlichen Lebensraum werden sich auch kaum Probleme mit „Schädlingen“ ergeben, da diese von den „Nützlingen“ entsprechend in Schach gehalten werden. Sollte hier dennoch Handlungsbedarf erwachsen, kann der gezielte Einsatz bestimmter Nützlinge helfen. Insektenvernichtungsmittel sind dagegen ebenso wie alle chemisch-synthetischen Spritzmittel in einem Naturgarten tabu.

Auch im Nutzgartenbereich eines Naturgartens gelten die Grundsätze des ökologischen Gärtnerns. Einem Schädlingsbefall wird hier durch Mischkulturen vorgebeugt. Gründüngung und eine sinnvolle Fruchtfolge halten den Boden fruchtbar und machen Kunstdünger überflüssig. Ein grundlegendes Prinzip des Naturgartens ist der Verzicht auf Torf und torfhaltige Erde. Rasenschnitt oder kleingeschnittene Brennnesseln kommen der Bodenfruchtbarkeit zugute, dienen aber zugleich dazu, das Aufwachsen unerwünschter Pflanzen zu verhindern.

Bei der Anlage eines Naturgartens werden nach Möglichkeit Recyclingmaterialien oder Rohstoffe aus der Umgebung verwendet. Für Zäune oder andere Strukturen eingesetztes Holz sollte unbehandeltes und witterungsbeständiges Material eingesetzt werden. Auf Zaunfundamente oder undurchlässige Mauern ist zu verzichten, um den Garten nicht von umgebenden Naturräumen abzuschneiden.

Heimische Blütenpflanzen
Biene auf Blume

Tagetes, Geranien oder Stiefmütterchen finden sich in neuseeländischen genauso wie in europäischen Vorgärten. Eigentlich langweilig, oder? Dabei sind in Deutschland 2.700 Pflanzenarten heimisch! „Heimisch“ bedeutet, dass diese Pflanzen ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet (vor Kolumbus) in Mitteleuropa haben. Sie gedeihen ohne das Zutun der Menschen in natürlichen Lebensgemeinschaften und können sich über Samen eigenständig vermehren. Mit jeder heimischen Pflanzenart bieten Sie etwa zehn heimischen Tierarten Futter. Aber nur etwa 60 dieser Arten werden in Gartencentern angeboten. Durch diese tägliche Eintönigkeit vergessen wir langsam, wie wunderschön unsere Natur vor der Haustür sein kann.

Es gibt sie aber doch: Anbieter von heimischen Wildpflanzen und regionalem Saatgut. Die meisten vertreiben ihre Ware auch über das Internet. Unterstützen Sie diese Vorreiter in Sachen Natur im eigenen Garten!

Stauden und Gehölze

Bild Garten

Bei der Auswahl von Stauden und Gehölzen für den bienenfreundlichen Garten sollten Sie darauf achten, dass es möglichst über die gesamte Vegetationsperiode hinweg blüht, damit den Bienen dauerhaft Nektar und Pollen als Nahrung zur Verfügung steht.

Blumenwiese

Blumenwiese

Wer eine Blütenwiese für die Wildbienen anlegen will, sollte den Schwerpunkt der ausgesäten Blütenpflanzen auf heimische Pflanzen legen. Mit dem gezielten Anpflanzen vieler unterschiedlicher heimischer Gewächse können Sie dazu beitragen, dass viele verschiedene Bienenarten und auch andere Insekten vom Frühling bis in den Herbst hinein ausreichend Nahrung finden. Vor allem auf dem Land ist dies wegen der landwirtschaftlichen Monokulturen nicht mehr gewährleistet. Einen Überblick über die Blütezeiten verschiedener heimischer Arten finden Sie hier.

 

Torf und Gartenbau

Zur Bedeutung der Moore

© Christian Fischer. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia-Commons

Die obersten Bodenschichten der Moore werden als Torf bezeichnet. Dieses besondere Sediment kann nur unter den speziellen Bedingungen im Moor entstehen. Es dauert etwa 1 000 Jahre, bis sich ein Meter Torf gebildet hat. Moore stellen wertvolle Ökosysteme dar, die von zahlreichen Tieren und Pflanzen besiedelt werden, die nur hier leben können. Zudem sind sie wichtige Rastplätze für viele Zugvögel. Funktionierende Moore spielen ferner eine bedeutende Rolle im natürlichen Wasserkreislauf und im Klimaschutz. Durch ihre Speicherfähigkeit können sie Überflutungen bei Hochwasser verhindern. Die Filterwirkung der Moorpflanzen und des Torfes tragen zur Reinhaltung des Grundwassers bei. Die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz hängt mit ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher zusammen. Diese ist hinsichtlich der Problematik des Klimawandels von besonderer Relevanz. So übersteigt die Speicherkapazität der weltweit noch bestehenden Moorflächen derzeit diejenige aller Waldgebiete der Erde etwa um das Doppelte.

