Biologische Vielfalt

Unter "Biologischer Vielfalt" oder "Biodiversität" versteht man die Vielfalt der Ökosysteme und der Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Die biologische Vielfalt ist weltweit in dramatischem Ausmaß rückläufig. Als wichtigste Ursachen für den Verlust der Biodiversität gelten die Veränderungen in der Landnutzung (vor allem die Abholzung von Wäldern und die Umgestaltung natürlicher Ökosysteme zu landwirtschaftlich oder baulich genutzten Flächen), Klimaveränderungen, die Stickstoffbelastung von Gewässern (Einträge über Kunstdünger, Fäkalien und Autoabgase) und die Ausbreitung von nicht einheimischen Arten.

Deutschland summt!  und die Trägerin der Initiative, die Stiftung für Mensch und Umwelt, setzen sich vor allem für den Schutz und die Verbesserung der Ökosysteme ein, um so einen Beitrag zur Erhaltung der Bienenarten und der von ihnen bestäubten Pflanzen zu leisten. Die verschiedenen Wildbienenarten sind nämlich auf unterschiedliche Lebensräume angewiesen und tragen mit ihrer Bestäubungsleistung gleichzeitig zum Erhalt dieser Lebensräume mit ihren spezifischen Pflanzengemeinschaften bei.

Bienen und andere Bestäuberinsekten haben vermutlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Vielfalt der Blütenpflanzen gespielt. Vor rund 120 Millionen Jahren entwickelten sich in einem Prozess der wechselseitigen Anpassung (Koevolution) sowohl die Bienen als auch die zu bestäubenden Blütenpflanzen mit ihrer großen Vielfalt an Blütenformen und -farben sowie Blütezeit. Wie bei vielen anderen Insekten auch, gibt es daher unter den Wildbienenarten einige, die sich bei der Aufnahme von Pflanzenpollen und Nektar auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert haben. Diese Art der Futter-Spezialisierung nennt man Oligolektie. Sind die Wildbienen noch stärker spezialisiert und sammeln Pollen nur bei einer Pflanzengattung oder sogar von nur einer Pflanzenart, bezeichnet man dies als monolektische Verhaltensweise. So erklärt sich, warum viele Wildbienenarten in den letzten Jahrzehnten in ihrem Bestand stark dezimiert, regional verschwunden oder sogar ausgestorben sind: Mit dem Verschwinden der Pflanzen aus unserer Kulturlandschaft verschwinden auch die Insekten. Wildbienen können aufgrund ihrer evolutiven Anpassung nicht auf andere Futterpflanzen ausweichen. Ohne ihre Trachtpflanzen sterben sie lokal selbst dann aus, wenn es reichhaltig blüht und ideale Nistplätze vorhanden sein mögen. In Deutschland sind 30 Prozent der Wildbienenarten oligolektisch.

So haben einige Lebensräume wie z.B. Wiesen, also selten gemähtes und nur mäßig gedüngtes Grünland, eine große Bedeutung für viele Wildbienenarten. Dort wachsen mit dem Wiesen-Bocksbart und der Wiesen-Glockenblume Pflanzen, die einigen spezialisierten Sandbienen-Arten als Pollenquelle dienen. Auch Waldränder, Kies- und Lehmgruben, Feldraine, Straßenböschungen und eine Vielzahl anderer Naturräume bieten jeweils unterschiedlichen Bienenarten geeignete Lebensbedingungen.