Nutzung und Gefährdung der Moore

Moore sind weltweit gefährdet. Die wesentlichen Funktionen (Wasserspeicher, Artenschutz, CO2-Senke etc.) kann in Deutschland nur noch etwa 1 Prozent der insgesamt rund 1,4 Millionen Hektar umfassenden Moorfläche uneingeschränkt erfüllen. Hauptsächlich für die Land- und Forstwirtschaft wurden die Moore im Verlauf der letzten Jahrhunderte nutzbar gemacht. In weitaus geringerem Maß dienten und dienen sie zur Gewinnung von Torf als Brennstoff und Bestandteil von Substraten für den Pflanzenbau. Generell erfolgte bisher die Entwässerung der in Nutzung genommenen Moore, was letztlich ihre Zerstörung bedeutete. Entwässerte Moore sind nicht nur nicht mehr in der Lage, Kohlendioxid zu speichern. Die darin im Verlauf von Jahrtausenden gespeicherten Klimagase werden im Zuge der Zersetzung des Torfkörpers wieder freigesetzt. In letzter Zeit wurden jedoch landwirtschaftliche Techniken entwickelt, die es erlauben, Moorböden auch in nassem Zustand zu nutzen. Man spricht dabei von Paludikulturen.

Nutzung von Torf im Gartenbau

© Christian Fischer. Lizensiert unter CC_BY_SA_3.0 über Wikimedia-Commons

Aufgrund seiner ausgeprägten Fähigkeit, Nährstoffe und Wasser zu speichern, und wegen seiner hervorragenden Durchlüftung wird Torf heute primär zur Produktion von Substraten für den Gartenbau gewonnen. In Deutschland werden derzeit jährlich etwa 8 Millionen Kubikmeter abgebaut. Hierzu dürfen aber nur schon entwässerte Flächen genutzt werden. Zudem ist die Torfindustrie in Deutschland verpflichtet, diese Gebiete anschließend wieder zu vernässen. Auf diese Weise ist es möglich, die Kapazität der Böden als Kohlenstoffspeicher teilweise wieder herzustellen. Daher drängen Klimaforscher auf die Wiedervernässung von land- und forstwirtschaftlich genutzten Mooren. Ein funktionierendes Moor wird in aller Regel jedoch dadurch nicht wieder entstehen.

Jährlich werden für die Herstellung von Gartenbauprodukten in Deutschland etwa 9 bis 10 Millionen Kubikmeter Torf verarbeitet. Da die heimischen Fördermengen den Bedarf jedoch nicht decken können, wird bereits ca. ein Drittel davon importiert, primär aus Osteuropa. Dort genießt jedoch nur ein geringer Teil der Moore Schutz, die meisten können für den Torfabbau ausgebeutet werden. So werden in der Europäischen Union und Osteuropa jährlich etwa 60 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut und damit ca. 1 200 Quadratkilometer Moorland zerstört. Weltweit verschwinden jedes Jahr 5 000 Quadratkilometer Moore.

Was man tun kann um die Moore zu schützen

© Peter Schwarz / Shutterstock

Aufgrund der beschränkten Verfügbarkeit von Torf und der besonderen Bedeutung der Moore für den Klimaschutz, den Wasserkreislauf und die Biodiversität ist es dringend geboten, den Torfabbau zu beenden. Prognosen sagen voraus, dass der verfügbare Torf bei gleichbleibendem Abbautempo in 25 bis 50 Jahren aufgebraucht sein wird. Zum Schutz der noch bestehenden Moore können Sie einen wichtigen Beitrag leisten, indem Sie darauf achten, nur noch torffreie Gartenerde zu kaufen. Ohnehin gibt es bessere Mittel zur Bodenverbesserung als Torf, denn der wirkt sich zwar positiv auf die Durchlüftung des Bodens aus, ist aber auch extrem nährstoffarm und führt zur Versauerung des Bodens. Zudem verliert er seine Kapazität, Wasser zu speichern, sobald er einmal ausgetrocknet ist. Die beste Alternative ist die Nutzung von Kompost. Daneben können Rindenhumus, Holz-, Kokos- sowie Chinaschilf- und Hanffasern genutzt werden.

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