Politische Initiativen für den Erhalt der biologischen Vielfalt

Biodiversity is Life

Im Jahr 1992 unterzeichneten auf dem "Erdgipfel" in Rio de Janeiro 192 Staaten die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD). Sie ist das zentrale politische Dokument für den Schutz der Biodiversität, auf das sich die Bemühungen auf den verschiedenen politischen Ebenen beziehen. So veröffentlichte die Europäische Kommission im Jahr 2011 eine EU-Biodiversitätsstrategie (PDF), mit der sie bis 2020 den Verlust der biologischen Vielfalt stoppen will. Die Strategie enthält Einzelziele für sechs Themenbereiche, die mit konkreten Maßnahmen erreicht werden sollen. Bereits im Jahr 2007 verabschiedete die deutsche Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Die Strategie benennt rund 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen und soll bis zum Jahr 2020 gelten. Zur Umsetzung der Strategie wurde unter anderem das Förderprogramm Bundesprogramm Biologische Vielfalt aufgelegt. Auch auf Ebene der Bundesländer und der Kommunen gibt es vielfältige Anstrengungen zum Schutz der biologischen Vielfalt. In allen Strategien sind neben den staatlichen Stellen auch die gesellschaftlichen Akteure und die Bürger aufgerufen, sich mit ihren Möglichkeiten an den Umsetzungsprozessen zu beteiligen.

Schmetterling des Jahres 2016: Der Stachelbeer-Spanner
© L. Hlásek

Der Stachelbeer-Spanner wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Nordrhein-Westfalen, und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen als Schmetterling des Jahres 2016 bestimmt. Es handelt sich hierbei um einen Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von etwa 4 Zentimetern. Sowohl der Falter als auch die Raupe weisen eine auffällige Färbung auf, die ein deutlich sichtbares Warnzeichen für seine Feinde ist, ihn nicht zu fressen.

© M. Finkel

Der früher auch in Wohngebieten verbreitete Stachelbeer-Spanner gilt heute leider bundesweit als gefährdet. Aus diesem Grund wurde er in die Rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen. Gründe für sein Ausbleiben sind die intensiv betriebene Forstwirtschaft, der Rückgang von flussbegleitenden Wäldern sowie die zunehmende Tendenz zu sterilen Gärten mit einer geringen Artenvielfalt an einheimischen Pflanzen. Lichte und strukturreiche Wälder, wie sie der Nachtfalter braucht, werden durch Monokulturen aus Fichten, Douglasien und Kiefern verdrängt. Zudem fallen Auwälder Flussbegradigungen, landwirtschaftlicher Nutzung und Überbauung zum Opfer.

© P. Buchner

Johannisbeeren und Stachelbeeren - die bevorzugten Futterpflanzen des Falters - finden sich kaum mehr in unseren Wäldern und sind auch immer seltener in Gärten anzutreffen. Hier werden zudem viel zu oft synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die Schädlinge und Nützlinge gleichermaßen versehren. Zudem schaden Pestizide auch Pflanzen und Böden sowie Oberflächen- und Grundwasser, die zuletzt auch in unsere Nahrungsmittel gelangen und uns Menschen gefährden.

Durch das Anpflanzen von Beerenobst kann jeder etwas für den Stachelbeer-Spinner und eine Reihe weiterer Schmetterlinge tun. Selbst angebautes Obst und Gemüse schmecken zudem besonders lecker.

Insekt des Jahres 2016: Der Dunkelbraune Kugelspringer
© Andreas Stark, Ampyx-Verlag

Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat den Dunkelbraunen Kugelspringer (Allacma fusca) zum Insekt des Jahres 2016 gekürt. Er wurde stellvertretend für die große Gruppe der Organismen ausgewählt, die für fruchtbare Böden sorgen. Durch die Wahl dieses Tieres will die Gesellschaft darauf aufmerksam machen, dass die Fruchtbarkeit der Böden weltweit zunehmend bedroht ist. Gründe dafür sind besonders die übermäßige und unsachgemäße Nutzung der Böden sowie der massenhaften Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Der nur 4 mm große Dunkelbraune Kugelspringer ist eine der unzähligen Lebensformen, die sich im Boden tummeln und dessen Fruchtbarkeit garantieren. Er ernährt sich von Zerfallsstoffen und trägt so zur Bildung von Humus bei, der ein zentraler Bestandteil fruchtbarer Böden ist.

Kontakt

Dr. Corinna Hölzer, Cornelis Hemmer
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